Mein größter Fehler: Gerhard Retter

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Gerhard Retter.
September 3, 2018 | Text: Andrea Böhm | Fotos: Helge O. Sommer

Hand aufs Herz. Kommt nicht jeder in seinem Leben irgendwann einmal zu dem Punkt, wo er sich fragt: „Was wäre gewesen, wenn?“ So wie er, der hochdekorierte Sommelier, Restaurantleiter und Österreichs authentischster Export nach Deutschland. Gerhard Retter wuchs als Wirtshauskind in der Oststeiermark auf und schlug später – selbstverständlich – auch den Weg in die Branche ein, machte eine fundierte Ausbildung zum Koch und Kellner, welche ihn in weiterer Folge mit seiner großen Leidenschaft, dem Wein, in Verbindung brachte.

Die Jahre danach waren wahre Lehrjahre mit allen Höhen und Tiefen und wie es unsere menschliche Natur so will, neigt man doch dazu, lieber über das Positive zu sprechen. Bei Retter klingt das so: Direkt nach der Ausbildung ging es nach München zu Eckart Witzigmann ins Aubergine, wo er mit seinem Ehrgeiz, Können und vor allem österreichischen Schmäh punktete.

Danach folgten Stationen bei Frédy Girardet in Lausanne, bei Gordon Ramsay in London, Heinz Hanner in Mayerling, im Sterne-Restaurant Lorenz Adlon sowie im legendären Hotel Adlon in Berlin. Gerhard Retter traf in dieser Zeit auf unzählige Prominente wie Tina Turner, Jodie Foster, Bill Clinton bis hin zur Queen Elizabeth II., der er den Nachmittagstee servieren durfte, woraufhin sie sich sogar mit einem Brief bedankte.

Gerhard Retter hält einen Rettungsring in der Hand, mit offener Fliege und Hosenträger

Alles schmeichelhafte Erinnerungen in der Laufbahn des heute 45-Jährigen, doch nun kommen wir zu der Stelle in der Erfolgsstory, wo die eingangs erwähnte Frage aufs Tapet kommt: Was wäre, wenn … Gerhard Retter statt zu Gordon Ramsay nach London zu Sirio Maccioni nach New York ins legendäre Restaurant Le Cirque gegangen wäre? Nun ja, sowohl der Sommelier als auch wir werden es nie erfahren, denn der junge Retter war ein Draufgänger und hat sich diese Chance selbst vertan.

Hand aufs Herz. Kommt nicht jeder in seinem Leben irgendwann einmal zu dem Punkt, wo er sich fragt: „Was wäre gewesen, wenn?“ So wie er, der hochdekorierte Sommelier, Restaurantleiter und Österreichs authentischster Export nach Deutschland. Gerhard Retter wuchs als Wirtshauskind in der Oststeiermark auf und schlug später – selbstverständlich – auch den Weg in die Branche ein, machte eine fundierte Ausbildung zum Koch und Kellner, welche ihn in weiterer Folge mit seiner großen Leidenschaft, dem Wein, in Verbindung brachte.

Die Jahre danach waren wahre Lehrjahre mit allen Höhen und Tiefen und wie es unsere menschliche Natur so will, neigt man doch dazu, lieber über das Positive zu sprechen. Bei Retter klingt das so: Direkt nach der Ausbildung ging es nach München zu Eckart Witzigmann ins Aubergine, wo er mit seinem Ehrgeiz, Können und vor allem österreichischen Schmäh punktete.

Danach folgten Stationen bei Frédy Girardet in Lausanne, bei Gordon Ramsay in London, Heinz Hanner in Mayerling, im Sterne-Restaurant Lorenz Adlon sowie im legendären Hotel Adlon in Berlin. Gerhard Retter traf in dieser Zeit auf unzählige Prominente wie Tina Turner, Jodie Foster, Bill Clinton bis hin zur Queen Elizabeth II., der er den Nachmittagstee servieren durfte, woraufhin sie sich sogar mit einem Brief bedankte.

Gerhard Retter hält einen Rettungsring in der Hand, mit offener Fliege und Hosenträger

Alles schmeichelhafte Erinnerungen in der Laufbahn des heute 45-Jährigen, doch nun kommen wir zu der Stelle in der Erfolgsstory, wo die eingangs erwähnte Frage aufs Tapet kommt: Was wäre, wenn … Gerhard Retter statt zu Gordon Ramsay nach London zu Sirio Maccioni nach New York ins legendäre Restaurant Le Cirque gegangen wäre? Nun ja, sowohl der Sommelier als auch wir werden es nie erfahren, denn der junge Retter war ein Draufgänger und hat sich diese Chance selbst vertan.

Obwohl alles so schön begann. Nach seinen Stationen bei Eckart Witzigmann und Frédy Girardet bewarb er sich eben bei dieser angesehenen Adresse von New York. „Damals war es wahrscheinlich noch viel mehr als heute ein Traum, in Amerika zu arbeiten“, erzählt Gerhard Retter. So auch seiner und auch Sirio Maccioni, ein Italiener, war an dem jungen Mann aus Österreich interessiert und rief ihn tatsächlich für ein Bewerbungsgespräch an. „Das Gespräch lief gut. Wir hatten wirklich Spaß.

Der Maccioni hat gesagt, er würde sich freuen“, erinnert sich der Gastronom an das Telefonat vor Jahren. Die beiden unterhielten sich auf Englisch, bis der liebe Gerhard auf die glorreiche Idee kam vorzuschlagen, sie könnten sich auch gerne weiter auf Italienisch unterhalten. „In München hatten wir immer wieder italienische Gäste. Daher reichten meine Sprachkenntnisse so weit, um die Gäste zu begrüßen und um ein paar Höflichkeitsfloskeln zu wechseln.

Jeder hat Fähigkeiten, die begehrt sind, aber niemand hat alle Fähigkeiten. Man sollte immer mit offenen Karten spielen.
Gerhard Retter setzt auf Ehrlichkeit

Außerdem war ich für ein paar Monate in der Lombardei“, erzählt er und berichtet weiter: „Ich hatte italienische Grundkenntnisse, aber es war höchst naiv und eine vollkommene Fehleinschätzung meines eigenen Könnens zu glauben, ich könnte ein Bewerbungsgespräch mit einem Nativespeaker in dieser Sprache führen.“
Man kann sich vorstellen, dass das Gespräch bald seinen Tiefpunkt erreichte und als die beiden das Telefonat – wieder im gepflegten Englisch – beendeten, wusste Retter: „Das war’s. Diese Chance hatte ich aufgrund meiner kleinen, aber ausschlaggebenden Selbstüberschätzung vertan.“ Er ist sich zu 100 Prozent sicher, dass er den Job im Big Apple bekommen hätte, aber: „Einzig die Vorspiegelung von falschen Tatsachen hat diesen Weg verschlossen.“

Ehrlichkeit währt halt doch am längsten und heute gibt Gerhard Retter gerne ein paar Tipps aufgrund seiner Erfahrung weiter: „Jeder hat Fähigkeiten, die begehrt sind, aber niemand hat alle Fähigkeiten. Man sollte immer mit offenen Karten spielen.“ Und noch eine Erfahrung hat Retter auf Lager: „Man sollte auch ein bisschen devot an Dinge herangehen, denn es ist ein Blödsinn zu glauben, dass alle Welt auf dich wartet.“

Er selbst hat für seine weitere berufliche Laufbahn daraus gelernt und keine falschen Tatsachen mehr vorgespielt: „Im Hotel Adlon habe ich klipp und klar gesagt, dass ich noch nie eine E-Mail verschickt habe. Ich wusste nicht, wie man das macht.“ Und Retter ist überzeugt: „Perfektion ist nicht immer erstrebenswert. Manchmal machen die Schwächen den Menschen zu einem Unikat.“ Natürlich war der junge Gerhard Retter anfangs ein wenig traurig, dass der Traum, nach Amerika zu gehen, nicht geklappt hat.

Doch glücklicherweise gab es mehrere Optionen und so folgte der Weg nach London zu Gordon Ramsay. „Es ist müßig, einem Weg hinterherzutrauern. Ich bin sehr glücklich und dankbar für meinen Weg, wie er sich bis jetzt zugetragen hat.“

www.gerhard-retter.de

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