Wie sich Österreichs Gastronomie nach der Corona-Krise verändern wird

Experte Dieter Scharitzer rät der Gastronomie jetzt neue Strategien und Veränderungen zu wagen und sieht "kleine" Betriebe gegenüber großen Unternehmen wie Hotelketten im Vorteil.
April 22, 2020 | Text: apa/red | Fotos: WU

 

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Nach dem Österreichs Bundesregierung die Öffnung der Gastronomie mit 15. Mai angekündigt hat, wartet die Branche nun auf die Details der angedachten Sicherheitsmaßnahmen. Für Experten ist sicher: Die Gastronomie erwartet „brutale Veränderungen“.

Erfolg wird nicht nur eine wirtschaftliche Frage

 

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Nach dem Österreichs Bundesregierung die Öffnung der Gastronomie mit 15. Mai angekündigt hat, wartet die Branche nun auf die Details der angedachten Sicherheitsmaßnahmen. Für Experten ist sicher: Die Gastronomie erwartet „brutale Veränderungen“.

Erfolg wird nicht nur eine wirtschaftliche Frage

Ob die Wiedereröffnung der Betriebe ein Erfolg wird, ist aber nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern hängt laut Experten wie WU-Professor und Marktforscher Dieter Scharitzer auch von Einstellungen und Erwartungen der Bevölkerung ab.

„Ich glaube, dass da neben dem Realpolitischen wahnsinnig viel im Kopf abgeht“, sagt Scharitzer im Gespräch mit der APA.
Die Frage sei, „gehe ich essen, nur weil die Gaststätten offen sind?“ Und wie werden die Österreicher auf Kellner mit Masken oder „Zeit-Slots“ für das Abendessen reagieren?

Scharitzer, Assistenzprofessor am Institut für Marketing-Management der Wirtschaftsuniversität Wien und Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts TQS Research & Consulting geht aber davon aus, dass Menschen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit haben.

Gäste werden sich an „neue Gastronomie“ anpassen

Laut Scharitzer werden die Menschen diese Anpassungsfähigkeit auch gegenüber der Gastronomie beweisen. Wenn Restaurants zwei Zeitfenster für das Essen anbieten, dann werde es nicht lange dauern, bis die Menschen das lieber akzeptieren als gar nicht mehr essen zu gehen. Es sei ja inzwischen auch üblich geworden, Tische zu reservieren, früher wollte das keiner, erklärt Scharitzer.

Kritisch sieht der WU-Professor die Wortwahl von Bundeskanzler Sebastian Kurz: „Wenn jemand sagt, es kommt eine „neue Normalität“, dann finde ich das sprachlich sehr unglücklich“. Da stecke zu viel Vergleich mit der Zeit vor der Pandemie drin. Die Krise habe aber das Potenzial, den Lauf der Dinge zu ändern, wirklich „disruptiv“ zu wirken.

„Ich glaube schon, dass die Gastronomie brutale Veränderungen vor sich hat“, warnt Scharitzer. Ob das Leben dadurch besser werde oder schlechter, das sei wieder eine andere Frage, die sich jetzt noch nicht beantworten lasse.

Ist das laufende Jahr noch zu retten?

Laut Scharitzer sollte jeder Gastronom mittlerweile begriffen haben, dass das laufende Jahr „eh nicht mehr zu retten ist“.

Deshalb sei jetzt die Zeit für neue Strategien und Veränderungen gekommen. „Jetzt nichts zu tun, ist das Tödlichste, damit ist ein Betrieb wirtschaftlich nicht zu halten“, so der Experte. Nun seien neue Ideen gesucht. „Vielleicht dem Kunden für das gemütliche Zusammensitzen nach dem kurzen Zeit-Slot im Lokal eine gute Flasche Wein für daheim mitverkaufen. Oder den Erlebniswert des großzügigen Platzangebots vermarkten“.

„Die Gastronomie“ gibt es nicht – Experte gegen Verallgemeinerung

Scharitzer setzt dabei auf die Kreativität vor allem der kleinen Betriebe, auch wenn sie auf ersten Blick wirtschaftlich schwach scheinen mögen. Denn über „die Gastronomie“ sollte man nicht sprechen.

Zu unterschiedlich seien die einzelnen Segmente. Viel größere Probleme gebe es bei manchen großen, denen das bisherige Geschäftsmodell weggebrochen ist – etwa auf Touristen konzentrierte Hotelketten. „Wer weiß schon, ob wir heuer noch einen amerikanischen Touristen in Österreich sehen“.

Im Inlandskonsum sieht Scharitzer aber gute Perspektiven. Denn, wenn auch vielleicht in veränderter Form, „das Erlebnis Gastronomie wird sicher wieder nachgefragt. Es ist ja nicht jeder glücklich damit, zu Hause zu kochen und Brot zu backen“.

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