Kann Beschallung mit Musik Wein verändern?

Musik bringt Wein erst richtig zum Singen, behaupten jedenfalls einige Winzer. Kellermeister Christoph Ruck will sogar Unterschiede zwischen Jazz und Schlager schmecken.
April 29, 2022 | Fotos: Shutterstock, Weingut Römmert

Die Versuchsanordnung ist einfach. Man nehme ein Behältnis mit Wein, füge einen oder mehrere Lautsprecher hinzu, wähle die passende Musik und drücke auf „Play“. Dann bleibt nur noch, das Ergebnis abzuwarten.

Mit der Idee machte schon der Wiener Gastronom Markus Bachmann vor einigen Jahren internationale Schlagzeilen. Oft liest man von Versuchen mit klassischer Musik und findet sich an die Behauptung erinnert, Töne von Mozart und Beethoven würden Pflanzen besser gedeihen lassen. Dass viele der Methode gegenüber skeptisch sind, ist nicht überraschend. Der Kellermeister von Römmerts Weinwelt im bayerischen Volkach, Christoph Ruck, ist aber von der Effektivität der Musikbeschallung überzeugt. In einem eigenen Versuch – das Ergebnis ist eine limitierte Edition von zweimal 900 Flaschen – beschallte er je ein mit Müller-Thurgau gefülltes Betonei mit Jazz und Schlager.

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Schnapsidee oder innovative Methode des Weinausbaus? Christoph Ruck sagt, der Geschmack ist Beweis genug

Hier spielt die Musik – rund um die Uhr

Der Jazz-Wein kam mehrere Monate lang in den Genuss von Louis Armstrong, der Schlager-Wein lauschte den Hits von Claudia Jung, die mehrfach im Weingut Römmert zu Besuch war. Beide Weine sind von identischem Ursprung und lagerten in identischen Gefäßen – den einzigen Unterschied macht die Musikauswahl. Und das schmeckt man, sagt Ruck.

„Wer die Weine probiert, wird feststellen, dass man sie auch bei einer Blindverkostung gut auseinanderhalten kann“, erklärt er. Verkosten kann man die zwei Spezialitäten bei einer Führung durch den Betrieb. Der Jazz-Wein sei würzig und mineralisch, mit einem zarten Fruchtaroma („Er ist für uns der intellektuellere Wein“), die Variante „Schlager“ sei hingegen gefälliger und habe mehr Trinkfluss („die Frucht überwiegt in der Nase und am Gaumen“).

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Dem Wein Musik vorzuspielen klingt zuerst skurril, könnte aber einen wissenschaftlich fundierten Nutzen haben

Was sagt die Wissenschaft?

Bei der Reifung eines Weins gärt die Feinhefe nach und baut dabei noch im Wein enthaltene Eiweiße ab. Gleichzeitig lagern sich die Salze der Weinsäure ab. Beschallung könnte, wie viele es zu erklären versuchen, den Wein in konstanter Bewegung halten und so die Geschwindigkeit der Absetzung von Schwebstoffen beeinflussen.

Eine weitere Erklärung dafür, warum man einen Unterschied zwischen mit verschiedener Musik beschallten Weinen schmeckt, wäre die eigene an das Produkt gestellte Erwartungshaltung – eine Art Placebo-Effekt.

Wer sich selbst überzeugen will, kann ja dem Weingut Römmert einen Besuch abstatten – der sich übrigens, auch wenn man nicht an den Musik-Wein glaubt, schon für die 600 Quadratmeter große Vinothek und das beeindruckende WeinSensorikum lohnt – oder den Selbstversuch wagen und einen Lautsprecher neben die Weinsammlung stellen. Schaden kann es nicht.

www.weingut-roemmert.de

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