Das dynamische Duo

Elisabeth und Alexandra Gürtler leiten ebenso charmant wie umsichtig die Geschicke des Hauses Sacher.
November 13, 2015

Elisabeth und Alexandra Gürtler in einem Zimmer des Hotels Sacher

Neun von zehn Österreichern werden auf die Frage, welche Hotels sie kennen, das Sacher in Wien nennen. Das Hotel Sacher gehört zu Wien wie der Stephansdom, die Staatsoper oder das Burgtheater. Kein anderes Hotel in der Alpenrepublik hat es zu solcher Berühmtheit gebracht wie das Traditionshaus in der Philharmonikerstraße, das oft genug Schauplatz von Filmen und Fernsehserien war. Wie kein anderes Hotel in der Donaumetropole ist das Sacher erfüllt von der Atmosphäre des kaiserlichen Wiens, vom Flair der guten alten Zeit. Die 108 Zimmer und Suiten, die zwei Luxusrestaurants „Rote Bar“ und „Anna Sacher“, die Blaue Bar und das Café bieten Gastlichkeit für höchste Ansprüche und machen das Haus zu einem der führenden Hotels des Landes.

So sehr man sich im Hotel Sacher aber der Vergangenheit verpflichtet fühlt, so sehr räumt

Elisabeth und Alexandra Gürtler in einem Zimmer des Hotels Sacher

Neun von zehn Österreichern werden auf die Frage, welche Hotels sie kennen, das Sacher in Wien nennen. Das Hotel Sacher gehört zu Wien wie der Stephansdom, die Staatsoper oder das Burgtheater. Kein anderes Hotel in der Alpenrepublik hat es zu solcher Berühmtheit gebracht wie das Traditionshaus in der Philharmonikerstraße, das oft genug Schauplatz von Filmen und Fernsehserien war. Wie kein anderes Hotel in der Donaumetropole ist das Sacher erfüllt von der Atmosphäre des kaiserlichen Wiens, vom Flair der guten alten Zeit. Die 108 Zimmer und Suiten, die zwei Luxusrestaurants „Rote Bar“ und „Anna Sacher“, die Blaue Bar und das Café bieten Gastlichkeit für höchste Ansprüche und machen das Haus zu einem der führenden Hotels des Landes.

So sehr man sich im Hotel Sacher aber der Vergangenheit verpflichtet fühlt, so sehr räumt man der Zukunft ihren Platz ein. Dies zeigt eine der größten Um- und Ausbauprojekte in der 128-jährigen Geschichte des Hauses. Schon vor eineinhalb Jahren kam ein legeres Outlet namens „Sacher-Eck“ hinzu, seither folgten die Renovierung der Blauen Bar, die Einrichtung modernster Tagungsräume, die Neugestaltung des Entrees, die Erneuerung der kompletten Küche und vieles mehr. Zurzeit wird das gesamte Dachgeschoss zu 42 mondänen Zimmern und einem großzügigen Wellnessbereich ausgebaut.

Der Name Sacher steht mittlerweile für ein kleines Imperium: So gehören auch ein Luxushotel in Salzburg sowie je ein nobles Café in Salzburg, Graz und Innsbruck zu dem erfolgreichen Unternehmen. Vor allem aber verbindet man mit dem Namen Sacher eine berühmte Süßspeise: Die Torte mit der Marillenfüllung und der Schokoladenglasur ist eines der größten Geschenke Österreichs an die kulinarische Welt.

Hinter der Marke Sacher steht seit über sieben Jahrzehnten die Familie Gürtler. 1990 übernahm Elisabeth Gürtler das Unternehmen, das die Diplomkauffrau mit großer Souveränität leitet. Seit drei Jahren ist auch Tochter Alexandra im Unternehmen tätig, und mittlerweile ist die Frau Magistra erfolgreich für den gesamten Marketing-Bereich zuständig. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Marke Sacher und welche Veränderungen stehen als Nächstes ins Haus? Rolling Pin sprach mit Elisabeth und Alexandra Gürtler.

RP: Frau Gürtler, Sie leiten das berühmteste und renommierteste Hotel Wiens, ja ganz Österreichs. Wie fühlt man sich an der Spitze einer solchen Institution?

EG: Man trägt zunächst einmal eine große Verantwortung. Einerseits dafür, dass dieses Unternehmen auf dem Markt richtig positioniert ist, richtig agiert und auch – ich sage das ausdrücklich – entsprechende Gewinne einfährt. Nicht, weil man Gewinne entnehmen will, sondern weil man in einem Unternehmen wie diesem ständig investieren muss. Kann ich nicht in entsprechendem Ausmaß investieren, so kann ich den Gästen nicht das bieten, was heutzutage notwendig und gefragt ist. Schlechte Jahre bedeuten immer auch einen Rückschritt, was das Angebot betrifft. Wir investieren ja dauernd. Wir investieren gerade 36 Millionen Euro in den Umbau unseres Hauses, und wir werden in den nächsten Jahren, ja Jahrzehnten, viel verdienen müssen, um das wieder hereinzubekommen.Andererseits trägt man auch Verantwortung für die Mitarbeiter, denn in einem Dienstleistungsbetrieb sind die Mitarbeiter ein ganz wesentliches Faktum. Nur zufriedene Mitarbeiter liefern dem Gast eine gute Dienstleistung. Man muss also dafür sorgen, dass das Betriebsklima gut ist, dass die Mitarbeiter richtig geschult sind und dass die innerbetriebliche Kommunikation stimmt.

RP: Frau Alexandra Gürtler, Sie sind für das Marketing des Unternehmens Sacher verantwortlich und treten nach und nach in die Fußstapfen ihrer Mutter. Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden?

AG: Meine Mutter führt das Unternehmen wirklich gut. Wenn ich mir die Zahlen anschaue, so ist das ein wirklich erfolgreiches Unternehmen. Natürlich gibt es Kleinigkeiten, die man vielleicht etwas anders sieht, aber darüber kann man in Ruhe reden, und da liegen auch keine Welten zwischen uns.

RP: Bleiben wir zunächst bei den Umbaumaßnahmen. Wie sehen da die Fortschritte aus?

EG: Der gesamte Umbau wird bis in den kommenden August andauern. Wir bauen das komplette Dachgeschoss aus. Dort kommen 35 Zimmer hinzu, mit allem, was heute in der Luxuskategorie vorgesehen ist: Badezimmer, getrennte Dusche, getrenntes WC, Garderobe und natürlich die gesamten technischen Dinge eines modernen Hauses.

RP: Es muss eine besondere Herausforderung sein, ein Traditionshaus wie dieses umzubauen. Wie geht man an diese Aufgabe heran, um den Mythos nicht zu zerstören?

EG: Ich kann jetzt noch nicht sagen, ob wir es richtig machen! Bauen ist in einem traditionellen Haus wie dem unseren immer eine komplizierte Angelegenheit, weil Veränderungen von den Stammgästen zumeist nicht positiv, sondern negativ betrachtet werden. Man muss auch bedenken, dass die extreme Raumhöhe dieses Altbaus im Dachausbau nicht verwirklicht werden kann. Die Zimmer müssen dort ganz anders konzipiert sein, leichter sein. Ich versuche dennoch, diese Leichtigkeit mit der klassischen Linie unseres Hauses zu verbinden. Die Räume werden sicher moderner und zeitgemäßer wirken. Das fängt schon damit an, dass ein Raum mit 2.80 m Raumhöhe keinen Luster verträgt und damit schon eine andere Atmosphäre ausstrahlt.

RP: Wollen Sie mit dem Dachausbau auch eine andere Kundenschicht ansprechen?

EG: Natürlich! Wir haben ja schon in den letzten zwei Jahren umgebaut und die Räumlichkeiten des ehemaligen Reisebüros im Hochparterre dazu erworben und dort modernste Konferenz- und Tagungsräume eingerichtet. Wir wollen mit diesem Tagungssegment eher Businessleute ansprechen, auch Pressenkonferenzen hier haben. Das ist ein neues Segment für uns.

AG: Die Räumlichkeiten sind von der Einrichtung her moderner und reduzierter. Sie sind auch in technischer Hinsicht auf dem absolut letzten Stand und verfügen über wirklich alles, was so dazu gehört.

RP: Nach welchen Kriterien suchen Sie eigentlich Ihre Mitarbeiter aus?

EG: Ich muss dazu sagen, dass wir eine Betriebsgröße haben, in der ich mir nicht jeden der 300 Mitarbeiter selbst anschauen kann. Wir haben mit der Frau Hofbauer eine ausgezeichnete Personalchefin, die das anhand der Stellenbewerbungen tut. Abteilungsleiter schaue ich mir aber schon selber an. Da ist für mich nicht so wichtig, was derjenige vorher gemacht hat. Natürlich schaut man sich das zur Information an, wesentlich mehr zählt für mich aber der persönliche Eindruck – welche Persönlichkeit jemand hat. Es kann jemand einen wunderbaren Lebenslauf haben und die renommiertesten Adressen aufzählen – für mich ist maßgeblich, ob er in unser Haus passt. Ich mag Leute, die Dynamik haben, die Energie ausstrahlen, die noch nicht in einem Trott drinnen sind. Wenn die Zeugnisse nicht ganz so gut sind, die Persönlichkeit aber überzeugend, so ist das besser als umgekehrt. Worauf ich auch sehr achte, ist Kontinuität. Ich nehme keine Jobhopper: Wenn jemand jährlich oder halbjährlich die Position wechselt, so ist derjenige für mich die falsche Person.
Ich versuche die Fluktuation im Unternehmen möglichst niedrig zu halten. Vor allem bei den verantwortungsvollen Positionen dauert die Einschulung eine gewisse Zeit, sagen wir zwei bis drei Monate, und wenn er nach einem halben Jahr zum nächsten Job wechselt, ist das der teuerste Abteilungsleiter aller Zeiten für mich. Natürlich verstehe ich, dass sich jemand nach drei oder vier Jahren verändern möchte, aber ein jährlicher Wechsel ist für mich nicht akzeptabel.

Restaurant des Hotel Sachers

RP: Welche Karrieremöglichkeiten habe ich als Mitarbeiter im Hotel Sacher?

EG: Schauen Sie, unser einstiger Page, Peter Panninger, ist 40 Jahre bei uns gewesen und als Chefportier in Pension gegangen. Eine junge Dame, die bei uns als stellvertretende Gouvernante gearbeitet hat, ist heute die Leiterin der Versandabteilung unseres Tortenversandes. Der Herr Heilmann, der als Direktionsassistent bei uns eingetreten ist, ist heute Direktor. Es gibt zahlreiche Karrieren. Aber ich muss zu der Person Vertrauen haben, und das habe ich nicht innerhalb eines Jahres.

RP: Was macht den besonderen Reiz einer Tätigkeit im Sacher aus?

AG: Ich glaube, viele arbeiten gerne hier, weil das Sacher einen gewissen Ruf hat. Es schaut einfach gut aus, wenn man sich wo vorstellt und ein Zeugnis vom Sacher hat. Wir bieten unseren Mitarbeitern natürlich auch Benefits, wie das in anderen Häusern auch üblich ist: Wir haben eine jährliche Feier, wir schenken den Mitarbeitern zum Geburtstag etwas, es gibt einen Mitarbeiter des Jahres. Die Mitarbeiter haben auch die Möglichkeit zur Weiterbildung – es gibt interne und externe Schulungen – in Frankfurt kooperieren wir beispielsweise mit der IFH-Gruppe. Wir haben im Sommer ein Teambuilding mit unseren Abteilungsleitern gemacht, wo wir einen persönlichen Trainer hatten. Es geschieht viel. Wir haben auch viele Mitarbeiter, die sehr lange bei uns sind – das ist ja auch ein Zeichen, dass sie sich hier wohl fühlen.

RP: Wie sieht eigentlich der typische Sacher-Gast aus?

EG: Er ist meistens ab 35. Wir sind – völlig atypisch – am besten an Wochenenden gebucht, da sind wir meistens voll. Das spricht schon dafür, dass wir eher den Leisure-Gast als den Business-Gast haben, der nach Wien kommt, um Kultur zu genießen. Er ist ein wohlhabender Gast, kommt meistens mit seiner Frau oder Freundin und zieht eben unsere traditionelle Atmosphäre einem Designerhotel vor. Durchschnittlich bleibt der Gast 1,6 Tage, wie es eigentlich im Städtetourismus üblich ist. Von der Nationalität her waren früher lange Zeit die USA an erster Stelle, knapp vor Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Seit dem 11. September sind die USA zurückgerutscht, holen aber wieder auf. Wenn Sie mich fragen, wo die Buchungen erfolgen, so sieht die Sache etwas anders aus – viele Buchungen laufen über Leading Hotels of the World, wo wir ja Mitglied sind.

RP: Sie haben den 11. September also auch deutlich zu spüren bekommen?

EG: Natürlich. Der 11. September war gerade ein paar Tage nach unserem 125-jährigen Jubiläum, und wir haben sehr viele Amerikaner hier gehabt. Die konnten alle nicht mehr zurück und haben hier einen wirklichen Schock gehabt. Jetzt kommt das Geschäft allmählich wieder, aber es ist noch immer nicht so, wie es einmal war. Wenn kein Terrorakt mehr passiert, glaube ich, dass wir in ein paar Jahren wieder so weit sind. Ich fürchte nur, dass es nicht passieren wird, dass nichts passiert…

RP: Wo sehen Sie Zukunftsmärkte für Ihr Haus?

EG: Osteuropa wird natürlich immer interessanter. Wir sind auf dem russischen Markt mit einer eigenen Vertretung, das heißt wir haben dort ein Büro, das uns dort promotet. Wir unternehmen regelmäßige Verkaufsreisen nach Moskau und haben auch einen eigenen Verkäufer für diesen Markt abgestellt. Ich bin überzeugt, dass der russische Markt ein wichtiger Markt ist – wir haben schon viele Buchungen, vor allem in den Bereichen Suiten und Junior Suiten.

AG: Mit der EU-Erweiterung rückt Österreich mehr ins Zentrum des Geschehens. Früher waren wir ja eher mehr am Rande. Das sieht man auch daran, dass alle großen Hotelketten Häuser in Wien errichten oder zusätzliche eröffnen wollen. Das machen sie ja nicht zum Spaß, sondern die machen auch ihre Analysen. Ich glaube, dass sich Wien in diese Richtung sehr gut entwickeln wird, was ja auch der Grund dafür war, dass wir sagten, wir bauen aus und kommen somit zurück zu jener Kapazität, die wir einmal hatten, also über 130 Zimmer statt wie jetzt 108.

RP: Wie schaut eigentlich die Preisgestaltung im Hotel Sacher aus?

EG: Es gibt natürlich eine große Palette an Preisen. Es gibt die Rack-Rate, die vom Individualgast bezahlt werden, und wir haben natürlich auch Packages im Angebot. Das untypische am Hotel Sacher ist, dass nach wie vor etwa 40% unserer Gäste Individualgäste sind. Die kommen, weil sie etwas über uns gelesen oder etwas über uns im Fernsehen gesehen haben, wir kommen auch in Filmen vor. Wir sind also eigentlich in einer glücklichen Situation. Gleichzeitig bringt das den Nachteil mit sich, dass der Gast nicht greifbar ist, wenn es zu einem Rückgang kommt. Wir sind also abhängig von der generellen Haltung, die man zu unserem Land, zu unserer Stadt und zu unserem Haus hat. Das teuerste Zimmer ist unsere Präsidentensuite, und das geht in mehreren Kategorien bis zu den Superior Zimmern hinunter. Wir bieten auch Firmenpreise an, die – abhängig vom Volumen – spürbar niedriger liegen.

RP: Vom Hotelbereich zum Gastronomiebereich: Es ist in aller Munde, dass sich die Gourmetgastronomie zunehmend verjüngt. Macht sich das auch in Ihrem Haus bemerkbar?

EG: Wir haben mehrere gastronomische Outlets: die Rote Bar, die unser Top-Outlet ist, wir haben das Café, wir haben das Sacher-Eck, wir haben einen Schanigarten. Überall haben wir eine andere Klientel, und dennoch mischt sich das Publikum. Jemand, der im Eck gerne an einem Stehtisch isst, kann durchaus am Abend elegant essen kommen. Man kann nicht mehr genau definieren, was welcher Kunde ist. In der Roten Bar folgen wir aber keinen kurzlebigen Trends, wir haben eine traditionelle Gastronomie – und auch die entsprechenden Preise. Die Leute kommen zu uns auch anders angezogen – wir werden Jeans akzeptieren, aber es ist nicht üblich. Im Eck ist eine junge Klientel, man kann ein Glas Wein trinken oder einen Snack essen, es ist sehr „casual“. Das Kaffeehaus wiederum wird traditionell mit der Sachertorte verbunden, deswegen kommt der Tourist, aber auch viele Wiener gehen ins Café, lesen dort ihre Zeitung, treffen sich mit jemandem – eigentlich wie in jedem typischen Wiener Kaffeehaus.

RP: Apropos Café – es gibt auch ein Café Sacher in Graz, Salzburg und Innsbruck. Sind weitere Cafés in anderen Städten Österreichs oder des benachbarten Auslands geplant? In Prag oder Budapest zum Beispiel?

EG: Was meine Tochter da machen wird, weiß ich nicht, aber vorerst ist in dieser Richtung unmittelbar nichts geplant. In Österreich sind die wichtigen Städte abgedeckt, ins Ausland wollen wir zurzeit auch nicht.

AG: Eine Kaffeehauskette ist ganz sicher nicht vorgesehen. Wenn wir mit der Marke Sacher expandieren wollen, dann sicherlich nicht im Café-Bereich, da es unmöglich ist, hier eine Qualitätskontrolle zu gewährleisten. Möglich wäre es eher als Sacher-Shop, der keine Küche hat. Einen Prototyp für einen solchen Shop gibt es in Bozen. Der Inhaber erhält von uns die Richtlinien und bezieht von uns die Produkte. Das läuft eigentlich sehr gut, und ich glaube, dass dieses Konzept Zukunft hat.

RP: Die Sachertorte ist ja eine wesentliche Säule Ihres Umsatzes. Lässt sich das genauer beziffern?

EG: Die Torte macht rund 30% des Umsatzes aus. Wir produzieren etwa 350.000 Torten pro Jahr, von denen rund ein Drittel in den Export geht. Wir haben vor fünf Jahren die Produktion außer Haus verlagert und eine Produktionsstätte in Simmering gebaut. Dort wird aber auch alles händisch gemacht. Wir haben zwar versucht, maschinell Teilprozesse abzuwickeln, aber das hat sich nicht bewährt. Zum Beispiel beim Aprikotieren macht es einen Unterschied, ob die Marillenmarmelade maschinell von oben auf die Torte tropft und einsickert oder ob sie manuell mit der Spachtel eingedrückt wird. Es macht auch einen Unterschied, ob die Eier maschinell oder händisch aufgeschlagen werden – die Torte schmeckt einfach anders. Wir haben Versuche mit Konditoreien in anderen Städten gemacht und sind draufgekommen, dass selbst die Wasserqualität und die Luftfeuchtigkeit den Geschmack beeinflussen. Das Einzige, was wir in der neuen Produktionsstätte geändert haben, ist eine effiziente und ökonomische Abfolge der einzelnen Arbeitsschritte.

eine Suite im Hotel Sacher, klassisch in Beige gehalten mit roten Elementen

RP: Frau Alexandra Gürtler, was wollen Sie in Zukunft anders machen als Ihre Mutter?

AG: Ich glaube bei einem Traditionsbetrieb wie dem Sacher darf man nicht revolutionär an die Sache herangehen. Vielmehr muss man eine kontinuierliche Linie gehen. Ich habe bisher schon ein paar Dinge verändert – zum Beispiel das Sacher-Eck, wo wir vielen jüngeren Gästen die Schwellenangst genommen und damit vielleicht eine sanfte Revolution losgetreten haben. Das Sacher muss traditionell bleiben. Wenn wir sagen, wir wollen jetzt modern à la Philippe Starck werden, so ist das absolut nicht das, was die Besucher unseres Hauses erwarten.
Ich glaube dennoch, dass es gut ist, die Schwellenangst bei jungen Leuten zu reduzieren und das Sacher für junge Leute zu öffnen – sei es, dass wir das Speisenangebot ändern oder dass wir, wie im Sacher-Eck, trendige junge Mitarbeiter beschäftigen, die auch viel salopper gekleidet sind als hier im Hotel. Insgesamt ist das Sacher jünger geworden. Die Blaue Bar zum Beispiel: Die wurde vom Stil her zwar auch nur sachte verändert, wirkt aber dennoch frischer als vorher – einschließlich der Uniformen. Nicht zu vergessen auch: der Herr Fink. Er ist seit zweieinhalb Jahren bei uns und seit einem Jahr alleiniger Küchenchef und hat sicherlich einen frischen Wind in die Küche gebracht.

RP: Der Name Sacher ist die wohl am längsten eingeführte Marke in der österreichischen Hotellerie. Setzt man betont auf Tradition oder vertraut man auf behutsame Innovationen?

AG: Ich glaube, man muss die Tradition mit dem Heute verbinden. Das ist ja auch das, was wir versuchen, mit diesem Umbau zu machen. Wir hatten immer ein enges düsteres Entree und haben das nun heller, offener und freundlicher gemacht. Es ist jetzt zwar offen und hell, aber von den Stuckdecken und den Wänden doch traditionell geblieben. Auch die Zimmer, die wir bekommen, werden traditionell und dennoch leichter werden. Wir werden mit hellen und freundlichen Farben arbeiten. Ich glaube, wenn man heute in ein Traditionshaus geht, erwartet man sehr wohl die modernste Konferenztechnik, ein junges, freundliches und aufmerksames Service und ein faires Preis-Leistungsverhältnis. Man muss einfach mit der Zeit gehen.

RP: Was tun Sie konkret, um die Marke Sacher zu vermarkten?

AG: Was haben wir? Wir haben eine Verkaufsabteilung, die wir intern nach Branchen und nach Ländern aufteilen. Wir haben in den USA eine Dame, die uns repräsentiert, und wir haben in Russland eine Dame, die uns repräsentiert. Diese beiden Damen sind eigentlich die Hauptansprechpersonen dort. Zusätzlich habe ich mir einzelne Länder – Deutschland, Frankreich, Italien – unter meinen Verkaufsleuten, die ich in Wien und Salzburg habe, aufgeteilt. Und dann ist natürlich auch der Firmenmarkt für uns ganz wichtig.
Daneben haben wir Kooperationspartner – seien es Hapag-Lloyd als Kreuzfahrtveranstalter oder die Vereinigten Bühnen mit Musical- und Theateraufführungen. Für „Elisabeth“ haben wir beispielsweise kürzlich eine Torte in einer Sondergröße gemacht. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sich Kooperationspartner sucht, die gut zu einem passen. Wir kooperieren natürlich auch mit Airlines, mit der Lufthansa, mit Austrian Airlines, also wir sind für so etwas sehr offen. Man darf nie den Fehler machen, zu glauben, man ist so groß und hat solche Aktivitäten nicht notwendig.
Dazu kommt, dass man ja nicht nur das Sacher vermarktet – man vermarktet ja auch eine Destination. Mit dem Wien-Tourismus hat man auch einen ganz anderen Auftritt als wenn man alleine als ein Haus irgendwo auftaucht. Ich bin jemand, der sich auch da neuen Dingen nicht verschließt, sondern der sehr offen ist für solche Sachen.

RP: Gibt es besondere Anstrengungen zur Kundenbindung?

AG: Das hängt natürlich davon ab, wie viele Room Nights jemand bei uns hat. Zum Beispiel gibt es da Incentive-Programme mit Gutscheinen für Hotels, mit denen wir kooperieren. Wir haben eine jährliche Kundenfeier, wo wir mit privat geführten Häusern – etwa dem Bayrischen Hof in München – kooperieren.

RP: Wie man sieht, gibt es auch eine ganze Reihe von Merchandising-Produkten.

AG: Wir haben über 50 verschiedene Produkte der Marke Sacher. Wir haben Kaffee, Tee, Likör, Wein, Zigarren, Aschenbecher, Tücher, Schürzen, Teddybären, Kindermalbücher – wir haben viel. Die Gäste haben so die Möglichkeit, ein Stück Sacher mit nach Hause zu nehmen. Und seit wir die Sachen in einem geeigneten Forum präsentieren können, spielt diese Schiene eine noch größere Rolle. Das Sacher-Eck gliedert sich ja in einen Gastrobereich und eine Confiserie, und dort ist neben den Süßwaren die gesamte Merchandising-Palette erhältlich. Man kann die Produkte aber auch online ordern.

RP: Zum Abschluss noch eine Frage an Sie, Frau Gürtler. Man verbindet mit Ihrem Namen nicht nur die Marke Sacher, sondern auch den Opernball. Schafft das Synergien?

EG: Keineswegs. Ich lege größten Wert darauf, die beiden Dinge scharf zu trennen. Der Opernball ist laut jährlichem Ministerratbeschluss der offizielle Ball unserer Republik und steht unter dem Ehrenschutz des Bundespräsidenten. Da kann es nicht sein, dass ein privatwirtschaftlicher Betrieb mit einem offiziellen Ereignis verknüpft ist. Würde ich das tun, so könnte ich diese Sache nach kürzester Zeit nicht mehr machen, weil sich die Konkurrenz berechtigterweise aufregen würde. Das wäre auch von Seiten der Offiziellen nicht tragbar. Da ich beide Tätigkeiten in Personalunion mache, kann ich gewisse Berührungspunkte nicht verhindern. Ich versuche die beiden Sachen aber derart streng zu trennen, dass dies unserem Hause oft sogar zum Nachteil gereicht: Unsere Portiers dürfen keine Opernballkarten verkaufen, keine Logen vermitteln – nichts! Sie verkaufen Karten für die Oper, nicht aber für den Opernball! Ich lehne es auch ab, eine Damenspende aus unserer Produktpalette beizusteuern. Ich muss einfach alles tun, um deutlich zu machen, dass ich aus dieser Tätigkeit keinen kommerziellen Vorteil für unser Haus ziehe!

Informationen:
Hotel Sacher Wien
Philharmonikerstraße 4
A-1010 Wien
Tel.: +43 (0)1 51456-0
Fax: +43 (0)1 51456-810
E-Mail: wien@sacher.com
Internet: www.sacher.com

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