Pierre Nierhaus: Babaji in London

Gastro-Experte Pierre Nierhaus über das Restaurant Babaji in London.
Juni 9, 2016 | Text: Pierre Nierhaus | Fotos: Pierre Nierhaus

Türkische Pide erobern London

Alan Yau, der mit Wagama und Hakkasan zu den einflussreichsten und stilbildenden Gastronomen Londons zählt, hat sich mit dem Babaji erstmals der türkischen Küche angenommen. Babaji ist ein zeitgemäßes Pide-Restaurant nahe Piccadilly Circus.
Pide ist eine Art türkischer Pizza in länglich-ovaler Bootform mit unterschiedlichen Belägen. Damit hat Yau eine radikale Kehrtwende von Nudelbars, Dim Sum, Thai und italienischer Küche (Princi London) genommen und seine große Fangemeinde überrascht. Vielleicht auch unter dem Einfluss von Yaus Ehefrau Jale Eventok und seiner Geschäftsbeziehung nach Istanbul, wo er sein erstes Hakkasan außerhalb Londons eröffnete.
Laut Yaus eigener Aussage auf der Babaji-Website war der Anlass seine Enttäuschung darüber, weder in London noch in Istanbul gute Pide zu finden. Dabei hat Pide für Yau die Qualität für, wie er es nennt,„World Food“: einfach herzustellen und international verständlich. Wie für Yau typisch achtet er auch im Babaji auf Authentizität und verbindet Tradition mit Zeitgeist.
Es werden sieben Sorten Pide in dem großen Backsteinofen im Erdgeschoss des Restaurants hergestellt, darunter der Klassiker vom Schwarzen Meer mit Corned Beef und einem Ei obenauf, Versionen mit Lamm, Tomaten und Pfeffer, mit Feta, Cheddar-Käse oder vegetarisch.
Außerdem gibt es türkische Spezialitäten von Mezze, Salaten, Topkapi Chicken bis zur gebackenen Aubergine. Dazu werden original türkischer Mokka und Tee, Ayran, aber auch landestypische Weine serviert. An dem offenen Counter und am Ofen sind Mitarbeiter mit türkischen Wurzeln tätig.
Mit der Gestaltung des Restaurants in prominenter Ecklage auf zwei Etagen hat Yau das renommierte Design Studio Autoban aus Istanbul beauftragt. Die beiden Autoban-Designer Seyhan Ozdemir and Sefer Caglar haben türkisches Design international salonfähig gemacht und liegen mit ihrer Philosophie aus Respekt vor der Tradition und klarem Bekenntnis zur Moderne mit Yau auf einer Wellenlänge.
Im Babaji haben sie traditionelle Elemente wie die charakteristischen handgefertigten blauen Fliesen und den Terrazzo-Boden mit eigens für das Restaurant entwickelten Holzstühlen kombiniert. Dekorative Highlights setzen Kupfer und Messing z. B. als kunstvolle Einlegearbeit in den Holztischen. Runde Formen, Punkte, die vorherrschenden Farben Blau und Rot sowie der goldene Schriftzug am Fenster wecken Assoziationen an Istanbul.
Anders als seine zumeist im hochpreisigen Segment angesiedelten Konzepte ist das Babaji preislich eher günstig und für jedermann erschwinglich. Auch das passt zu Yaus Idee von World Food und auch zum Namen. Denn Babaji heißt „verehrter Vater“ und folgt Yaus Vorliebe für Wörter mit dem wohlklingenden Vokal A und einer sinnlichen Rhythmik.

Erfolgsfaktoren

  • Benchmark als Pide-Restaurant
  • Sehr authentisch in Produkt und Design
  • Wertig, aber preislich für die breite Masse
  • Konsequente Markenbildung
  • Findet hohe Beachtung als Teil des Yau-Gastro-Imperiums

Pierre Nierhaus

Er ist der Innovations- und Veränderungsspezialist für die Hospitality-Industrie und Dienstleistungsbranche mit langjähriger Erfahrung als Gastronomieunternehmer, Trendexperte und Konzeptberater. Regelmäßig veranstaltet er Trendtouren für Hospitality-Profis. Die nächste Gastroexpedition: Trend Expedition Tokio | 06. 09. 2016 – 09. 09. 2016
www.nierhaus.com

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