Inspiration: Flair & Superbrot

Wie andere Konzepte funktionieren und warum: Ein Blick auf die spannendsten Hotels, Bars und Restaurants und darauf, wie Sie sich umsetzen lassen
Oktober 7, 2015 | Fotos: Francis Amiand, Piet De Kersgieter, beigestellt, Kirchner Kutt, Camille Blake

Hôtel Félicien, Paris

Flair auf jedem Floor

Hôtel Félicien, Paris

Die Kette Elegancia Hotels hat sich mit dem Hôtel Félicien selbst übertroffen: Jeder Raum ist einzigartig gestaltet von dem französischen Designer Oliver Lapidus. Mode und Design sind hier auf spacige Art verbunden. Eine Fashion-Show, die ihresgleichen sucht und auf ihre glamouröse Art perfekt in die Stadt der Liebe passt. Auf den sechs Etagen des Hotels ist das Interieur klar und durch verschiedene Farbkonzepte aufgelockert – von Türkis-Silber über Gelb-Braun oder das rote Fall-in-Love-Zimmer ist für jede designliebende Aura etwas dabei.
Besonderes Highlight: die Weiße Suite. Sie liegt im obersten Stockwerk des Hotels – dem Sky-Stockwerk. Der separate Salon, das Schlafzimmer und das Badezimmer im Aquamass-Design von Olivier Lapidus überzeugen auch den letzten Paris-Verweigerer. Dazu das Sonnendeck über der Stadt und der Whirlpool auf der privaten Terrasse. Die Ausstattung des gesamten Hotels mit dem Spa und Behandlungen, das futuristische Restaurant sowie die Lounge mit dem Namen Black Bar und Champagner-Karte bieten das Rundum-Wohlfühl-Programm im Herzen der Stadt: mitten in der schicken Nachbarschaft im 16. Pariser Bezirk gelegen – nur ein paar Minuten vom Trocadéro, dem Bois de Boulogne und dem Eiffelturm entfernt.

Konzept Design trifft Mode, um den Besucher zum Bleiben einzuladen. Kunst- und Architektur-Liebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Keine Spur von Einheitsbrei.

Preise Ab 179 bis 499 Euro pro Zimmer und Nacht.

Kette Zur Elegancia-Kette gehören 13 Hotels, die in unterschiedlichen Bezirken in Paris angesiedelt sind. Alle haben den perfekten Standort, um die Stadt der Liebe kennenzulernen. Dazu das Designkonzept jedes einzelnen Hotels.

www.elegancia-hotels.com

Mama Shelter, Los Angeles

Buntes Zusammensein

Mama Shelter, Los Angeles

Das bunte, junge, frische Restaurant in Los Angeles überzeugt mit seinem zusammengewürfelten Design. Die offene Arbeitsfläche zeigt, wie die Köche die Speisen zubereiten, und verbreitet ein gemütliches Flair.
Naturfarben durch die Steinbar, die Arbeitsplatte aus Holz und die Kreide-Zimmerdecke bringen zudem Wärme in den großen offenen Raum. Ein Mittagsmenü sowie die Abendkarte bieten verschiedene Entrees und Salate, wie den Brüssel-Sprossen-Ceasar-Salat oder Quinoa-Tabouleh-Salat. Am Abend gibt es Zusätzliches wie Zucchini-Fritten oder Mamas Fleischbällchen. Preislich liegen die einzelnen Optionen auf der Abendkarte zwischen sieben und 31 Euro. Das teuerste Gericht auf der Karte ist das Prime-Rib-Eye-Steak. Aber auch für den Durst gibt’s Buntes im Glas: Ganz vorne steht natürlich Mamis Liebling, ein klassischer Sazerac. Gleich danach der Cocktail mit dem beschreibenden Namen „Wirf Mami vom Zug!“ Da kann die Party starten!

Konzept Lockeres Design im Inneren wie auch auf der Karte.

Karte Frühstück, Mittag und Abend: Für jede Tageszeit gibt es eine eigene Karte, bei der sich teilweise die Gerichte überschneiden. Außerdem Cocktails und ausgewählte Weine.

Hotel Zum Restaurant gehört ein Hotel mit anlehnendem Konzept. Preislich im normalen Bereich für Los Angeles: ab 130 Euro pro Nacht und Zimmer.

www.mamashelter.com

De Superette, Gent

Superbrot

De Superette, Gent

Wenn einem das Brot der anderen Bäcker nicht schmeckt, dann muss man eben sein eigenes backen: Das dachte sich auch Spitzenkoch Kobe Desramaults und eröffnete gemeinsam mit Rose Green und Sarah Lemke seine eigene Bäckerei – De Superette. Hier wird Brot auf Holz gebacken und ab 9 Uhr verkauft, so lange, bis es ausverkauft ist. Keine Überproduktion für die größere Auswahl und somit auch weniger Abfälle. So kann der In-de-Wulf-Inhaber und -Küchenchef Desramaults seiner Passion nachgehen und vertritt zusätzlich seine Vorstellungen gegenüber der Übersättigung des Lebensmittelmarktes. Zusätzlich zum Bäckereibetrieb gibt es bei De Superette ein Frühstücksmenü, eine Mittagskarte sowie ein Abendrestaurant. Auf der Karte stehen Suppen, Pizzen und Salate. Und weil das Brot und die Gerichte dazu aus dem Holzofen sehr gut ankommen, muss in dem Lokal mit bodenständigem Interieur reserviert werden.

Konzept Handwerk trifft Industrial-Design ohne durchgestyltes Interieur. Das Brot ist wie die Einrichtung: handgemacht.

Öffnungszeiten Frühstück von 9 bis 10.45 Uhr; Mittag von 11.30 bis 14.30 Uhr; Abend von 19 bis 22 Uhr. Montags und dienstags geschlossen.

www.indewulf.be/desuperette

The Store Kitchen, Berlin

Berlin cooking

The Store Kitchen, Berlin

Das Shop-Konzept The Store im Hotel Soho House Berlin in Mitte bietet eine Mischung aus Mode und Design, Kunst, Essen und Arbeiten. Damen- und Herrenmode stehen zwar im Mittelpunkt, aber auch Design, Beautyprodukte, Möbel, Accessoires und Haushaltswaren werden im The Store angeboten. Alles in dem Geschäft ist verkäuflich, von der brennenden Kerze bis zur Musikplatte, die gerade den Einkauf musikalisch untermalt. Und weil sich die Chefs Tommy Tannock und Johnnie Collins am besten mit guter, natürlicher Küche auskennen, sorgen sie mit The Store Kitchen für das richtige kulinarische Angebot. Die beiden Engländer bereiten für Café und Abendgeschäft Suppen, Salate und Toasts aus weitestgehend Bio-Produkten zu. Dabei kommen die meisten Zutaten von den Bauern der Region Brandenburg. Die Verarbeitung dieser ist von der traditionellen Küche inspiriert: Selbst eingelegtes Gemüse oder gepökeltes Fleisch gehören für die Köche genauso dazu wie das Backen des Brotes.
Glutenfreie Muffins, Demeter-Milch und extra gerösteter Kaffee: Klingt nach dem neuen Hipster-Laden der Hauptstadt.

Konzept Bio-Küche mitten in Berlin mit regionalen Zutaten – passend zum hippen The-Store-Einkaufszentrum die natürliche, handgemachte Küche der zwei Chefs aus England.

Atmosphäre Frisch mit natürlichen Materialien. Gemütlich trotz der klaren Linie des Interieurs.

www.thestores.com

i-Suite Hotel, Rimini

Reines Designjuwel

i-Suite Hotel, Rimini

Auf sechs Etagen bringt der Designer Simone Micheli seine futuristischen Ideen auf den Punkt: clean und trotzdem einladend. Das liegt an den runden, aufnehmenden Formen und ruhigen Farbakzenten. Diese werden in 54 Design-Suiten und Junior-Design-Suiten sowie der Penthouse-Suite wiederholt. Die Layouts der Suiten im i-Suite Hotel an der Riviera von Rimini sind unterschiedlich und überschneiden sich doch in ihrem reinen, unaufgeregten Interieur und durch die große architektonische Wirkung der geschwungenen weißen Wände und aufgrund des Light-Designs. Auf der sechsten Etage bieten das Spa i-Feel Good und der Sauna-Bereich mitten in der Party-Metropole Rimini einen Ort der Ruhe. Im Erdgeschoss befindet sich das Restaurant i-Fame mit lokalen, saisonalen und vegetarischen Gerichten vom italienischen Küchenchef Daniele Succi, der auch schon bei Massimo Bottura lernte. Der auf 32 Grad erhitzbare Außenpool i-Ce Age ist einer der besonderen Hotspots des Hotels.

Konzept Namensgebung sorgt für einen Hingucker, im Inneren klassisch-futuristisches Design-Hotel. Zimmer clean und unspektakulär.

Klasse 5-Sterne-Design-Hotel an der Riviera von Rimini

www.i-suite.it

Olo, Helsinki

Pierre Nierhaus

Olo, Helsinki

Nordic Cuisine gilt als Markenzeichen für innovative Küche mit starkem saisonalem und regionalem Bezug. Das Aushängeschild noma hat den Siegeszug der Nordic Cuisine weltweit vorangetrieben.
Daneben gibt es jedoch eine Vielzahl weiterer sehr guter Restaurants, die für diese Art zu kochen ihren eigenen sehr persönlichen Stil gefunden haben. Dazu zählt das Olo in Helsinki.
Olo ist Fine Dining, das Spaß macht. Küche, Service, Ambiente – alles ist auf hohem Niveau, aber die Atmosphäre ist locker und entspannt und entspricht punktgenau dem neuen Stil der Sternegastronomie. Das Olo wurde 2006 von Pekka Teräva Petri Lukkarinen und Timo Sailama gegründet. Drei Jahre später, 2009, erhielt es den Ritterschlag als „Restaurant of the Year“, eine Auszeichnung der finnischen Gastronomenvereinigung. Seither ist es auf Spitzenplätzen in landesweiten Restaurantlisten zu finden und darf sich seit 2011 in ununterbrochener Folge mit einem Michelin-Stern schmücken. Die Küche ist ambitioniert und lädt die Gäste zu einer kulinarischen Reise von unterschiedlicher Länge ein. Mittags wird ein 4-Gänge-Lunchmenü serviert. Die Zusammensetzung orientiert sich an dem Tagesangebot, um den Gästen jeweils die besten Produkte als Grundlage der exquisiten Kreationen bieten zu können. Die Inspiration bezieht der Küchenchef Jari Vesivalo aus der Region und den Jahreszeiten. Zusammenstellung und Präsentation sind gleichermaßen virtuos und gleichen tatsächlich einer Abenteuerreise in neue Geschmackswelten und Sinneseindrücke. Sommelier Teemu Huuhtanen hat für das Olo ein Weinangebot mit Fokus auf kleine, handverlesene Weingüter zusammengestellt. Er begleitet Wein-Novizen und Weinkenner gleichermaßen bei den kulinarischen Reisen mit Empfehlungen.

Erfolgsfaktoren für eine gute KücheWas anders ist als in vergleichbaren Restaurants ist die Fokussierung auf den Gast, seine Wünsche und auch das zur Verfügung stehende Zeitkontingent. Hat der Gast nur wenig Zeit, stellen sich Küche und Service ganz selbstverständlich darauf ein. Das ganze Team gibt dem Gast das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein. Im Olo passt man sich den Gästen an – nicht andersrum. Das Olo pflegt den Wohnzimmer-Charakter und will Gäste wie Freunde bewirten. Küche, Service und die Umgebung transportieren diese herzliche Gastfreundschaft, Ehrlichkeit und Transparenz. Man betritt das Lokal quasi durch die Küche. Die Getränketheke befindet sich mitten im Raum. Das Servicepersonal ist kompetent und gut aufgelegt. Das Ambiente ist finnisch klar, aber warm und gemütlich. Man sitzt in einem überdachten Innenhof in dem komplett restaurierten Lampa-Haus am Hafen, in das das Olo 2013 umgesiedelt ist. Das Olo in Helsinki begeistert durch seine rundum gelungene Präsenz, Gastgeberqualitäten und Flexibilität. Erst im September dieses Jahres war ich zusammen mit Kunden dort und von der Pilzbutter sehr begeistert. Nur wenige Stunden später auf dem Rückflug nach Deutschland erhielten wir bereits die E-Mail des Küchenchefs mit der Rezeptur!
Auf derselben Tour führte uns der Weg auch ins noma, das dieses Mal leider enttäuschte. Servierte man dort vor zwei Jahren noch ein Menü, das umgangssprachlich als ‚richtiges Essen‘ bezeichnet werden kann, bestand das 19-Gänge-Menü beim letzten Besuch mehrheitlich aus Kreationen diverser Blätter mit einem Fleisch- beziehungsweise Fischanteil von insgesamt unter 100 Gramm. Sicherlich interessant, aber Genuss und Spaß am Essen waren dadurch doch ein wenig geschmälert. Erfreulicherweise hat die junge moderne Restaurantszene im Norden Europas heute so viele herausragende Vertreter, dass selbst das Schließen des noma den Glanz dieser besonderen Küche nicht schmälern wird.

Erfolgsfaktoren

– Nordic Cuisine: Regionale Küche mit hoher Saisonalität
– Locker und trotzdem auf hohem Niveau
– Exzellente Gastgeberqualitäten; Gast steht im Mittelpunkt
– Außergewöhnliches Ambiente in überdachtem Innenhof
– Ehrliches und authentisches Konzept
– Hohe Flexibilität

Pierre Nierhaus ist der Innovations- und Veränderungsspezialist für die Hospitality-Industrie und Dienstleistungsbranche mit langjähriger Erfahrung als Gastronomieunternehmer, Trendexperte und Konzeptberater. Regelmäßig veranstaltet er Trendtouren für Hospitality-Profis. Die nächste Gastroexpedition: Shanghai | 12. 11. 2015 – 15. 11. 2015

www.nierhaus.com

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