Last Call fürs „Public House“ – Die Zukunft für Pubs in England ist düster
Pubs sind in England gerade in ländlichen Gebieten wichtige soziale Treffpunkte. Nur gibt es immer weniger von ihnen – und das seit Jahren anhaltende „Pubsterben“ dürfte sich in naher Zukunft sogar noch verschlimmern. 2025 musste in England und Wales im Schnitt ein Pub pro Tag dauerhaft schließen: 366 Betriebe wurden abgerissen oder umgewidmet.

Pubs sind in England gerade in ländlichen Gebieten wichtige soziale Treffpunkte. Nur gibt es immer weniger von ihnen – und das seit Jahren anhaltende „Pubsterben“ dürfte sich in naher Zukunft sogar noch verschlimmern. 2025 musste in England und Wales im Schnitt ein Pub pro Tag dauerhaft schließen: 366 Betriebe wurden abgerissen oder umgewidmet.

Einer der prominentesten Pub-Inhaber Großbritanniens ist wohl derzeit der Ex-Top-Gear-Moderator Jeremy Clarkson. In seiner Amazon-Serie „Clarkson’s Farm“ kann man den Fortschritt seiner ersten Gehversuche als Gastronom verfolgen – einfach hat er es mit dem Projekt jedenfalls nicht.
Und nicht nur er. Die gesamte Pubszene steckt in der Klemme. Teils ist das auf die steigenden Gewerbesteuern zurückzuführen.
„Der steuerpflichtige Wert würde [mit der geplanten Erhöhung] von 27.250 Pfund auf 55.000 Pfund steigen, und wenn man die Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigt, die unsere Lohnkosten um 42.000 Pfund pro Jahr erhöht hat, wären wir aufgeschmissen“, rechnet Clarkson die prekäre Lage seines Pubs Farmer’s Dog vor.
15.000 Jobs in Gefahr
Konkret geht es um die „Business Rates“. So wird in Großbritannien die Grundsteuer auf Gewerbeimmobilien genannt. Ab April 2026 wird für fast alle gewerblichen Unternehmen der steuerpflichtige Wert, der zur Berechnung der Höhe der Gewerbesteuer herangezogen wird, neu berechnet, wie es alle drei Jahre üblich ist. Weil die vorherige Bewertung mitten in der Corona-Pandemie erfolgte, verzeichnen viele Unternehmen nun einen starken Anstieg ihrer steuerpflichtigen Werte. Tausende kleinere Pubs werden überhaupt erstmals bewertet.
Der Verband UK Hospitality schätzt, dass die Steuer für Gastronomiebetriebe in den kommenden drei Jahren durchschnittlich um 32.714 Pfund steigen werde. In einzelnen Fällen könnte die Steuerbelastung für Gastgewerbe-Betriebe sogar um das doppelte oder dreifache steigen. Ein weiterer Kritikpunkt des Branchenverbandes BBPA: Große Pubketten sollen mit geringeren Zuschlägen belastet werden als Kleinbetriebe, weil bei hohen Immobilienwerten ein kleinerer Steuermultiplikator gilt. Die BBPA gibt an, dass durch die kommenden Änderungen 15.000 Jobs in Gefahr sind.
Gastronomen protestieren
Seit Dezember tauchten in immer mehr Pubs Schilder auf wie „No Labour MPs“ – einige Betreiber verhängen Lokalsperren und verweigern Labour-Abgeordneten Service oder Zutritt. Der Protest startete u. a. mit dem Larder House (Southbourne) und breitete sich schnell aus.
Der Druck wirkt: Laut Reuters soll die Regierung die geplanten Erhöhungen für Pubs abmildern und ein Paket schnüren – inklusive Business-Rates-Maßnahmen sowie Änderungen bei Lizenzierung, Öffnungszeiten und Deregulierung.