Das furiose Comeback der Rookies of the Year

Nach einer kurzen Pause feierte der Azubi-Wettbewerb Rookie of the Year auf der Rolling Pin.Convention in Graz ein furioses Comeback: Sechs großartige Finalisten ­zeigten, was sie können und bewiesen: Die Gastronomie hat ganz offensichtlich eine glorreiche Zukunft vor sich.
Juni 15, 2023 | Text: Lucas Palm | Fotos: Raphael Gabauer, Julia Losbichler, Moving Stills

So ganz traut man seinen Augen nicht. Da kämpft man sich durch die Masse an Zuschauern, ergattert einen Stehplatz mit Blick auf das Küchengeschehen – und dann das: Sechs junge, sehr junge Menschen, die Dinge mit einer Schnelligkeit tun, die so gar nicht zu ihrem Alter passt.

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Die 18-jährige Fiona Fuss ist Rookie of the Year 2023 – und bestätigt damit das Standing des legendären Landhaus Bacher als absolute Kaderschmiede für Spitzenköche von morgen

So ganz traut man seinen Augen nicht. Da kämpft man sich durch die Masse an Zuschauern, ergattert einen Stehplatz mit Blick auf das Küchengeschehen – und dann das: Sechs junge, sehr junge Menschen, die Dinge mit einer Schnelligkeit tun, die so gar nicht zu ihrem Alter passt.

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Die 18-jährige Fiona Fuss ist Rookie of the Year 2023 – und bestätigt damit das Standing des legendären Landhaus Bacher als absolute Kaderschmiede für Spitzenköche von morgen

Eine derartige Gewandtheit mit Filetiermessern, Schneebesen und Pinzetten kennt man vielleicht von doppelt so alten Sterneköchen in Netflix-­Dokus – aber ganz sicher nicht von Menschen zwischen 16 und 20 Jahren. Reiben wir uns also kurz die Augen. Sehen wir nochmal hin. Und stellen wir fest: Das alles ist wirklich so. Sechs Supertalente auf einem Fleck? Vielleicht. Fest steht, sie alle sind hochtalentierte Kochlehrlinge, die um den Titel Rookie of the Year 2023 kochen. Und zwar auf einem Level, von dem die Jury in ein paar Stunden sagen wird: Das ist ziemlich krass.

Rookies, so nennt man im Basketball, im Eishockey oder American Football besonders talentierte Jung­spieler. 2007 hatte Rolling Pin erstmals den Lehrlings-Koch­award „Rookies of the Year“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Jungen Talenten unter 21 Jahren die Chance zu geben, zu zeigen, was sie können.

Auf der diesjährigen Rolling Pin.Convention meldete sich der Award nach einer kurzen Pause nun auf fulminante Art zurück. Aus den Hunderten von Bewerbungen haben sich sechs Talente qualifiziert. Und kochten zum ersten Mal in ihrem Leben im Scheinwerferlicht – und ganz ohne fremde Hilfe. Was genau, das bestimmte der Warenkorb mit Produkten wie Edelwallerfilet für die Vorspeise, Barbarie-Ente für die Hauptspeise oder auch Rösti-Kartoffeln fürs Dessert. Der verbindliche Warenkorb stellt sicher, dass die sechs Kandidaten ­dieselben Startbedingungen vorfinden.

Als ich vor 20 Jahren vom Gault Millau ausgezeichnet wurde, kochte ich nicht so gut wie heute die Rookies!
Spitzenkoch Herbert Schmidhofer kam aus dem Staunen nicht heraus

Was es möglichst schmackhaft und handwerklich versiert zu verarbeiten gilt – das ist also für jeden gleich. Wie es verarbeitet wird, das bleibt jedem selbst überlassen. Und genau das macht die Kreativität, um die es bei diesem Wettbewerb mitunter geht, für die Jury auch so messbar. Kreativ zu sein, das konnte im Laufe der hitzigen Kocherei aber ganz schön schwierig werden. Denn für so manchen Teilnehmer hielt der Warenkorb trotz allem so manche Überraschung bereit.

Produkt-Know-how ist gefragt!

Es ist kurz nach zehn Uhr morgens. Scharen strömen in die Expo-Area der Rolling Pin.Convention, doch die sechs Rookies stehen schon seit rund zwei Stunden auf der Bühne hinter ihren Küchenzeilen. Bis 13.30 Uhr haben sie Zeit, alles so gut wie möglich vorzubereiten. Und das vor Hunderten von Zuschauern und Foto- und Videokameras, die ständig herumschleichen. Von Moderator Mirko Reeh ganz zu schweigen, der für ordentlich Stimmung beim Publikum sorgt.

Gleich jedenfalls wird es soweit sein:  Da wird die Vorspeise serviert, und ab dann geht es mit der Hauptspeise und dem Dessert im Halbstundentakt weiter. Viel Zeit, außer dem Gericht den letzten Feinschliff zu geben und alles anzurichten, bleibt dann nicht mehr. Außerdem muss jedes Gericht vierfach aufgetischt werden, weil es vier Jurymitglieder sind, deren strenge Geschmacksknospen die Rookie-Gerichte auf Herz und Nieren prüfen werden.

Dass diese Jury hochkarätiger nicht sein könnte, versteht sich von selbst. Aber dazu mehr, wenn es soweit ist. Es ist ja erst kurz nach zehn Uhr. „Im Vergleich zu vielen anderen Kochwettbewerben sind diese sechs da sehr, sehr gut organisiert und vorbereitet“, sagt Thomas Donleitner, National Corporate Chef von Rational. Neben einem der eigens aufgestellten Rational-Dampfgarer platziert, achtet er darauf, dass sich die Teilnehmer an alle Regeln halten.

Die wichtigste darunter lautet: Alle Zutaten und Saucen müssen frisch vor Ort gekocht und zubereitet werden. Wer vorproduzierte Ware mitnimmt, fliegt – und zwar ausnahmslos. Das bedeutet im Umkehrschluss auch: Ohne Produkt-Know-how kommt man hier nicht weit.

Jungnerds am Herd

Dass die Ente jetzt im Ganzen ist, ist schon eine Herausforderung“, sagt Fiona Fuss. Die 18-Jährige ist im zweiten Lehrjahr im Landhaus Bacher. Mit respektvollem Blick, das Messer in der Hand, fixiert sie die Barbarie-Ente von Transgourmet, die da als Ganzes vor ihr liegt. „Na“, sagt sie, „dann gehen wir’s an!“

Währenddessen seufzt, eine Küchenzeile weiter, Ruben Gmeiner auf. Der 17-jährige Lehrling aus dem Hotel Hirschen im Bregenzer Wald legt das Nudelholz ein wenig resigniert auf den Tisch. „Ich habe den Teig fürs Dessert etwas zu dick gemacht“, sagt er. Den Teig braucht Gmeiner für seine Interpretation des bekannten syrischen Desserts namens Halawet el Jihn, das er mit Schokomousse, karamellisierter Rösti und Rhabarber servieren möchte. „Aber mit dem Schokomousse tu ich mir auch gerade schwer“, sagt er – und drängt sich an uns mit einem „Entschuldigung!“ vorbei, weil die Pfanne auf dem Herd hinter uns offenbar zu laut brutzelt.

Es gibt da draußen auch Küchenchefs, die nicht so geil kochen wie diese sechs Finalisten!
Spitzenköchin und Jurorin Rebecca Clopath war begeistert

Bei Anna-Lea Hausberger hingegen scheint alles nach Plan zu laufen. „Ich presse jetzt das Radieschenöl aus“, sagt die gerade einmal 16-Jährige aus dem Hotel Böglerhof in Alpbach. „Davor habe ich das Radieschengrün mit Öl aufgemixt und es eine Zeit lang stehen lassen“, präzisiert sie.

Serviert wird das in der Vorspeise, bestehend aus dem Waller, Weißweinschaum, Kräuterseitlingen, Radieschen und Rosa Beeren. Die Kreationen der anderen drei Finalisten sind nicht minder ambitioniert. Der 18-jährige Tobias Lukas aus dem Restaurant Die Mühle in Stainz serviert die Ente als Brust mit Bao Buns, saurem Rübensalat und Rübenpüree. Die 20-jährige Bella Schöberl aus dem Das Lokal im Hof in Wien experimentiert genauso versiert wie mutig mit asiatischen Einflüssen, wie die Vorspeise zeigt: Waller Yaki, Wasabi Mayo und Kräuterseitlinge sollen da die Jury, die langsam eintrifft, überzeugen.

Das trifft sich gut, denn auch Marcellin Eberl ist fast mit allem durch. Zumindest die Vorspeise in Form eines Wallermosaiks mit Pilzen und Rosa Beeren ist bereit, verkostet zu werden.

Die nächste Generation wird grossartig!

Zum ersten Mal wird es still hier auf der Rookies-Bühne. Sogar Moderator Mirko Reeh lässt der Jury die nötige Ruhe, um sich voll und ganz auf die Kreationen der sechs Rookies einzulassen. Bereits beim ersten Service wechselt die Jury einige Blickkontakte. Was die zu bedeuten haben?

Dass niemand dieser Geschmacksrichter mit einem solchen Level gerechnet hat. Oder wie Spitzenköchin Rebecca Clopath aus der Schweiz sagt: „Was, bitte, ist das für ein unglaublich hohes Niveau? Das ist doch richtig krass. Es gibt Küchenchefs da draußen, die kochen nicht so geil wie diese sechs Talente da!“ Ein Lob, in das auch der Grazer Spitzenkoch Herbert Schmidhofer miteinstimmt: „Vor genau 20 Jahren wurde ich zum Newcomer des Jahres von Gault&Millau ausgezeichnet, aber damals waren meine Gerichte nicht auf so einem hohen Niveau, wie wir es heute von den Rookies gesehen haben“, sagt er.

Entsprechend knapp und mit erstaunlich geringen Punktunterschieden fällt das Ranking aus. Und doch: Die Siegerehrung auf der vollen Mainstage ist zutiefst emotional. Sechs junge Menschen stehen da in Reih und Glied. Über sechs Stunden lang haben sie alles, wirklich alles gegeben, kochten unter Hochdruck vor Hunderten Zuschauern, die mit ihnen mitfieberten. Und jetzt sind alle hier vor der Mainstage versammelt: Die Chefs, die Kollegen, die Freunde, Familie. Schließlich ist es soweit: Mit 377 Punkten gewinnt Fiona Fuss den Titel Rookie of the Year 2023.

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Sechs Rookie-Finalisten, die in den nächsten Jahren alle ihren Weg gehen werden – und dafür sorgen, dass wir uns keine Sorgen um die Zukunft der Gastronomie machen müssen (v. l.): Bella Schöberl (20), Marcellin Eberl (19), Fiona Fuss (18), Ruben Gmeiner (17), Anna-Lea
Hausberger (16) und Tobias Lukas (18)

Und beweist damit gleich zwei Dinge: Erstens, dass sie das Zerteilen von ganzen Barbarie-Enten besser beherrscht als sie denkt. Und zweitens, dass das Landhaus Bacher unter Thomas Dorfer weiterhin als absolute Kaderschmiede für Köche im deutschsprachigen Raum gilt. Immerhin hat kein Betrieb bisher mehr Gewinner des Junge Wilde-Wettbewerbs hervorgebracht als die legendäre Gourmet-Institution aus der Wachau. Entsprechend gerührt ist Thomas Dorfer, als der Name seines Schützlings als Gewinnerin verkündet wurde. Als die Freudentränen getrocknet sind, sagt er: „Es gibt als Chef nichts Schöneres, als den Erfolg eines Mitarbeiters so hautnah mitzuerleben und zu sehen, wie weit es jemand mit so viel Leidenschaft und Zielstrebigkeit bringt.“

Auf die Siegerehrung folgte übrigens gleich die nächste Überraschung: „Weil das Niveau aller Teilnehmer die Jury und uns alle so umgehauen hat, hat sich Rolling Pin entschlossen, gleich alle sechs Finalisten auf die Stage nach Hamburg zu Tim Mälzer zu schicken“, freut sich Rolling-Pin-CEO Jürgen Pichler. „Wir übernehmen natürlich Anreise und Unterkunft! Lasst euch in der Bullerei inspirieren!“

Das werden Fiona Fuss und Kompagnie ganz sicher. Fest steht jedenfalls: Diese jungen Talente werden alle ihren Weg gehen. Und: Es ist jungen Menschen wie ihnen zu verdanken, dass die Gastronomie auch in Zukunft eine der schönsten und kreativsten Branchen überhaupt bleiben wird.

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Rookies of the Year

Bereits 2007 hat Rolling Pin den Azubi-Koch-Award „Rookies of the Year“ ins Leben gerufen, um allen Auszubildenden unter 21 Jahren die Chance zu geben, ihr Können unter Beweis zu stellen. Nun meldete sich dieser einzigartige Award nach einer kleinen Pause fulminant zurück. Sechs Finalisten kochten jeweils drei Gänge aus einem Warenkorb. Eine vierköpfige Jury kürte daraufhin eine Gewinnerin. An dieser Stelle bedanken wir uns herzlich bei folgenden Partnern, die den Gastronomienachwuchs so großartig fördern:  11er, Nannerl, Rational, Transgourmet, Valrhona, Weitblick.

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