grätzlhotels: Wiener auf Zeit sein

Die Metropole abseits touristischer Trampelpfade erleben: Warum die Wiener grätzlhotels mit ihrem Individualreise-Konzept Airbnb und Co. alt aussehen lassen.
März 15, 2017 | Text: Daniela Almer | Fotos: Claudio Martinuzzi, Heidrun Henke, Ingo Karnicnik, Monika Nguyen

Alles, nur kein Mainstream

Kaiser Franzl, Sisi, Sachertorte und Co. – dass Österreichs Hauptstadt weit mehr zu bieten hat als abgedroschene Klischee-Bilder, werden wohl schon einige vermutet haben. Trotzdem wandeln viele Besucher während ihres privaten oder beruflichen Aufenthalts in Wien auf den üblichen Touri-Main­stream-Pfaden – oftmals wegen scheinbar mangelnder Alternativen.
Städtetrips werden zwar immer beliebter, aber wie sehr der internationale Markt bereits von den traditionellen Pauschalreisen mit Rundum-Hotelservice und den obligatorischen Stadtführungen, bei denen man folgsam wie ein Lemming einem bunten Regenschirm hinterhertrabt und Picturepoints bei den klassischen Sehenswürdigkeiten inmitten amerikanischer oder asiatischer Touristenhorden absolviert, gesättigt ist, bestätigt der Boom von Online-Plattformen wie Airbnb oder Wimdu.
Anfangs von der Hotellerie belächelt, avancierte dieses private Unterkunftssystem in den letzten Jahren zum Mekka für Individualreisende, da es unter anderem die verlockende Möglichkeit bietet, das Urlaubsziel authentisch zu erleben. Denn wie ein Land oder eine Stadt wirklich ist, weiß man erst, wenn man sie aus Sicht der Einheimischen entdeckt.

Zu Hause fühlen im Grätzel

Auf diesen Trendzug sprang vor mittlerweile sechs Jahren die heute als Urbanouts Hospitality GmbH firmierende Hotelbetreiber-Gesellschaft der grätzlhotels in Wien nicht nur auf, sondern entwickelte das System auch weiter.
Zunächst realisierten die Unternehmen Urbanouts GmbH und die Grätzlhotel Betriebs GmbH parallel und unabhängig voneinander das Streuhotel-Konzept: In den Grätzeln des zweiten und vierten Wiener Bezirks wurden leer stehende Geschäftslokale zu Hotelsuiten umfunktioniert.
Und um aufgrund des ähnlichen Wortklangs Missverständnissen gleich vorzubeugen: Grätzel haben natürlich nichts mit der ansteckenden und stark juckenden Hautkrankheit zu tun, die man im Übrigen auch anders schreibt, sondern das Wort ist ein ostösterreichischer, umgangssprachlicher Ausdruck für den Teil eines Wohnviertels. Vergleichbar etwa mit dem Kiez in Berlin oder dem Veedel in Köln.

Alles, nur kein Mainstream

Kaiser Franzl, Sisi, Sachertorte und Co. – dass Österreichs Hauptstadt weit mehr zu bieten hat als abgedroschene Klischee-Bilder, werden wohl schon einige vermutet haben. Trotzdem wandeln viele Besucher während ihres privaten oder beruflichen Aufenthalts in Wien auf den üblichen Touri-Main­stream-Pfaden – oftmals wegen scheinbar mangelnder Alternativen.

Städtetrips werden zwar immer beliebter, aber wie sehr der internationale Markt bereits von den traditionellen Pauschalreisen mit Rundum-Hotelservice und den obligatorischen Stadtführungen, bei denen man folgsam wie ein Lemming einem bunten Regenschirm hinterhertrabt und Picturepoints bei den klassischen Sehenswürdigkeiten inmitten amerikanischer oder asiatischer Touristenhorden absolviert, gesättigt ist, bestätigt der Boom von Online-Plattformen wie Airbnb oder Wimdu.

Anfangs von der Hotellerie belächelt, avancierte dieses private Unterkunftssystem in den letzten Jahren zum Mekka für Individualreisende, da es unter anderem die verlockende Möglichkeit bietet, das Urlaubsziel authentisch zu erleben. Denn wie ein Land oder eine Stadt wirklich ist, weiß man erst, wenn man sie aus Sicht der Einheimischen entdeckt.

Zu Hause fühlen im Grätzel

Auf diesen Trendzug sprang vor mittlerweile sechs Jahren die heute als Urbanouts Hospitality GmbH firmierende Hotelbetreiber-Gesellschaft der grätzlhotels in Wien nicht nur auf, sondern entwickelte das System auch weiter.

Zunächst realisierten die Unternehmen Urbanouts GmbH und die Grätzlhotel Betriebs GmbH parallel und unabhängig voneinander das Streuhotel-Konzept: In den Grätzeln des zweiten und vierten Wiener Bezirks wurden leer stehende Geschäftslokale zu Hotelsuiten umfunktioniert.

Und um aufgrund des ähnlichen Wortklangs Missverständnissen gleich vorzubeugen: Grätzel haben natürlich nichts mit der ansteckenden und stark juckenden Hautkrankheit zu tun, die man im Übrigen auch anders schreibt, sondern das Wort ist ein ostösterreichischer, umgangssprachlicher Ausdruck für den Teil eines Wohnviertels. Vergleichbar etwa mit dem Kiez in Berlin oder dem Veedel in Köln.

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Bei den grätzlhotels versprühen nicht nur die verschiedenen Suiten Charme: grätzlhotels-Geschäftsführerin Theresia Kohlmayr (re.) und Gesellschafterin Fanny Holzer-Luschnig.

2015 fusionierten die beiden Unternehmen schließlich mit ihren jeweils bestehenden Standorten im Karolinenviertel nahe dem Belvedere sowie am Karmelitermarkt und starteten Ende desselben Jahres mit einer dritten Dependance im zwölften Bezirk am Meidlinger Markt gemeinsam durch.

Die Urbanouts Hospitality GmbH, die sich aus sieben Gesellschaftern der Architektur-, Medien- und Hotelbranche zusammensetzt und deren Geschäftsführung die Gesellschafterin Theresia Kohlmayr innehat, ist jedenfalls sehr zufrieden mit dem Ergebnis des ersten abgelaufenen Geschäftsjahres: Mit ihren bislang 21 Suiten – more to come – erreichten die grätzlhotels mit 3500 Gästen bereits eine Auslastung von 60 Prozent.

Ein echter Wiener geht nicht unter

Die grätzlhotel-Betreiber wollten mit ihrem Konzept aber nicht nur eine professionelle Antwort auf Airbnb und Co. bieten – ein individueller Aufenthalt wie in einer Privatwohnung, aber mit dem modernen Komfort eines Hotels –, sondern das Projekt war auch als bewusster Lösungsansatz für das große Problem der verwaisten, leer stehenden Geschäftslokale ehemaliger Kleinst- und Mittelbetriebe in Wien gedacht, wovon besonders Nebengassen von Haupteinkaufsstraßen betroffen sind.

Diese leer stehenden Geschäftslokale, die früher Werkstätten für Elektriker, Backstuben oder Lampengeschäfte beherbergten, wurden mit viel Liebe zum Detail zu Suiten in unterschiedlichsten Kategorien adaptiert. Die Unterteilung erfolgt dabei wegen des jeweiligen Hauszugangs in street und garden suites sowie aufgrund der Größe in junior suites (25 bis 30 Quadratmeter) und suites (35 bis 40 Quadratmeter).

Während die Grundausstattung in allen zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten ähnlich ist, gleicht bezüglich des Interieurs keine Suite der anderen. Das Design spiegelt nämlich zumeist die Nutzung der jeweiligen Vorbesitzer wider und so residiert man eben nicht in Zimmer XY, sondern in Räumen mit so klingenden Namen wie „Die Zuckerbäckerin“, „Der Laternenanzünder“ oder „Die Lampenschirmmacherin“. Urbanes Storytelling der etwas anderen Art also.

Unsere Gäste können auf den Small Talk in der typischen Hotellobby verzichten.
Geschäftsführerin Theresia Kohlmayr über die Bedürfnisse der grätzhotels-Klientel

Der Check-in gestaltet sich in den grätzlhotels autonom: Reisende bekommen im Vorfeld einen Code für einen Schlüsselsafe zugeschickt, der an jeder Hausfassade der grätzhotels angebracht ist. Eine Rezeption sucht man daher vergeblich, aber Ansprechpartner gibt es am jeweiligen Standort trotzdem: Für den Karmelitermarkt übt das Restaurant Trattoria Triestina die erweiterten Conciergetätigkeiten aus, die Suiten am Meidlinger Markt betreut das Lokal Milchbart und um das grätzlhotel Belvedere kümmert sich das Architekturbüro Kohlmayr Lutter Knapp.

Wenn ein Stadtviertel zur Lobby wird

Nicht nur, weil die grätzlhotels selbst keine kulinarische Verpflegung anbieten, sondern auch, um ihre Gäste in das Treiben der jeweiligen Wiener Stadtviertel einzubinden, schufen die Hotelbetreiber Kooperationen mit den Geschäften und Lokalen der direkten Umgebung.

So können Gäste „mit dem Radl durchs Grätzel strampeln, beim nahe gelegenen Bäcker eine Golatschn frühstücken und beim Szenewirt ums Eck ein Seidl zu sich nehmen“, wie das bunt gestreute Angebot auch auf der Website der grätzlhotels treffend und auf Wienerisch kommuniziert wird.

Definitiv eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Zum einen profitieren die lokalen Geschäfte, kleinen Cafés, Restaurants und Bars von diesem Arrangement in wirtschaftlicher Hinsicht und die Gäste, die zu Wienern auf Zeit werden, erleben mehr als nur ein Meet and Greet mit der charmanten Bevölkerung: in den Grätzeln atmet und lebt man Lokalkolorit vom Feinsten.

Wer jetzt glaubt, dass sich hier nur ein junges, kreatives Reisevölkchen angesprochen fühlt, irrt gewaltig. „Unsere Gäste sind zwischen 18 und 80 Jahre alt, sehr abenteuerlustig und müssen nicht rund um die Uhr versorgt und verpflegt werden, sondern wollen eigenständig in die Stadt eintauchen, sie erkunden. Unsere Zielgruppe sieht darin den Mehrwert unserer Hotels“, erklärt Kohlmayr.

Und da die Reservierungsanfragen stetig steigen, verstehen sich die Expansionspläne der grätzlhotels beinahe von selbst: Zunächst will man weitere Suiten in Wien schaffen, bevor der nationale Markt erobert wird – mit Salzburg stehen die Hotelbetreiber bereits in Gesprächen.

Und dann soll das Konzept auf Franchise-Basis international durchstarten, denn: Was gibt es Schöneres, als sich auf der ganzen Welt zu Hause zu fühlen?!
www.graetzlhotel.com

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