Schröder und sein „Kraftriegel“: Streit um Currywurst-Aus bei VW geht weiter

Dass VW zwei seiner Kantinen auf fleischlos umgestellt hat, schmeckt nicht allen. Jetzt hat sich auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder darüber erzürnt. Es geht um die Wurst.
August 12, 2021 | Fotos: Monstourt via Wikipedia Commons - https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“, sang schon Stephan Remmler. In den letzten Tagen hat sich das geflügelte Wort als wahr erwiesen. Denn als Volkswagen ankündigte, Fleischgerichte, inklusive der Currywurst, vom Menüplan der Kantine im Wolfsburger Markenhochhaus zu streichen, hätte man meinen können, das sei das Ende der Geschichte gewesen. Mit großem Widerstand gegen die Umstellung auf vegetarisch wurde wohl nicht gerechnet, habe man ja auf die Wünsche der Angestellten reagiert, wie es von VW hieß. Außerdem können sich Currywurst-Liebhaber unter den Mitarbeitern dieselbe ja einfach in der nächstgelegenen Kantine, nur einen Steinwurf entfernt, holen.

Doch gerade als die Nachricht schon fast aus dem News-Zyklus verschwunden war, meldete sich kein anderer als der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Wort, um die Soße aufzuwärmen: „Wenn ich noch im Aufsichtsrat von VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben“, stellte er klar.

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Lieblingsgericht der Deutschen und – neben Autos – fixer Bestandteil im VW-Produktsortiment. Ab jetzt ist die Currywurst nicht mehr am Menüplan bei VW in Wolfsburg, produziert wird sie aber weiterhin

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“, sang schon Stephan Remmler. In den letzten Tagen hat sich das geflügelte Wort als wahr erwiesen. Denn als Volkswagen ankündigte, Fleischgerichte, inklusive der Currywurst, vom Menüplan der Kantine im Wolfsburger Markenhochhaus zu streichen, hätte man meinen können, das sei das Ende der Geschichte gewesen. Mit großem Widerstand gegen die Umstellung auf vegetarisch wurde wohl nicht gerechnet, habe man ja auf die Wünsche der Angestellten reagiert, wie es von VW hieß. Außerdem können sich Currywurst-Liebhaber unter den Mitarbeitern dieselbe ja einfach in der nächstgelegenen Kantine, nur einen Steinwurf entfernt, holen.

Doch gerade als die Nachricht schon fast aus dem News-Zyklus verschwunden war, meldete sich kein anderer als der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder zu Wort, um die Soße aufzuwärmen: „Wenn ich noch im Aufsichtsrat von VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben“, stellte er klar.

DEU_VW-Currywurst_23_MSZ111114
Lieblingsgericht der Deutschen und – neben Autos – fixer Bestandteil im VW-Produktsortiment. Ab jetzt ist die Currywurst nicht mehr am Menüplan bei VW in Wolfsburg, produziert wird sie aber weiterhin

Currywurst mit Pommes ist einer der Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion. Das soll so bleiben.
Für Gerhard Schröder sind Automobilproduktion und Ernährung ohne Currywurst unvereinbar

In gewisser Weise hat Schröder recht. Als er noch im VW-Vorstand saß, nämlich als Niedersachsens Ministerpräsident in den 90er Jahren, wäre Gemeinschaftsverpflegung ohne Fleisch wohl nicht durchgegangen. Über zwei Jahrzehnte später, und die Welt sieht anders aus. Der Markt für Fleischersatzprodukte wächst rasant. Alleine im vergangenen Jahr verdoppelte sich der Anteil der Vegetarier in der Bevölkerung von fünf auf zehn Prozent. Burgerketten eröffnen rein vegane Restaurants, Sterneköche wie Daniel Humm vom Eleven Madison Park verbannen Fleisch aus ihren Küchen und Vorreiter in der Gemeinschaftsverpflegung setzen auf Bio. Also ein guter Zeitpunkt, um als eines der bekanntesten Unternehmen Deutschlands ein Zeichen zu setzen und, wenn auch nur in einer von knapp 30 Kantinen am VW-Hauptsitz, Fleisch zu streichen?

Nein. Nicht jedenfalls, wenn es nach Gerhard Schröder geht, der in einem LinkedIn-Post den Hashtag #rettetdieCurrywurst einführte. Seine pointierten Aussage: „Currywurst mit Pommes ist einer der Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion. Das soll so bleiben.“

Currywurst als emotionsgeladenes Symbol?

Die Diskussion um die VW-Currywurst könnte man als Symptom einer aufgeladenen Zeit sehen, in der der kleinste Funken schon zum Brand führen kann. Die Currywurst – mehr als nur Transportmittel für Nährstoffe und Gewürzketchup, sondern ein Symbol. Für etwas, das so deutsch ist wie das Maß am Oktoberfest und der Döner in Kreuzberg, und das die neue Generation uns jetzt wegnehmen will. Oder als Phallussymbol, wie der Spiegel in einer Kolumne andeutete. „Wilkommen im postphallischen Zeitalter“, titelt Sebastian Hammelehle. Nur: kann man von einem postphallischen Zeitalter reden, wenn vegane Fleischersatz-Currywürste dieselbe Form haben? Wie dem auch sei, jedenfalls ist die Currywurst etwas, was Schröder mag, und was er dem Volk nicht weggenommen wissen möchte.

 

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Die Angst ist jedoch unbegründet. Die Volkswagen-Currybockwurst, die vom Konzern schon seit 1973 hergestellt wird, bleibt. „Die Currywurst ist sicher kein Auslaufmodell und bleibt allen Kolleginnen und Kollegen erhalten. Das gilt natürlich auch in der Produktion“, stellte Markenvorstand Ralf Brandstätter klar.

Das hinderte Schröders Frau Soyeon Schröder-Kim nicht daran, auf Instagram nochmal mit einem Foto der beiden mit Currywurst und Bier nachzulegen. „Solange die Deutschen ihre Currywurst bekommen, ist die Welt in Ordnung“, kommentierte ein User treffend und nicht ganz ohne sarkastischen Unterton. Jetzt aber, zumindest vorerst, sollte die Geschichte ihr (zweites) Ende gefunden haben.

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