Monsieur 100.000 Volt

Rudolf Tucek steht ständig unter Strom. Beinahe jeden Monat eröffnet der Wiener Querdenker ein neues Hotel.
November 13, 2015

phpBQXyGqDie Geschwindigkeit, mit der der Chief Executive Officer der Vienna International Hotelmanagement AG die Branche in Europa aufwirbelt, ist berauschend: Im Sechs-Wochen-Rhythmus stampft Rudolf Tucek (49) derzeit neue Hotels aus dem Boden. 1,7 Millionen Nächtigungen sind für dieses Jahr anvisiert, auf 130 Millionen Euro soll der Gesamtumsatz anwachsen. Eine Verdreifachung, seit der Wiener 2004 hauptberuflich die Spitze der VIH erklommen hat.
Trotz Überschallgeschwindigkeit behält der smarte, immer schwarz gekleidete Manager den Überblick und ruft seine Vision für die Zukunft aus: „Mit Schlafen und Essen allein ködert man keine Gäste mehr. Der Hotelier muss zum Touristiker werden, sich um Gesamtleistungen kümmern. Also wie ein Reisebüro Ferien- und Vorteilspakete für seine Kunden schnüren.“ Tucek stellte die Weichen bereits im Vorjahr auf diese Erfolgsschiene. Mit der VI Travel Management dampft er nun als Reiseveranstalter seinen Konkurrenten auf und davon.
Auf den Zug aufgesprungen ist die österreichische Lebensmittelkette Nah & Frisch. In deren 702 Filialen bietet Tucek Erlebnis- und Urlaubsreisen in insgesamt zehn Ländern an, in denen er seine 45 Hotels positioniert hat. „Als Leistungsträger hat es keinen Sinn, darauf zu warten, dass der Konsument einen abholt und erhört“, erklärt er. Umsetzen könne das auch ein einzelnes Hotel. „Vereinbaren Sie Kooperationen in Ihrer Region, die für Ihre Gäste von Vorteil sind. Das kann ein vergünstigter oder kostenloser Eintritt in Museen sein, ebenso wie ins Schwimmbad oder zu Sportveranstaltungen. Organisieren Sie gemeinsame Fahrten. Nehmen Sie dem Gast ganz einfach die zeitaufwendige Planung für seine Freizeitvergnügungen ab und sichern Sie ihm gleichzeitig einen finanziellen Vorteil.“ Unverzichtbar ist für Tucek dabei der Berg an detaillierten Kundendaten, auf denen die VIH sitzt. „Immer vorausgesetzt, dass man die Datenschutzbestimmungen im Griff hat, macht das für jeden Hotelbetreiber Sinn, wenn er weiß, welche Bedürfnisse und Vorlieben seine Gäste haben.“ Die Zielgruppe müsse genau analysiert werden. „Da kommt es durchaus auf Feinheiten an. So kann ich dem Seminarleiter nicht das Zimmer in jenem Flügel verkaufen, der vom Seminarraum am weitesten entfernt liegt. Achtet man auf diese scheinbaren Kleinigkeiten, gewinnt man mit der Zeit automatisch Stammgäste.“
Als ehemaliger Generaldirektor des ­Österreichischen Verkehrsbüros, in dem er 1981 als Buchhaltungsassistent seine einzigartige Karriere startete, schafft Tucek freilich gekonnt den Spagat zwischen Touristik und knallhartem Hotelmanagement. Umso kritischer geht er mit der Mitarbeiterphilosophie vieler Hotelketten um. „Historisch gesehen wird eine Menge Häuser sehr durchstrukturiert geführt, fast militärisch. Das ist ein Denken, das nicht mehr zeitgemäß ist. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter mehrere Aufgaben übernehmen. Warum soll ein Night Audit nicht auch die Bar mitmachen? Genau dahingehend adaptieren wir unsere Stellenanzeigen. Die Faustregel ein Mitarbeiter pro Zimmer ist überholt.“ Für die Weiterbildung seiner 2100 Arbeitskräfte sorgt Tucek übrigens persönlich. Und zwar in Seminaren, die zumeist an Wochenenden stattfinden.
Und nicht nur beim Thema Mitarbeiter schwimmt der mehrfach ausgezeichnete Manager gegen den Strom…

phpBQXyGqDie Geschwindigkeit, mit der der Chief Executive Officer der Vienna International Hotelmanagement AG die Branche in Europa aufwirbelt, ist berauschend: Im Sechs-Wochen-Rhythmus stampft Rudolf Tucek (49) derzeit neue Hotels aus dem Boden. 1,7 Millionen Nächtigungen sind für dieses Jahr anvisiert, auf 130 Millionen Euro soll der Gesamtumsatz anwachsen. Eine Verdreifachung, seit der Wiener 2004 hauptberuflich die Spitze der VIH erklommen hat.
Trotz Überschallgeschwindigkeit behält der smarte, immer schwarz gekleidete Manager den Überblick und ruft seine Vision für die Zukunft aus: „Mit Schlafen und Essen allein ködert man keine Gäste mehr. Der Hotelier muss zum Touristiker werden, sich um Gesamtleistungen kümmern. Also wie ein Reisebüro Ferien- und Vorteilspakete für seine Kunden schnüren.“ Tucek stellte die Weichen bereits im Vorjahr auf diese Erfolgsschiene. Mit der VI Travel Management dampft er nun als Reiseveranstalter seinen Konkurrenten auf und davon.
Auf den Zug aufgesprungen ist die österreichische Lebensmittelkette Nah & Frisch. In deren 702 Filialen bietet Tucek Erlebnis- und Urlaubsreisen in insgesamt zehn Ländern an, in denen er seine 45 Hotels positioniert hat. „Als Leistungsträger hat es keinen Sinn, darauf zu warten, dass der Konsument einen abholt und erhört“, erklärt er. Umsetzen könne das auch ein einzelnes Hotel. „Vereinbaren Sie Kooperationen in Ihrer Region, die für Ihre Gäste von Vorteil sind. Das kann ein vergünstigter oder kostenloser Eintritt in Museen sein, ebenso wie ins Schwimmbad oder zu Sportveranstaltungen. Organisieren Sie gemeinsame Fahrten. Nehmen Sie dem Gast ganz einfach die zeitaufwendige Planung für seine Freizeitvergnügungen ab und sichern Sie ihm gleichzeitig einen finanziellen Vorteil.“ Unverzichtbar ist für Tucek dabei der Berg an detaillierten Kundendaten, auf denen die VIH sitzt. „Immer vorausgesetzt, dass man die Datenschutzbestimmungen im Griff hat, macht das für jeden Hotelbetreiber Sinn, wenn er weiß, welche Bedürfnisse und Vorlieben seine Gäste haben.“ Die Zielgruppe müsse genau analysiert werden. „Da kommt es durchaus auf Feinheiten an. So kann ich dem Seminarleiter nicht das Zimmer in jenem Flügel verkaufen, der vom Seminarraum am weitesten entfernt liegt. Achtet man auf diese scheinbaren Kleinigkeiten, gewinnt man mit der Zeit automatisch Stammgäste.“
Als ehemaliger Generaldirektor des ­Österreichischen Verkehrsbüros, in dem er 1981 als Buchhaltungsassistent seine einzigartige Karriere startete, schafft Tucek freilich gekonnt den Spagat zwischen Touristik und knallhartem Hotelmanagement. Umso kritischer geht er mit der Mitarbeiterphilosophie vieler Hotelketten um. „Historisch gesehen wird eine Menge Häuser sehr durchstrukturiert geführt, fast militärisch. Das ist ein Denken, das nicht mehr zeitgemäß ist. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter mehrere Aufgaben übernehmen. Warum soll ein Night Audit nicht auch die Bar mitmachen? Genau dahingehend adaptieren wir unsere Stellenanzeigen. Die Faustregel ein Mitarbeiter pro Zimmer ist überholt.“ Für die Weiterbildung seiner 2100 Arbeitskräfte sorgt Tucek übrigens persönlich. Und zwar in Seminaren, die zumeist an Wochenenden stattfinden.
Und nicht nur beim Thema Mitarbeiter schwimmt der mehrfach ausgezeichnete Manager gegen den Strom. Wo andere auf internationale Brands setzen, pusht Tucek lieber lokale Eigenmarken. „Investoren suchen zwar nach Brands, individuelle Produkte haben aber trotzdem Chancen. Denn die Märkte sind vor allem lokal. An einem superattraktiven Platz ist es besser, ein Le Palais hinzubauen als ein Sofitel. Investoren stecken ihr Geld lieber in die lokale Eigenmarke, als für einen internationalen Brand Marketingbeiträge zu bezahlen.“ Und trotzdem: Die VIH-Designhotel-Sparte andel’s (Prag, Krakau, Lodz) und angelo (Prag, Bukarest) ist mittlerweile schon zu einem eigenen Brand herangewachsen. Nun schwappt diese Welle auch auf Deutschland über: Im Mai öffnet ein angelo in München seine Pforten (Designhotel, 146 Zimmer und Suiten, Restaurant für 116 Personen), 2009 ein andel’s in Berlin (4 Sterne, 557 Zimmer und Suiten, 2 Restaurants, Skybar). „Das sind Produkte, die sich bewährt haben, weil die Designschiene den Kunden gefällt. Es muss aber immer für den Ort und für den Kunden die beste Lösung sein.“
Ganz nebenbei bastelt Tucek auch an der Erweiterung seiner Cube-Hotels. Das Konzept setzt auf eine Kombination aus Sport, Entertainment, Design und Community. Neben dem Nassfeld und Savognin eröffnete im vergangenen Jahr das bereits dritte Cube in Biberwier am Fuß der Tiroler Zugspitze. Tucek will seine Erfindung auch abseits der Alpenregionen vermarkten. „Die Idee der totalen Individualität und Freiheit funktioniert. Es geht auch hier darum, dass Schlafen und Essen allein keine Gäste bringt.“

phpWWUDpCEröffnungen

Deutschland
München, angelo Hotel Designhotel (Eröffnung Mai 2008)
Berlin, andel’s Hotel **** (Frühjar 2009)

Österreich
St. Veit, Blumenhotel **** (Herbst 2008)
Wien, Senator Hotel *** (Winter 2008)Wien
Rainer Hotel **** (Anfang 2009)
Parndorf, Pannonia Tower **** (Frühjahr 2009)
Jochberg/Kitzbühel, Hotel Jochberg ***** (2009/2010)

Tschechien
Pilsen, angelo Hotel **** (Herbst 2008)
Prag, Aqua Hotel **** (2008/2009)
Prag, Zlatnicka **** (2009)

Polen
Lodz, andel’s Hotel **** (Frühjahr 2009)
Warschau, Le Palais ***** (2009)
Katowice, angelo Hotel **** (2009)

Kroatien
Crikvenica, Hotel Miramare **** (Frühjahr 2009)

Slowakei
Bratislava, Habermayer Hotel **** (2009)

Russland
Moskau, Hotelprojekt Moskau ***** (2009)
Jekaterinburg, angelo Airporthotel **** (2009)

>> Kontakt und Bewerbungen

Vienna International Hotelmanagement
Dresdner Straße 87
1200 Wien
Tel.: +43 (0) 1/333 73 73 14
www.vi-hotels.com 
jobs@vi-hotels.com

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„In den neuen EU-Ländern geht die Post ab“

ROLLING PIN: Sie legen in den nächsten Monaten einen wahren Eröffnungsmarathon hin. Können Sie sich da überhaupt noch auf die Gäste konzentrieren?

Rudolf Tucek: Natürlich. Obwohl es schon so ist, dass die direkte Betreuung am Gast nicht mehr mein Thema ist. Aber dort, wo wir vom Produkt her eine starke Positionierung brauchen, bin ich schon sehr im Detail drin. Das Schicksal als Manager ist es ja auch immer, dass ich nur am Zug bin, wenn Schwierigkeiten auftreten. Wenn alles gut läuft, braucht mich kein Mensch.

RP: Welche Länder steuern Sie in Zukunft an?

Tucek: Es gibt Pläne, in die Türkei und nach Libyen zu gehen. Dann wären wir in 12 Ländern vertreten. Unsere Stärke ist, dass wir individuell auf Investoren eingehen und unseren Gästen die volle Bandbreite vom Business- bis zum Ferienhotel bieten können. Das funktioniert bis zu einer Größe von 100 bis 150 Häuser.

RP: Und in welche Länder tendieren die Investoren?

Tucek: Die neuen Länder der EU sind natürlich sehr gefragt. In Polen, Russland und Rumänien geht investitionsmäßig derzeit die Post ab. Dort haben wir gut 15 Häuser in Arbeit.

RP: Mit dem ersten Hotel in Deutschland haben Sie sich Zeit gelassen. Nun eröffnen Sie im Mai das angelo in München. Was erwarten Sie sich vom deutschen Markt?

Tucek: Das Businesshotel angelo ist ein junges, frisches Produkt. Und München ein attraktiver Standort. 2009 folgt dann die Eröffnung des andel’s in Berlin. Auch wenn die Hauptstadt heiß umkämpft wird, ist dieser Standort für uns gerade jetzt sehr interessant. Ein neuer Flughafen wird gebaut und viele internationale Fluggesellschaften haben Berlin fest in ihren Plänen. Unsere Investoren ermitteln bereits weitere Standorte in Deutschland.

RP: Wie ködert man in Zukunft seine Gäste?
Tucek: Das Internet wird dabei eine noch tragendere Rolle einnehmen. HRS, Tiscover – da gibt es vielfältigste Anbieterplattformen, die beim Hotelier darum keilen, zwischengeschaltet zu sein. Und die schaffen dann wieder eine Anbindung an die großen Reiseportale. Man muss sich immer fragen, welche Suchplattform für einen die beste ist, damit man in den großen Foren wie Expedia oder Lastminute.com vertreten ist.

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