Wassermangel und Müllberge: Darum streikt Griechenlands Gastgewerbe
Griechenland jagt von Rekord zu Rekord. Millionen Gäste, volle Hotels, klingelnde Kassen. Genau in diesem Moment bekommt die Tourismusbranche Sand ins Getriebe. Beschäftigte aus Gastronomie, Hotellerie und Tourismusservices streiken am 24. Juni landesweit für 24 Stunden.

Griechenland jagt von Rekord zu Rekord. Millionen Gäste, volle Hotels, klingelnde Kassen. Genau in diesem Moment bekommt die Tourismusbranche Sand ins Getriebe. Beschäftigte aus Gastronomie, Hotellerie und Tourismusservices streiken am 24. Juni landesweit für 24 Stunden.

Aufgerufen hat die Panhellenic Federation of Food and Tourism Workers, kurz POEET. Der Streik betrifft vor allem Restaurants, Hotels, Cafés, Cateringbetriebe und Services rund um den Tourismus. Auch die Baubranche plant, die Arbeit niederzulegen. Für Gäste kann das kürzere Öffnungszeiten, geschlossene Lokale, langsamere Abläufe im Hotel oder eingeschränkte Dienstleistungen bedeuten. Der öffentliche Verkehr soll laut aktuellen Medienberichten regulär laufen.
Streik in der Rekordsaison
Der Zeitpunkt sitzt. Griechenland kommt aus einem Tourismusjahr mit Rekordzahlen: knapp 38 Millionen internationale Ankünfte, 23,6 Milliarden Euro Reiseeinnahmen. Auch 2026 läuft stark an. In den ersten vier Monaten stiegen die Tourismuseinnahmen laut vorläufigen Zahlen der Bank of Greece kräftig.
Die Menschen hinter diesem Erfolg zeichnen nun ein anderes Bild. Die Gewerkschaft spricht von langen Arbeitstagen, schlecht kontrollierten Überstunden, zu wenig Erholung und Löhnen, die mit den Lebenshaltungskosten kaum Schritt halten. Besonders saisonale Kräfte geraten unter Druck: Sie tragen die Spitzenmonate mit, fallen nach Saisonende oft in unsichere Phasen und kämpfen um ausreichende soziale Absicherung.
Was die Beschäftigten fordern
Im Mittelpunkt stehen höhere Löhne, bezahlte Überstunden und verbindliche Kollektivverträge. Dazu kommen bessere Kontrollen gegen Schwarzarbeit, mehr Arbeitsschutz und klarere Regeln für Saisonkräfte. Auch die digitale Arbeitskarte steht im Zentrum der Kritik. Sie soll Arbeitszeiten nachvollziehbarer machen, greift aus Sicht der Gewerkschaft in Teilen der Branche zu kurz, weil manche Betriebe durch ihre offizielle Einstufung aus dem System fallen.
In Griechenlands Hotels, Restaurants und Tourismusbetrieben sollen für die laufende Saison zehntausende Stellen offen sein. Branchenberichte nennen mehr als 85.000 fehlende Arbeitskräfte. Besonders angespannt ist die Lage in Housekeeping, Küche, Service und Front-Office.
Das spüren Betriebe direkt im Tagesgeschäft. In Küchen und im Service müssen weniger Leute mehr Gäste durch die Saison bringen. Auf Inseln und in stark gebuchten Destinationen verschärft sich der Druck zusätzlich, weil Wohnraum teuer ist und viele Saisonjobs mit komplizierter Unterkunftsfrage verbunden sind.
Griechische Medien berichten von breiter Beteiligung aus mehreren tourismusnahen Bereichen. Der Streik soll auf Missstände aufmerksam machen, die während der Hochsaison oft im Hintergrund bleiben: unbezahlte Mehrarbeit, schwache Kontrollen, unsichere Saisonmodelle und ein wachsender Abstand zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Arbeitsrealität.
Was das für den Tourismus bedeutet
Ein einzelner Streiktag wird Griechenlands Saison kaum aus der Bahn werfen. Er zeigt trotzdem, wie fragil das System geworden ist.
Der Streik am 24. Juni ist damit ein klares Signal aus dem Maschinenraum der Branche. Griechenlands Tourismus läuft heiß. Die Frage ist, wie lange die Teams dieses Tempo noch tragen wollen.
Bereits am Montag kam es auf der Insel Santorin zu einem Busstreik. Der Overtourism führt dort regelmäßig zu Staus, Wasserknappheit und Vermüllung. Die Insel empfängt laut Erhebungen aus dem Jahr 2024 jährlich rund 3,4 Millionen Touristen.