Große kleine Welt

Wurmloch in Wien: Wer die Loos Bar betritt, reist mit Barchef Milen Milkov in ein Paralleluniversum aus rauchigem Jazz, Cocktails und Jugendstil.
November 13, 2015

Barchef Milen Milkov aus der Loos Bar

Es ist einer dieser Tage: Ella Fitzgerald haucht Jazz der feinsten Art aus der Anlage, schummrige Gemütlichkeit, dunkle Holzvertäfelungen, Marmorboden im Schachmuster, von oben spenden die Lampen hinter den Onyx-Platten, die Architekt Adolf Loos vor nunmehr 108 Jahren dort platzieren ließ, ein wenig Licht – knappe 30 Quadratmeter in einer anderen Welt. Und Zeit.

Gerade hat Ella Fitzgerald Schichtwechsel mit Louis Armstrong. Das laute Wien der Gegenwart ist weit weg. Und das, obwohl die Loos Bar in einer Seitengasse der Kärntner Straße im 1. Bezirk liegt. Aber in der Loos-Bar gibt es…

Barchef Milen Milkov aus der Loos Bar

Es ist einer dieser Tage: Ella Fitzgerald haucht Jazz der feinsten Art aus der Anlage, schummrige Gemütlichkeit, dunkle Holzvertäfelungen, Marmorboden im Schachmuster, von oben spenden die Lampen hinter den Onyx-Platten, die Architekt Adolf Loos vor nunmehr 108 Jahren dort platzieren ließ, ein wenig Licht – knappe 30 Quadratmeter in einer anderen Welt. Und Zeit.

Gerade hat Ella Fitzgerald Schichtwechsel mit Louis Armstrong. Das laute Wien der Gegenwart ist weit weg. Und das, obwohl die Loos Bar in einer Seitengasse der Kärntner Straße im 1. Bezirk liegt. Aber in der Loos-Bar gibt es nun einmal keinen Stress. Dafür Cocktailklassiker in Perfektion zubereitet und Perrier Jouët als Hauschampagner. Garniert mit Jugendstil in Reinform. Hinter der Bar: Barchef Milen Milkov. Mit seinen zwei Meter Körpergröße wahrscheinlich genauso lang, wie die Bar breit ist. Mit einer fantastischen Mischung aus Bartender-Coolness und freundlicher Väterlichkeit fragt er: „Was darf es denn sein?“ Nachdem geklärt ist, dass bitter, süß und klare Spirituosen heute holzgereiften vorzuziehen sind, fällt die Entscheidung für Gin Fizz. Manchmal muss es eben ein Klassiker sein. Gerade für so eine immer einmal wieder feine Zeitreise an grauen Regentagen.

Express-Zug in die Gegenwart
Mehrere Jahre nach diesem Auftakt eines studentischen Gin-Fizz-Rituals ist die Loos Bar wieder Destination Nummer eins. Diesmal ist der Besuch beruflicher Natur. Hinter der Bar: Milen. Immerhin arbeitet er seit acht Jahren in der Loos Bar, lässt er uns wissen. Gemeinsam mit dem zweiten Barchef Marco Fitz führt er das jugendstilistische Kleinod im 1. Bezirk. Inhaberin ist Marianne Kohn, eine Ikone der Wiener Szene. Und weil Kohn sehr tierlieb ist, schmücken Hundefotos die Toilette am Ende einer 60 Zentimeter breiten und steilen Marmorstiege. Und zwar von Hunden, die, wie heute Stammgäste und Touristen, an der Loos’schen Theke sitzen. Ein weiteres schön schräges Detail, das die Bar in ihrer Gesamtheit zu dem macht, was sie ist – Wohlfühlort für Jazzfans, Literaten, Lokalmatadore, Reisende, Banker, Nachteulen, Studenten, Barflys und Hunde natürlich. „Die Besonderheit einer Bar machen auch immer die Leute aus, die sie besuchen“, so Milen. Nicht minder die Personen, die hinter der Theke stehen. „Der Umgang mit den Menschen ist das A und O in so einer Bar. Das ist wie eine Bühne. Mit jedem Besucher musst du anders umgehen. Das liebe ich an dieser Branche“, so der gebürtige Bulgare, dem die Gastgeberschaft in die Wiege gelegt wurde. „Schon meine Eltern haben im Kurort Albena, nahe meiner Heimatstadt, in der Gastronomie gearbeitet. Der Tourismus hat mich immer fasziniert.“

Loos Bar Cocktail

Und so kam es, dass Milkov, damals noch Barchef in einem burgenländischen Top-Hotel, vor besagten acht Jahren zufällig mit einem Bekannten von Marianne Kohn in die Loos Bar hinein- und als Loos’scher Barmitarbeiter wieder hinausspazieren sollte. „Marianne ist die beste Chefin, die man sich vorstellen kann. Sie lässt uns einfach machen.“ Daher sehe Milkov die Loos Bar ein Stückchen weit als seine. Auch wenn der Wunsch nach den eigenen mit Spirituosen gefüllten vier Wänden natürlich immer mitschwinge. Milkov: „Ist es nicht der Traum eines jeden Bartenders, einmal etwas eigenes aufzumachen?“ Für den Moment aber passt es dem 39-jährigen Milkov hier ganz gut. „Ich kümmere mich um die Gäste, die Getränke und die Musik“, sagt der Bar-Papa und dreht den heute singenden Mario Biondi ein bisschen lauter. „Gerade in so einer Bar bestimmt Musik die Atmosphäre wesentlich mit.“ Nur Mittwochabend, da schweigt die Anlage. Da findet der wöchentliche Leseabend statt, an dem man an einem der drei Tische, oder auch von der Bar aus, jungen Künstlern, die etwas zu sagen haben, lauscht. Ganz sicher fühlen auch diese sich in Milkovs Händen, was Getränke und Wohfühlfaktor betrifft, wunderbar versorgt.

Nur bei der Frage nach der Loos Bar als architektonisch interessante Sehenswürdigkeit, die Touristen auf ihrer Wien-Tour nach kurzem Betreten als abgehakt betrachten, verschwindet des Barchefs charmantes Lächeln für einen kurzen Moment: „Natürlich spricht die Architektur der Bar für sich. Spüren kann man sie jedoch nur, wenn man sich die Zeit nimmt sie zu erleben, sich hinsetzt, etwas bestellt und der Atmosphäre Raum gibt, zu wirken. Je nach Tageszeit, Publikum und genereller Stimmung variierten Musik, Lautstärke und das passende Getränk nämlich“, sagt Milkov und stellt uns ungefragt einen autofahrerfreundlichen Ginger Lime mit Melisse hin.

www.loosbar.at

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