Marten Dresen: Gutes Gewissen vs. Geldmacherei

Das Comeback der Idealisten: Der niederländische Unternehmer Marten Dresen stellt mit seinem The-Good-Hotel-Konzept die Hotellerie auf den Kopf.
Oktober 13, 2016 | Text: Daniela Almer | Fotos: Steef Fleur, Baker Photography

Marten Dresen

Zu gut, um wahr zu sein?

Als sich der niederländische Student Marten Dresen vor rund zehn Jahren auf einem Trip durch Guatemala mit einem armen kleinen Mädchen namens Mirna in Antigua anfreundete und ihm aus Mitgefühl ein paar Schuhe schenkte, hatte der heute 33-Jährige ein tief greifendes Aha-Erlebnis.

Kurz darauf, im Jahr 2006, gründete er die Non-Profit-Organisation Niños de Guatemala in Antigua, deren Ziel es ist, bedürftigen Kindern durch Schulbildung eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Damit noch nicht genug: Im Jahr 2012 rief Dresen, mittlerweile als Projektmanager für eine internationale, große Reederei tätig, das Sozialprojekt The Good Hotel ins Leben. Eine sogenannte Not-for-Profit-Company, die Langzeitarbeitslose für die Gastronomie und Hotellerie ausbildet und wieder fit für den Arbeitsmarkt macht.

2013 hängte Dresen seinen Job bei der Schifffahrtsgesellschaft an den Nagel, um sich als CEO der Good Hotel Group voll und ganz seinem sozialen Unternehmertum zu widmen. Heute steht der Betrieb so gut da, dass bis zum Jahr 2020 weltweit acht weitere Hotel-Eröffnungen geplant sind, Ausbildung von Arbeitslosen natürlich inklusive.

Geben wir es zu: Es klingt zu gut, um wahr zu sein. Zu glatt. Wo ist bloß der Haken? Das Misstrauen, das sozialen Projekten oftmals anhaftet, verflüchtigt sich aber, wenn man Marten Dresen kennenlernt. Salopp formuliert kauft man ihm sein soziales Engagement, das über eine gewisssensberuhigende freiwillige Spende für eine gute Sache weit hinausgeht, ab.

Dresen peppt sein öffentliches Image nicht mit einer perfekt inszenierten, sozial angehauchten PR-Kampagne auf. Es ist vielmehr anders herum: Als „Geschäftsmann“ bezeichnet zu werden, ist ihm ziemlich lästig und widerspricht seinem Verständnis von Unternehmertum.

Dresen steht für eine junge, zukunftsorientierte Generation, deren Erfolgsparameter sich gewandelt haben: Ihr Tun steht nicht mehr unter der Prämisse Profit um jeden Preis, sondern die Kombination aus unternehmerischem Denken und sozialer Verantwortung motiviert ihr Handeln.

Marten Dresen

Zu gut, um wahr zu sein?

Als sich der niederländische Student Marten Dresen vor rund zehn Jahren auf einem Trip durch Guatemala mit einem armen kleinen Mädchen namens Mirna in Antigua anfreundete und ihm aus Mitgefühl ein paar Schuhe schenkte, hatte der heute 33-Jährige ein tief greifendes Aha-Erlebnis.

Kurz darauf, im Jahr 2006, gründete er die Non-Profit-Organisation Niños de Guatemala in Antigua, deren Ziel es ist, bedürftigen Kindern durch Schulbildung eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Damit noch nicht genug: Im Jahr 2012 rief Dresen, mittlerweile als Projektmanager für eine internationale, große Reederei tätig, das Sozialprojekt The Good Hotel ins Leben. Eine sogenannte Not-for-Profit-Company, die Langzeitarbeitslose für die Gastronomie und Hotellerie ausbildet und wieder fit für den Arbeitsmarkt macht.

2013 hängte Dresen seinen Job bei der Schifffahrtsgesellschaft an den Nagel, um sich als CEO der Good Hotel Group voll und ganz seinem sozialen Unternehmertum zu widmen. Heute steht der Betrieb so gut da, dass bis zum Jahr 2020 weltweit acht weitere Hotel-Eröffnungen geplant sind, Ausbildung von Arbeitslosen natürlich inklusive.

Geben wir es zu: Es klingt zu gut, um wahr zu sein. Zu glatt. Wo ist bloß der Haken? Das Misstrauen, das sozialen Projekten oftmals anhaftet, verflüchtigt sich aber, wenn man Marten Dresen kennenlernt. Salopp formuliert kauft man ihm sein soziales Engagement, das über eine gewisssensberuhigende freiwillige Spende für eine gute Sache weit hinausgeht, ab.

Dresen peppt sein öffentliches Image nicht mit einer perfekt inszenierten, sozial angehauchten PR-Kampagne auf. Es ist vielmehr anders herum: Als „Geschäftsmann“ bezeichnet zu werden, ist ihm ziemlich lästig und widerspricht seinem Verständnis von Unternehmertum.

Dresen steht für eine junge, zukunftsorientierte Generation, deren Erfolgsparameter sich gewandelt haben: Ihr Tun steht nicht mehr unter der Prämisse Profit um jeden Preis, sondern die Kombination aus unternehmerischem Denken und sozialer Verantwortung motiviert ihr Handeln.

Oder um es mit den Worten von Dresen auszudrücken: „Wenn man auf die menschliche Entwicklungsgeschichte zurückblickt, wird klar, dass wir eine Spezies sind, die zusammenarbeitet und darauf abzielt, das Leben für die uns Nahestehenden besser zu machen. Und diese Einstellung muss wieder auf das Geschäftsleben übertragen werden.“

Ich war schon immer ein bisschen rebellisch.
Marten Dresen’s Eigendefinition

Aufgewachsen in einer Mittelklasse-Familie von Lehrern, Psychologen und Angestellten im öffentlichen Dienst, die großen Wert auf Bildung sowie soziales Verständnis legte und Business-Denken als „nicht erstrebenswert“ erachtete, kam es schon einem Aufstand gleich, Jura zu studieren.

Doch Dresen war laut Eigendefinition „schon immer ein bisschen rebellisch“ und sieht seine Studien- und anschließende Berufswahl positiv: Sie schafften ein Bewusstsein für die Wichtigkeit des internationalen Handels und offener Märkte für die Vernetzung von Menschen. Auf dieser Einstellung beruht auch die Gründung des Good-Hotel-Konzepts.

The Good Hotel

Dresens Idee ist so einfach wie sinnvoll: Er bietet Langzeitarbeitslosen in seinen Good Hotels eine qualitativ hohe Hotel- und Gastgewerbeausbildung, um sie wieder erfolgreich ins Arbeitsleben zu integrieren.

Zu Beginn des Jahres 2015 wählte die Good Hotel Group 25 Langzeitarbeitslose aus, die den Auftakt zum Pilotprojekt in Amsterdam bildeten. Das Programm startete mit einer dreimonatigen Ausbildung, in der die Teilnehmer die Basics der Gastronomie und Hotellerie von der Pike auf erlernten, angefangen vom Bettenmachen über den richtigen Tischservice bis hin zu intensiven Englischkursen.

Im zweiten Schritt ging es darum, das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Dafür kaufte Dresen der Stadt Amsterdam ein ehemaliges Gefängnisboot für illegale Einwanderer ab und eröffnete das erste, 148 Zimmer umfassende Good Hotel im Juni 2015. Die Auszubildenden arbeiteten dort mit einem hotelerfahrenen Team zusammen und komplettierten ihre Lehre.

Das als einjähriges Pop-up konzipierte Projekt lief so erfolgreich, dass Dresen und seine Crew derzeit auf der Suche nach einer permanenten Location in Amsterdam sind, die sie 2017 eröffnen wollen. Immerhin konnten im letzten Jahr von 100 Auszubildenden 70 erfolgreich in die Hotellerie weitervermittelt werden und das Unternehmen warf bereits nach einem Jahr Profit ab.

Dresens Hotel-Konzept schlug so hohe Wellen, dass sein Unternehmen im September dieses Jahres in Antigua, wo für ihn alles begann, ein Boutiquehotel mit 20 Zimmern eröffnete. Im November wird außerdem das schwimmende Hotel aus Amsterdam nach London transferiert, wo es in den Newham’s Royal Docks vor Anker gehen wird.
Für jede Good Hotel-Location ist natürlich auch eine eigene Good-Training-Akademie geplant.

Die gute Revolution

Wie rekrutiert Dresen seine Auszubildenden? Einerseits kann man sich direkt bei der Good Hotel Group bewerben, andererseits wählen Dresen und sein rund 100-köpfiges Team potenzielle Teilnehmer selbst aus. Dabei bestimmen weniger der Background oder gar der Lebenslauf das Auswahlverfahren als vielmehr die Persönlichkeit eines jeden einzelnen.

Dresen verfolgt den Anspruch, den Menschen nach langer Erwerbslosigkeit den Glauben an ihre eigenen Fähigkeiten zurückzugeben. Erfolgsstorys im Stil von „Vor einem Jahr noch Sozialhilfeempfänger und heute Mitarbeiter in der 5-Sterne-Hotellerie“ sind bei The Good Hotel keine Seltenheit.

Vom Sozialhilfe­empfänger zum Mitarbeiter im Sterne-Hotel.
Solche Erfolgsstorys sind bei The Good Hotel möglich

Denn so paradox es klingt: Marten Dresen vermittelt frisch ausgelernte Azubis an lokale Partner aus der Hotellerie und Gastronomie weiter, wenn sie aus wirtschaftlicher Sicht für das Unternehmen gerade rentabel geworden sind. Aber für Dresen macht das Sinn. Zum einen haben viele weitere Arbeitslose die Chance, am Projekt The Good Hotel teilzunehmen, und zum anderen liegt der Fokus des Unternehmens nicht auf Profit-Maximierung, denn der erwirtschaftete Gewinn fließt wieder in die Projekte und Partner-NGOs zurück.

Im Übrigen kann jeder, der einen Beitrag zur Verbesserung der Welt leisten will, in die Good Hotel Group investieren. Egal ob es 50 oder mehrere Millionen Euro sind.
Wer sich bei The Good Hotels eine legere Unterkunft mit Birkenstock-Touch und Räucherstäbchen vorstellt oder eine bemüht gehobene Bleibe mit Rosentapeten, der irrt gewaltig. Der Stil definiert sich laut Dresen wie folgt: „Man besucht einen Freund, der einen guten Geschmack hat, in seinem luxuriösen Zuhause.“ Damit will man ein kosmopolitisches Publikum anziehen, den sogenannten „global citizen“, der Premium-Qualität schätzt und dabei Gutes tut.

Marten Dresen will nichts weniger, als mit seiner Vision des sozialen Unternehmertums die Geschäftswelt zu revolutionieren. Und da er nicht zu den Weltverbesserern gehört, die im Elfenbeinturm ihre hehren Ideale pflegen, stehen die Chancen gut, dass er sein Ziel auch erreichen wird.

www.goodhotelamsterdam.com

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