JUNGE WILDE 2020: So kochte sich die 26-jährige Sandra Scheidl zur Gewinnerin

Sandra Scheidl ist die erste Frau, die den härtesten Kochwettbewerb der Welt für sich entscheiden konnte und sich mit Talent und Ehrgeiz zur neuen Jungen Wilden kochte.
Mai 27, 2021 | Text: Bernhard Leitner | Fotos: Julia Losbichler

Es ist so weit. Satte 16 Jahre hat es gedauert, bis sich die 26-jährige Sandra Scheidl zur ersten Jungen Wilden überhaupt gekocht hat. Mit Geschmacksbomben, Aromengranaten und der geballten Ladung Kreativität euphorisierte sie die Geschmacksknospen der Jury rund um den Vater der Jungen Wilden Stefan Marquard und kürte sich damit zur ersten Frau, die diesen prestigeträchtigen Kochwettbewerb gewinnen konnte.

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Let’s get the party started: Sandra Scheidl ist die erste Frau, die sich den Titel Junge Wilde sichern konnte.

Neben dem Küchenpunk Marquard stellten sich STOI-Mastermind Lucki Maurer, Kulinarik-Legende Otto Koch, Haubenkoch Christof Widakovich sowie die Jungen Wilden Walter Triebl (2014) und Florian Wörgötter (2019) der Qual der Wahl in der Jury. Und die war dieses Jahr unfassbar schwierig und das Ergebnis hätte knapper kaum sein können. Lediglich zwölf Punkte trennten die Siegerin Sandra Scheidl vom zweitplatzierten Andreas Kröckel, dem Souschef im Restaurant Waidwerk in Nürnberg. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in dem eine eindrucksvolle Perfektionistin nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überließ und damit den Sieg einfahren konnte.

Es ist so weit. Satte 16 Jahre hat es gedauert, bis sich die 26-jährige Sandra Scheidl zur ersten Jungen Wilden überhaupt gekocht hat. Mit Geschmacksbomben, Aromengranaten und der geballten Ladung Kreativität euphorisierte sie die Geschmacksknospen der Jury rund um den Vater der Jungen Wilden Stefan Marquard und kürte sich damit zur ersten Frau, die diesen prestigeträchtigen Kochwettbewerb gewinnen konnte.

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Let’s get the party started: Sandra Scheidl ist die erste Frau, die sich den Titel Junge Wilde sichern konnte.

Neben dem Küchenpunk Marquard stellten sich STOI-Mastermind Lucki Maurer, Kulinarik-Legende Otto Koch, Haubenkoch Christof Widakovich sowie die Jungen Wilden Walter Triebl (2014) und Florian Wörgötter (2019) der Qual der Wahl in der Jury. Und die war dieses Jahr unfassbar schwierig und das Ergebnis hätte knapper kaum sein können.

Lediglich zwölf Punkte trennten die Siegerin Sandra Scheidl vom zweitplatzierten Andreas Kröckel, dem Souschef im Restaurant Waidwerk in Nürnberg. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in dem eine eindrucksvolle Perfektionistin nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überließ und damit den Sieg einfahren konnte.

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Gebeizter Saibling mit Rose und Pils von Sandra Scheidl

Platz drei ging an Alexander Knelle aus dem Res­taurant Neuwirth in Kitzbühel, gefolgt von Rosina Ostler aus dem Dreisterner Maaemo in Oslo, Florian Hipp, Gasthof Feichter in Finkstein, und Thomas Mader aus dem TIAN Bistro in Wien.

„Das Niveau war unglaublich hoch und jeder hätte es verdient zu gewinnen“, lautet auch das Fazit von ROLLING PIN Big Boss und Initiator der Jungen Wilden Jürgen Pichler. Und wahrhaftig ist es schon eine große Auszeichnung, im Finale diesmal am Grazer Schloßberg dabei gewesen zu sein, denn über 5000 hochkarätige Bewerbungen gingen dieses Jahr bei der Jury ein.

Alles Coronakonform

Coronabedingt wurde das Finale dieses Jahr selbstverständlich unter allen Regeln der hygienischen Nächstenliebe, unzähligen Tests und erstmals per Livestream abgehalten und übertragen. Dass eine Frau erstmals den Titel holen konnte, war aber nicht die einzige Premiere an diesem erinnerungswürdigen Abend. Erstmals mussten die sechs Finalisten nämlich ihre Vorspeise aus dem neuen Mystery-Warenkorb kredenzen.

Keine leichte Aufgabe, erfuhren die jungen Kochtalente erst kurz vor Kochbeginn, welche Produkte sie einsetzen mussten. Für Hauptspeise und Dessert waren, wie immer, die Produkte schon davor bekannt.

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Die sechs Finalisten im großen Finale der Jungen Wilden (v.l.n.r.): Alexander Knelle (24) | Sous Chef @ Neuwirt, Kitzbühel, AT; San­dra Scheidl (26) | ehem. Chef de Partie @ Maaemo, Oslo, NOR; Thomas Mader (25) | Chef de Partie @ TIAN Bistro, Wien, AT; Florian Hipp (24) | Souschef @ Gasthof Feichter, Finkenstein, AT; Andreas Kröckel (29) | Sous­chef @ Restaurant Waidwerk, Nürnberg, DE; Rosina Ostler (28) | Chef de Partie @ Maaemo Oslo, NOR.

Showdown beim Dessert

Dass Sandra Scheidl nicht nur ihr Mise en Place perfekt beherrscht, zeigte sie gleich zu Beginn und überzeugte mit Improvisationskunst und einem sensationellen ersten Gang. Bei den folgenden Gängen bewies Scheidl dann aber ihr ganzes Talent und ließ im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr anbrennen.

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Rosina Ostler aus dem Drei­sterner Maaemo kredenzte im dritten Gang Urkarotte, weiße Schokolade, Estragon und Lindenblüte.

Im Hauptgang servierte die Ausnahmeköchin Wagyu Angus Rib Fingers sous-vide und kurz gebraten mit Gewürzlack, Islandmoos, Steinpilzcreme, Perlzwiebeln, karamellisiertem Zwiebelfond, Estragonöl und marinierten Champignons.

Die Jury war überzeugt und dennoch blieb es bis zum letzten Bissen spannend. Und wie so oft kam es schließlich zum großen Showdown in der süßen Kategorie. Als ehemalige Chef Pâtissière bei 4-Hauben-Kapazunder Simon Taxacher hatte San­dra Scheidl aber wieder die Nase vorn. Mit Urkarotte, Kamille und Salad Pea Shoot katapultierte sie sich auf den ersten Platz und ließ die Konkurrenz hinter sich. „Vom ersten bis zum letzten Gericht stimmten Konsistenz, Optik und natürlich Geschmack“, resümiert Juror Stefan Marquard.

Sandra Who?

Ein Blick auf ihren Lebenslauf brachte Scheidl aber schon vor Kochbeginn in die Favoritenrolle. Als Tochter einer Lehrerin und eines Chemikers aus Fieberbrunn in Tirol entdeckte Sandra Scheidl ihre Leidenschaft fürs Kochen schon sehr früh.

„Ich hab mir schon als Kind zum Geburtstag Muffin-Formen gewünscht und bei verschiedenen Anlässen mehrgängige Menüs gekocht, ohne eigentlich so ganz genau zu wissen, was ich da eigentlich mache. Plan A war immer, Köchin zu werden, Plan B Medizin. Ich bin überglücklich, dass es Plan A wurde.“

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Rock and Roll Queen: Sandra Scheidl überzeugte die Jury mit abgefahrenen Aromenkrachern und technischer Raffinesse.

18-Stunden-Tage waren normal. Da beginnt man sich schon zu fragen, ob es das wert ist, mental und körperlich so an seine Grenzen zu gehen.
Sandra Scheidl über ihre Zeit in Londons Fine-Dine-Szene

Die gebürtige Tirolerin ist mittlerweile aber alles andere als ein unbeschriebenes Blatt und für ihre 26 Jahre in der Fine-Dine-Welt schon weit herumgekommen. Ihre jetzt schon eindrucksvolle Laufbahn startete das Kochwunder aus Fieberbrunn im 4-Sterne-Superior-Intercontinental Berchtesgaden als Commis. Nach knapp einem Jahr wechselte die akribische Tüftlerin zu Spitzenkoch Vitus Winkler ins Verwöhnhotel Sonnhof.

Und auch dort sorgte die Junge Wilde für eine Premiere: „Ich war die erste Frau in der Küche“, erklärt Scheidl. Von Vorurteilen, Sexismus oder anderen Beleidigungen aber keine Spur. „Ich wurde wirklich super aufgenommen und habe Vitus Winkler sehr, sehr viel zu verdanken.“ Doch Scheidl wollte mehr. Ihre erste Station im Ausland hieß Roux at Parliament Square in London, aus der Feder der französischen Küchenlegende Michel Roux. Dort lernte sie die harte Schule der erbarmungslosen und dennoch lehrreichen High-End-Sterneküche kennen. „18-Stunden-Tage waren normal.

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Oldies but Goldies: Küchenpunk Stefan Marquard und Kulinarik-Legende Otto Koch saßen in der Jury.
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Schloßberg-Restaurant-Hausherr und Juror Christof Widakovich mit STOI-Mastermind Lucki Maurer.

Da beginnt man sich schon zu fragen, ob es das wert ist, mental und körperlich so an seine Grenzen zu gehen.“ Doch aufgeben ist für sie ein Fremdwort und so zog sie weiter ins zweifach besternte Restaurant Story, ebenfalls in London, wo sie sich zum Chef de Partie hocharbeitete.

Nach zwei Jahren zog Scheidl aber wieder in ihre Heimat und heuerte bei 4-Hauben-Koch Simon Taxacher in Kirchberg an. Von ihrem Talent überzeugt, stieg sie von der Chef Pâtissière zur Souschefin auf. „Die Verantwortung hat mir voll getaugt.“ In den Saisonpausen legte sie aber nicht die Füße hoch, sondern schrieb fleißig Bewerbungen für die besten Restaurants der Welt und landete wenig später für eine Stage im Dreisterner Maaemo in Oslo.

Ich war die erste Frau in der Küche und wurde von allen super aufgenommen.
Sandra Scheidl leistete bei Spitzenkoch Vitus Winkler Pionierarbeit

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Das schmeckt: Mit ihren fulminanten Gerichten ließ Sandra Scheidl die Konkurrenz hinter sich und katapultierte sich zur neuen und ersten Jungen Wilden.

Und es dauerte auch hier nicht lange, bis der dänische Kultkoch Esben Holmboe Bang mehr als eine Praktikantin in Scheidl sah und sie zum Chef de Partie beförderte. Lange währte das Abenteuer aber coronabedingt nicht und für Scheidl war klar, es ist an der Zeit, etwas Eigenes aufzubauen. „Für mich muss es ein Konzept sein, das bei Gästen alle Sinne bewegt.

Wie ein Theaterbesuch. Akustisch, visuell und eben geschmacklich soll alles zusammenpassen und ein unvergessliches Erlebnis bieten“, so Scheidl über ihr Traumrestaurant. Die Senkrechtstarterin will die Kirche aber im Dorf lassen und zuerst liefern, bevor sie große Töne spuckt. „Ich will noch nicht zu viel darüber verraten, es wird aber in Wien sein.“ Und auch wenn sich Sandra Scheidl in sympathischer Zurückhaltung übt, ist eines klar: Eine Junge Wilde gibt nicht auf, bis sie ihr Ziel erreicht hat.

www.junge-wilde.com

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