Léa Linster – Allein auf weiter Flur

Was Léa Linster mit Jean-Baptiste Grenouille aus „Das Parfum“ verbindet, warum sie aus Taktik Jura studierte, weshalb Frauen an der Spitze dünn gesät sind und wie man den Bocuse d’Or gewinnt.
November 13, 2015

Léa Linster

Alle wollen zurück zum Ursprung. Léa Linster ist schon dort. Weil sie ihn gar nie verlassen hat. Seit sie den Bocuse d’Or im Jahr 1989 gewonnen hat – damals behaupteten Neider sogar, sie hätte ein Verhältnis mit Paul Bocuse –, findet sich das Lamm, mit dem sie den Bewerb gewann, auf der Karte ihres Restaurants in Frisange: Lammrücken in Kartoffelkruste und Rosmarinsauce. „Und es ist noch immer modern“, behauptet sie stolz. „Damit etwas gut ist, muss es nicht kompliziert sein“, erhebt sie Einfachheit zum obersten Prinzip. Wenige Kilometer von Luxemburg-Stadt entfernt zelebriert sie ihr Küchencredo „man muss die Produkte lieben“ und ist durch diese konservative Einstellung fast schon wieder revolutionär.

Love is all around – nicht zuletzt drehen sich auch ihre Kochbücher um das ewige Thema. Zuletzt erschien „Kochen mit Liebe!“, gerade ist der Bildband „Léa avec amour“ mit Marc Theis

Léa Linster

Alle wollen zurück zum Ursprung. Léa Linster ist schon dort. Weil sie ihn gar nie verlassen hat. Seit sie den Bocuse d’Or im Jahr 1989 gewonnen hat – damals behaupteten Neider sogar, sie hätte ein Verhältnis mit Paul Bocuse –, findet sich das Lamm, mit dem sie den Bewerb gewann, auf der Karte ihres Restaurants in Frisange: Lammrücken in Kartoffelkruste und Rosmarinsauce. „Und es ist noch immer modern“, behauptet sie stolz. „Damit etwas gut ist, muss es nicht kompliziert sein“, erhebt sie Einfachheit zum obersten Prinzip. Wenige Kilometer von Luxemburg-Stadt entfernt zelebriert sie ihr Küchencredo „man muss die Produkte lieben“ und ist durch diese konservative Einstellung fast schon wieder revolutionär.

Love is all around – nicht zuletzt drehen sich auch ihre Kochbücher um das ewige Thema. Zuletzt erschien „Kochen mit Liebe!“, gerade ist der Bildband „Léa avec amour“ mit Marc Theis fertiggestellt worden. Ihre Fähigkeiten sieht sie als besondere Gabe, „ich konnte schon immer schmecken und riechen wie sonst niemand“. Das ruft Assoziationen zu Patrick Süßkinds Geruchsgenie Jean-Baptiste Grenouille wach. Dass Linster als erste und bisher einzige Frau den Bocuse d’Or gewann und noch immer wenige Frauen in kulinarischen Spitzenpositionen vertreten sind, erklärt sie so: „Der Unterschied liegt darin, dass Frauen von Anfang an kochen müssen, während sich Männer auf das Wollen beschränken können.“

Beschweren wir uns
nicht über schlechtes Essen,
haben wir bald ernste
gesundheitliche Probleme.

Léa Linster

Luxemburgs Starköchin

Léa Linster mit einem Kollegen in der Küche „Man muss den Bocuse d’Or
als Plattform für sich nutzen“

ROLLING PIN: Sie sind die einzige Frau, die bislang den Bocuse d’Or gewonnen hat, das war 1989 – welchen Stellenwert hat der Bewerb heute?
Léa Linster:
Der Bocuse d’Or ist eine fantastische Plattform, bei der man sein ganzes Talent zeigen kann. Der Sieg katapultiert einen über Nacht nach oben. Vor 20 Jahren berichteten 300 Journalisten darüber, heute sind es 900. Es ist DIE Gelegenheit, international bekannt zu werden. Denn was hilft es, wenn man das Geschäft nur für Nachbarn und Freunde betreibt? Man braucht das internationale Renommee. Der Bocuse d’Or öffnet Türen. Nach meiner Einschätzung sind die Amerikaner diesmal ganz vorne mit dabei, wie gut sie sind, ist wirklich erstaunlich.

RP: Kritiker meinen, der Wettstreit sei längst verstaubt …
Léa Linster:
Was soll das heißen, verstaubt? Ein Guter kommt immer durch. Wer behauptet, der Bocuse d’Or sei verstaubt, der muss es erst einmal selbst so weit bringen. Es ist typisch europäisch: Wenn ein Land nicht gewinnt, übt es Kritik. Sachen verstauben erst, wenn sie perfekt sind. Ich habe damals mit meinem Lamm den Bocuse d’Or gewonnen und es sieht noch immer modern aus – ich mache es seit 20 Jahren schon so. Es ist wichtig, dass man eine Spezialität hat, deretwegen die Leute quer durch das ganze Land fahren.

RP: Worauf achten Sie als Jurorin, was macht gute Küche aus?
Léa Linster:
Es soll machbar sein und es soll gut schmecken – das ist es doch, was wir alle suchen. Wenn es ein Kunstwerk ist und dann auch noch schmeckt, umso besser. Grundsätzlich sage ich: Gut ist nur, was man mit Liebe macht. Ein gutes Huhn macht nur der, der es liebt.

RP: Und wie viel Liebe steckt in der
Molekularküche?
Léa Linster:
Sie ist eine Qual. Und die Gäste trauen sich nicht, etwas zu sagen. Eine Sauce wird nicht dadurch besser, dass man sie mit der Spritze aufzieht. Ich schätze Ferran Adrià für seine absolut intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kochen sehr, das braucht die Kochwelt unbedingt, das Ergebnis allerdings weitaus weniger. Und schon überhaupt nicht seine Nachahmer – es ist wie in der Kunst, die malen den Meister bloß nach.

RP: Was war denn Ihre Initialzündung für die kulinarische Welt?
Léa Linster:
Die Küche hat mich von Anfang gewollt. Dass ich zuerst Jura studiert habe, war nur Strategie. Ich musste für mich selbst spüren, dass es eine Entscheidung war und keine Notlösung. Außerdem: Weggehen und wiederkommen ist immer besser als bleiben müssen. Zudem habe ich eine besondere Gabe. Ich konnte schon immer schmecken und riechen wie sonst keiner im Dorf – außer meinem Vater, aber da er rauchte, war ich besser als er. Wenn man geboren wird, nimmt man die Welt auf eine spezielle Weise wahr. Ich habe die Welt über Geruch und Geschmack wahrgenommen, das war mir schon sehr früh, mit etwa fünf Jahren, bewusst. Ich habe diesen besonderen Gaumen.

Léa Linster lächelndIm Zeitraffer

Nach einem Jurastudium übernahm Léa Linster nach dem Tod ihres Vaters, der ein Café-Restaurant besaß, den elterlichen Betrieb, den sie kontinuierlich zu einem Spitzenrestaurant ausbaute. Seit 1982 betreibt sie in Frisange, rund 15 Kilometer von Luxemburg-Stadt entfernt, ihr Restaurant „Léa Linster Cuisinière“. Das kleine, traditionelle Kaschthaus in Hellange folgte.

Gelernt hat sie bei den Großen der internationalen Gastronomie: Paul Bocuse, Joël Robuchon und Fredy Girardet. 1987 erhielt sie einen Michelinstern, den sie bis heute trägt. Zwei Jahre später gewann sie in Lyon den Bocuse d’Or ihres ehemaligen Lehrmeisters und erhielt 16 Punkte und zwei Hauben im Gault Millau. 1990 wurde sie in Paris mit dem Grand Prix „Femme Commerce d’Europe“ ausgezeichnet. 1990 kam Sohn Louis zur Welt.
Seit 2001 schreibt sie eine Kolumne in der Frauenzeitschrift Brigitte, in der sie propagiert, dass Spitzenköche nicht nur Haute Cuisine auf den Teller bringen müssen. Öfter ist sie im spätabendlichen ZDF-Kochklassiker (früher bei Kerner, jetzt bei Lanz) zu Gast, über Jahre hatte sie auch eine eigene TV-Kochshow im saarländischen Rundfunk. Léa Linster hat zudem im „Tatort“ bereits ihre schauspielerischen Qualitäten unter Beweis gestellt – als Wirtin. Dieses Jahr wurde sie von Gault Millau als „Chef de Cuisine Luxembourg“ ausgezeichnet. Seit mehr als zehn Jahren ist sie Besitzerin eines Weinberges an der Mosel, der Wein wird im Restaurant kredenzt.

Kontakt
Léa Linster Cuisinière
17, route de Luxembourg
5752 Frisange, Luxemburg
Grand-Duché de Luxembourg
Tel : +352 23 66 84 11

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