Corona-Krise: Deutschlands Gastro-Spitze kocht für Helden

Dass man aus der Corona-Krise etwas Gutes machen kann, zeigt Max Strohe mit seiner Initiative Kochen für Helden. Dank ihr kochen nun Gastronomen aus ganz Deutschland für Menschen in Funktionsberufen. Im Interview erklärt Strohe, wie es dazu kam - und was jetzt dringend benötigt wird.
März 24, 2020 | Fotos: Kochen für Helden, Instagram: maxstrohe, Claudio Martinuzzi

Krise ist ein produktiver Zustand, man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen: Das definierte einst der Schriftsteller Max Frisch. Nun klingt das angesichts der Umstände zwar wenig motivierend, manch einer weiß aus der Situation aber doch das Beste zu machen. Sternekoch Max Strohe und seine Partnerin Ilona Scholl fallen etwa in diese Kategorie.

Wie viele andere mussten auch sie ihr Restaurant tulus lotrek in Berlin aufgrund der Auswirkungen der Corona-Krise schließen. Was bleibt, sind eine menschenleere Küche und randvolle Vorratsschränke. Da kann man doch was machen? Richtig: Strohe bringt kurzerhand das Wort „Corona-Krisen-Kochen“ in die Sprache der deutschen Gastronomen – und das Projekt Kochen für Helden ins Laufen.

Max Strohe, Kochen für Helden, Corona-Krise
Ready to Rumble: Mit Desinfektionsmittel zieht Sternekoch Max Strohe in die Schlacht. Kochen für Helden steht auf dem Speiseplan.

Was ist Kochen für Helden?

Der Name hält genau das, was er verspricht: Großartige Chefs kochen für außergewöhnliche Helden. „Wir kochen Essen für die, die den Laden in Zeiten der Krise zusammenhalten“, heißt es auf der Homepage, die es seit heute gibt. Das sind vor allem Menschen in Funktionsberufen: unter anderen Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern, Menschen in Heil-und Pflegeberufen generell, Ärzte in Arztpraxen, Pfleger in Altenheimen und Helfer in Corona-Testzentren.

Die Idee schlug derart hohe Wellen, dass sich Gastronomen in ganz Deutschland dem Projekt anschlossen. Auch Tim Mälzer ist bereits mit an Bord. Was das für alle bedeutet? Ehrenamtliche Arbeit, viel Händewaschen, viel Desinfektionsmittel und sehr viel positiver Sound. Weil die ersten Tage so erfolgreich waren, findet die Aktion täglich mehr Anhänger. Mit Kochtopf, Kochlöffel und Superhelden-Umhang bewaffnet, sagen sie der Krise den Kampf an. Damit dabei die Ware nicht knapp wird, gibt es mittlerweile eine Crowdfunding-Kampagne. In nur drei Tagen haben die Initiatoren damit mehr als 15.000 Euro gesammelt.

Kochen für Helden
Deutschlands Gastro-Spitze tut sich zusammen: Jeden Tag kochen mehr Ausnahmetalente für Helden in Funktionsberufen.

Wie Strohe auf die Idee gekommen ist, wie es nun weitergeht und wie man mitmachen kann, verrät der Sternekoch im Interview.

Max Strohe über Kochen für Helden

Max, was hat dich dazu bewegt, die Aktion zu starten?
Max Strohe: Uns ist klargeworden, dass es darum geht, Dinge anders zu machen – oder auch einfach andere Dinge zu tun. Dann haben wir angefangen zu überlegen, was wir tun können. Und Rungis Express hat gleich am Anfang Ware gesponsert. Als erstes haben wir eine große, geile Ladung Suppe mit viel Gemüse gekocht. Die Idee dahinter: Wir wollen einfach nur die Leute stärken, die jetzt nicht die Möglichkeit haben, zuhause zu bleiben. Mittlerweile gibt es auch einen Zusammenschluss zwischen mehreren Restaurants. Wir wollen uns in der Corona-Zeit nicht als einzelnes Lokal positionieren. Unter dem Hashtag #kochenfürhelden möchten wir ein Netzwerk generieren und uns zu einer einzigen großen Küche zusammenschließen.

Wir wollen einfach Leute stärken, die jetzt nicht die Möglichkeit haben, zuhause zu bleiben.
Unter dem Hashtag #kochenfürhelden stellt Max Strohe gerade Krisenmanagement de Luxe auf die Beine

Wie wurde das bis jetzt angenommen?
Strohe: Das wird gut angenommen, viele Städte machen mit. Es ist so eine Art Graswurzelbewegung. In Berlin ging es los, Hamburg hat sich auch direkt angeschlossen und jetzt geht es in München weiter. Genauso wie in Karlsruhe, Mainz, Chemnitz und so weiter und so fort. Das Ganze ist also von den Kollegen sehr gut angenommen worden. Und natürlich auch von den Leuten, die wir bekochen wollen – und nun auch schon tatsächlich bekochen. Die finden das großartig, sind sehr dankbar und freuen sich jetzt jeden Tag auf eine Suppe. Das ist wirklich eine ganz tolle, breit gestreute Resonanz, auch von Menschen, die mit Menschen zusammenleben, die in Funktionsberufen sind. Die schreiben Nachrichten und sagen: Das ist toll, vielen Dank!

Wie haltet ihr euch momentan über Wasser?
Strohe: Wir machen das vollkommen wohltätig und unentgeltlich, auch alle Leute, die hier mithelfen. Wegen des Mindestabstands arbeiten wir hier sowieso nur zu zweit in der Küche. Wir haben sehr viel Ware bekommen: von Rungis Express, von Weihe, von Havelland Express, und jetzt kommt auch die Metro dazu, die sehr kooperativ ist. Auch von vielen Leuten, die in Kantinen oder Restaurants arbeiten, die jetzt geschlossen sind, erhalten wir Lebensmittel. Oder von Menschen, die Gemüse haben, das weg muss. Das kommt jetzt alles zu uns. Viele Leute stellen vor der Tür etwas ab – weil wir natürlich niemanden mehr rein lassen. So machen wir das, solange das geht.

Max Strohe, Ilona Scholl, Kochen für Helden, Corona-Krise
Ilona Scholl und Max Strohe haben kurzerhand ein Hilfsprojekt aus dem Boden gestampft. Mit der Initiative Kochen für Helden versorgen sie Menschen in Funktionsberufen mit ausgezeichneten Mahlzeiten.

Wozu wird das gesammelte Geld vom Crowdfunding verwendet?
Strohe: Das Crowdfunding kommt ins Spiel, wenn es keine Lager mehr aufzubrauchen gibt. Das Geld hilft uns, danach trotzdem eine Versorgungslage gewährleisten zu können. Und natürlich auch dabei, Dinge wie Benzin zu finanzieren oder Sachen zu transportieren. Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel, Oberflächen- und Handdesinfektion – also alles, was wir zum Arbeiten brauchen – können damit auch gekauft werden.

Wie lange wollt ihr das Projekt aufrechterhalten?
Strohe: Unser ambitionierter Plan ist es, dass alles so lange wie möglich durchzuziehen. Wir haben da keine zeitliche Begrenzung gesetzt, sondern versuchen jetzt eher, über unsere neue Homepage europaweit zu vernetzen. Aktuell erreichen uns viele Anfragen und Spenden. Was wir von unserem Laden aus also gerade machen, ist zum Beispiel Spenden aufzuteilen unter den Restaurants, die mitmachen. Das Projekt funktioniert ja so, dass jedes Restaurant sich seinen eigenen Helden sucht. Je nachdem, wie es für das Restaurant möglich ist, kocht es dann so oft, so viel und so lange es kann und möchte eben für diesen Helden.

Und die wichtigste Frage zum Schluss: Wie kann man sich euch anschließen?
Strohe: Wir haben die E-Mail-Adresse kochenfuerhelden@tuluslotrek.de eingerichtet. Außerdem gibt es ja nun auch die Homepage. Mitmachen und anschließen kann man sich ganz einfach mit gutem Willen und Tatendrang.

www.kochen-fuer-helden.de

Hier kommt ihr direkt zu allen wichtigen Infos über Kochen für Helden.

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