Luftikus mit Masterplan

Musik von Gabalier und eine Vogelvilla im Haus des Bürgermeisters: Das passiert wenn der Masseur der Skistars zum Taubenzüchter wird – die Goldmedaille geht an Gerhard Methlagl ins Burgenland.
November 13, 2015

Gerhard Methlagl mit einer weissen Taube Fotos: Monika Reiter

Deutsch Tschantschendorf, August 2014: Andreas Gabalier singt a Liad für Di aus einem Mini-Ghettoblaster, der seine besten Zeiten offensichtlich schon hinter sich hat. Im ehemaligen Bürgermeisterhaus der Gemeinde schwingt die Schlafzimmertür auf und der Blick fällt auf eine weiße Tapete, stilecht aus den 50er-Jahren – und auf überraschte Tauben, die einem aus dem Kleiderschrank entgegenstarren. Ein schlechter Scherz? Nein, sondern pure Realität auf Gerhard Methlagls Taubenhof.

Um den Zusammenhang zu verstehen, reist der Interessierte am besten zweieinhalb Jahre in der Zeit zurück und ein paar Hundert Kilometer nach Westen, nach Vorarlberg. Von dort stammt Methlagl, der erste Taubenzüchter Österreichs, damals massierte er noch…

Gerhard Methlagl mit einer weissen Taube Fotos: Monika Reiter

Deutsch Tschantschendorf, August 2014: Andreas Gabalier singt a Liad für Di aus einem Mini-Ghettoblaster, der seine besten Zeiten offensichtlich schon hinter sich hat. Im ehemaligen Bürgermeisterhaus der Gemeinde schwingt die Schlafzimmertür auf und der Blick fällt auf eine weiße Tapete, stilecht aus den 50er-Jahren – und auf überraschte Tauben, die einem aus dem Kleiderschrank entgegenstarren. Ein schlechter Scherz? Nein, sondern pure Realität auf Gerhard Methlagls Taubenhof.

Um den Zusammenhang zu verstehen, reist der Interessierte am besten zweieinhalb Jahre in der Zeit zurück und ein paar Hundert Kilometer nach Westen, nach Vorarlberg. Von dort stammt Methlagl, der erste Taubenzüchter Österreichs, damals massierte er noch als Mitarbeiter im medizinischen Stab des Skiverbands die Schenkel der Pistenstars. In der Freizeit hatten es ihm Tauben bereits in dieser Zeit angetan, allerdings in der Hobbyzucht für beflügelte Schönheitswettbewerbe. Doch wie es nun einmal so ist, wenn ein Vorarlberger Masseur beschließt, sich ein zweites berufliches Standbein aufzubauen – es mündete in einem Grundstückkauf im burgenländischen Deutsch Tschantschendorf. Hier lassen es sich heute 500 Taubenpärchen gut gehen.

Vorwiegend Hubbel-Tauben, denn diese verfügen über einen hohen Brustanteil. „Mir war es immer schon ein Anliegen, das Image der Taube als großartiger Fleischlieferant wieder aufzubessern“, sagt Methlagl. Tatsächlich ist Taubenfleisch sehr bekömmlich und spielt daher auch in der Diätkost eine bedeutende Rolle. Die Gäste der österreichischen Toplokale, die Methlagl beliefert, haben es weniger mit Magen und Darm, sie treibt eher der Wunsch nach hochwertigen Grundprodukten. Und daher setzen Betriebe wie das Steirereck in Wien oder auch Richard Rauch aus dem Steira Wirt in Trautmannsdorf auf die Fleischqualität von Methlagls Tauben. „Diese beiden waren unter den Ersten, die bei mir bestellt haben“, sagt Methlagl. „In den Anfängen habe ich sie um Rat gefragt und als sie sicher waren, die Qualität passt und sie würden das Fleisch beziehen, wenn es in ausreichender Menge vorhanden ist, habe ich beschlossen, die Zucht weiter auszubauen.“ Die Spitzenlokale beliefert der Vogelfreund seitdem wöchentlich. „Inzwischen ist es so weit, dass ich die Nachfrage nicht einmal im Ansatz bedienen kann“, so erklärt Methlagl. „Ich könnte locker das Doppelte verkaufen.“

Es geht darum, das Image der Taube als großartiger Fleischlieferant aufzubessern.

Gerhard Methlagls Taubenzucht

Jedem Vogel seine Loggia

Ganz klar, dass er bereits an den Ausbau des Zuchtbetriebes denkt. Die nächste Generation der Tauben hat im alten Bürgermeisterhaus zwar keinen Platz mehr, der Züchter würde sie jedoch gerne in eigene Tauben-Bungalows einquartieren. Stolz präsentiert er den Prototyp der neuen Taubenloggia. Aus dieser gurren einem etwa 30 Taubenpaare entgegen. Von Paaren spricht der Kenner, weil die Vögel monogam leben. Haben sie sich einmal gefunden, ziehen sie gemeinsam um die 16 Tiere im Jahr auf. „Das ist gar nicht so viel, wenn man bedenkt, dass manche Restaurants wöchentlich bis zu 50 Tauben bestellen“, sagt Methlagl, während er lässig nach einer Taube mit pinken Federn greift: „Dieses Tier geht in die Schlachtung und ist deswegen markiert, die Taube ist jetzt in etwa sieben Wochen alt.“

Er sagt es und lässt die bunte Taube wieder fliegen, die sich prompt zu einem kleinen Snack aus dem Maisbehälter hinreißen lässt. Cafeteria-Fütterung heißt das System, nach dem die Tauben am Hof versorgt werden. Je nachdem, was sie wollen, wählen die Tiere zwischen den in der Mitte des Raumes stehenden Behältern, gefüllt mit Mais und Weizen sowie Gräsern, Kräutern und Muschelgrit (für gut ausgehärtete Eierschalen), aus. Antibiotika kommen hier auch ohne alpine Dopingkontrollen nicht die in Tüte. Ausnahme sind natürliche Antibiotika wie Zwiebel, Knoblauch und Thymian. Methlagl: „Antibiotika und Pelletsfütterung schmälern die Qualität, das schmeckt man.“ Und weil insbesondere Topköche sich dieser Aspekte genau versichern wollen, der einwandfreien Qualität der Produkte, die sie verarbeiten, freut sich Gerhard Methlagl auch immer wieder über den Besuch seiner Kunden auf dem Hof. Nicht zuletzt, da dabei mitunter auch ganz schön beflügelte Ideen entstehen können. So geschehen im Mai dieses Jahres, als ein Teil des Steirereck-Teams im Burgenland haltmachte. Die Köche wollten sehen, wie die Tauben aufwachsen und wie die Schlachtung am Hof vonstattengeht. Aus der Frage, was denn mit dem Taubenfett passiere, entstand die Idee der Taubengrammeln, die Heinz Reitbauer nun exklusiv in Form von Taubengrammelknödeln anbietet.

20 bis 24 Euro das Kilo:
Der Züchter liefert das
Taubenfleisch persönlich aus.

1000 Paare, damit es sich rechnet

Es sei ein Zeichen von Respekt dem Tier gegenüber, das er an seinen Kunden sehr schätze, sagt Methlagl. Denn seine Abnehmer verarbeiten den ganzen Vogel, zwischen 20 und 24 Euro kostet das Kilogramm, das der Züchter nach der Hausschlachtung persönlich ausliefert. „Nur wenn kein Händler dazwischengeschaltet ist, ist die Hausschlachtung in Österreich erlaubt“, sagt Methlagl. „Es ist zwar der traurigste Teil meiner ganzen Tätigkeit, aber für mich kommt trotzdem nichts anderes infrage. Die Tiere haben so keinen Stress und auch das macht sich in der Qualität bemerkbar.“ Auch wenn der Taubenzüchter vom Arbeitspensum her ausgelastet ist wie in einem Fulltime-Job, so braucht es doch mindestens 1000 Paare auf dem Hof, um dauerhaft davon leben zu können. „Ja, man muss schon einen Vogel haben, um sich das anzutun, und ich habe gleich mehrere“, sagt Methlagl mit einem Lachen. Die Tauben, die er in der burgenländischen Idylle züchtet, hat er sicher mitgezählt.

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