Rene Redzepis noma kocht in Corona-Krise täglich für seine Mitarbeiter

noma-Mastermind Rene Redzepi gibt in einem neuen Interview Einblick in die aktuelle Situation des weltberühmten Restaurants und seiner Mitarbeiter und erklärt, warum die Corona-Krise auch eine Chance sein kann.
April 8, 2020

 

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In einem Interview über Instagram Live mit der kanadischen Journalistin Marie-Claude Lortie gab Rene Redzepi einen Einblick in die aktuelle Situation seines weltberühmten Restaurants noma und wagt eine Einschätzung der Zukunft des Fine Dinings.

Gedanken über Zukunft des Fine Dining

Man werde auf jeden Fall wieder öffnen, wenn die Krise überstanden ist, aber laut Redzepi müsse man sich als Restaurant Gedanken über eine „neue Art des Fine Dining“ machen.

Der Gedanke weiterhin einen vierstündigen Abend an einem Tisch zu verbringen, wirke für den 2-Sterne-Koch in Angesicht der aktuellen Lage „seltsam“ und „veraltet“. Vielleicht werde sich das wieder ändern, aber bis dahin sei es „ein langer Weg.“

„Es wird Jahre dauern, bis wir uns von dieser Krise finanziell erholt haben.“

Redzepi, der selbst inmitten einer dreimonatigen Auszeit war als sich die Corona-Krise entfaltete, glaubt dass das Vertrauen der Gäste neu gewonnen werden müsse und es allgemein weniger Foodie-Reisende geben wird.

Er selbst werde nach dem Ende der Krise mit Sicherheit nicht sehr viel reisen. „Die meiste Zeit werde ich hier im Restaurant verbringen und nach Lösungen suchen. Es wird Jahre dauern, bis wir uns von dieser Krise finanziell erholt haben.“

noma serviert seinen Mitarbeitern täglich Essen

noma habe bereits zehn Tage bevor ein weitreichendes Maßnahmenpaket der dänischen Regierung in Kraft trat, einen Masterplan entwickelt. „Wir haben gemeinsam mit unserem Management einen Anstieg in Stornierungen beobachten können und von diesem Zeitpunkt an haben wir einen Best-Case-Scenario- und Worst-Case-Scenario-Plan ausgearbeitet.“

Man habe sich rasch dafür entschieden dass, auch wenn das Restaurant schließen muss, alle Gehälter der Mitarbeiter weiterhin voll bezahlt werden und täglich für das Team gekocht werden solle. „Heute gibt es zum Beispiel Buttermilk Fried Chicken für 70 Personen“, so Redzepi.

Bis jetzt wurde noch kein Mitglied des noma-Staff gekündigt. Die dänische Regierungen habe unterstützende Maßnahmen für Restaurants eingeführt, die einen großen Teil der Gehälter abdecken. „Es deckt nicht alle Personalkosten, aber gemeinsam mit unseren Banken sollten wir bis Ende des Jahres abgedeckt sein.“, erklärt Redzepi.

Bio-Lebensmittel statt iPhone: Konsumverhalten der Gesellschaft wird sich ändern

Für den Spitzenkoch fühlt sich die „alte Welt“ nach wenigen Wochen der Krise bereits sehr seltsam an. Man müsse die Zeit jetzt nutzen um Dinge zu verbessern. Der Preis für Lebensmittel wird steigen und Landwirte und Produzenten aus den Regionen müssen unterstütz werden.

Laut Redzepi haben die Menschen durch die Krise zwar weniger Geld zur Verfügung, aber sie realisieren auch, welche Berufe und Branchen wirklich wertvoll für die Gesellschaft sind und das werde dazu führen, dass sich das Konsumverhalten ändere.

„Wir werden weniger Kleidung kaufen und vielleicht nicht sofort das neueste iPhone kaufen. Mit dem Preis eines iPhones kann ich mich drei Monate lang mit nachhaltig produzierten Lebensmitteln eindecken.“

Rene Redzepis Lesetipps für die Corona-Krise

Er selbst nutze die aktuelle Zeit zum Abarbeiten seiner Leseliste. Sein Vorsatz sei es, täglich 100 Seiten zu lesen. „Dazu hätte ich unter normalen Umständen niemals Zeit.“, so Redzepi.

Lesetipps des noma-Masterminds, dass mehrmals an der Spitze der World’s 50 Best Restaurants war, sind unter anderem
eine Biographie über Bruce Lee, „Bruce Lee: A Life by Matthew Polly“, „We are the Weather: Saving the Planet Begins at Breakfast“ von Jonathan Safran Foer und The Overstory, ein Buch über Bäume, dass laut Redzepi zwar fordernd zu lesen aber dafür unbeschreiblich schön sei.

 

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