Warum der Junge Wilde 2026 keine Kompromisse eingeht

Er ist der frisch gekürte „JUNGE WILDE 2026“: Dominik Tomschy hat den härtesten Kochwettbewerb des DACH-Raums gerockt. Ein unzensiertes Gespräch über brutalen Druck, die Generationen-Debatte am Herd und warum die Gastro-Zukunft radikales Handwerk statt künstlicher Intelligenz braucht.
Juli 8, 2026 | Text: Johannes Stühlinger | Fotos: Moving Stills

Die JUNGEN WILDEN gelten als der härteste und kompromissloseste Kochwettbewerb im gesamten deutschsprachigen Raum. Hat es dich an deine Grenzen gebracht?

Definitiv. Dieser Wettbewerb laugt mich persönlich mental viel mehr aus als ein 15-Stunden-Arbeitstag in der Küche. Nach so einem Tag auf der Bühne bist du körperlich und geistig komplett leer. Es war wild! 

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Dominik Tomschy kann man als Koch nicht an die Leine nehmen! Der JUNGE WILDE 2026 setzte sich gegen 2.000 Konkurrenten durch. Nächster Schritt: kulinarische Weltherrschaft.

Die JUNGEN WILDEN gelten als der härteste und kompromissloseste Kochwettbewerb im gesamten deutschsprachigen Raum. Hat es dich an deine Grenzen gebracht?

Definitiv. Dieser Wettbewerb laugt mich persönlich mental viel mehr aus als ein 15-Stunden-Arbeitstag in der Küche. Nach so einem Tag auf der Bühne bist du körperlich und geistig komplett leer. Es war wild! 

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Dominik Tomschy kann man als Koch nicht an die Leine nehmen! Der JUNGE WILDE 2026 setzte sich gegen 2.000 Konkurrenten durch. Nächster Schritt: kulinarische Weltherrschaft.

Apropos wild: Wie ist es dir mit dem Taubenherz beim Dessert ergangen?

Dominik: Das war die ultimative Challenge. Ich hatte mir geschworen: Als Dessert mache ich eine Crème Brûlée, egal was kommt. Ich ziehe das radikal durch. Als das Taubenherz als Pflichtkomponente feststand, habe ich nicht lange herumexperimentiert. Einfach: Fokus auf den Geschmack!

Umgekehrt: Gibt es ein Produkt, mit dem du generell am allerliebsten arbeitest?

Ich bin ein riesiger Holunder-Fan. Ich liebe die Holunderzeit einfach über alles. Das ist pure Kindheit für mich. 

Kürzlich erzählte mir Spitzenköchin Haya ­Molcho, dass sie ein ganzes Kochbuch über die Rezepte ihrer Kindheitserinnerungen geschrieben hat …

Ich glaube, fast jeder ambitionierte Koch und jede Köchin geht mittlerweile wieder in die Richtung, dass alles ein bisschen bodenständiger, nahbarer und ehrlicher wird. Wir wollen wieder vermehrt Kindheitserinnerungen auf den Teller bringen. Der Trend bewegt sich ganz klar weg von der extremen, verkünstelten Molekularküche.

Dominik sagt danke …

Florian Klinger & David Regenfelder: Ehemaliger Küchenchef (Weissenseerhof) Gerhard Burger: Ehemaliger Berufsschullehrer & Haubenkoch Florian Karrer: Küchenchef im Restaurant Kitsch (Lech am Arlberg) Franz Fleischhacker, Martin Brandstätter, Hansjörg Brandstätter & Michael Steinwender: Gastronomen und Mentoren David Kurz: Küchenchef in der Hospiz Alm & Haubenkoch Martin Steinkellner: Küchenchef im Hotel Restaurant Steirerschlössl Marco Rabensteiner & Wolfgang Mager: Selbstständige Köche ­Matthias Seidl & Andreas Wieser: Ehemaliger Küchenchef (Schlosshotel Fiss) Thomas Hohenwarter: Koch & „Junger Wilder“-Gewinner 2024 Jan Eggers: Küchenchef im Restaurant „Die Goldene Birn“ Ralph Kollnitzer: Küchenchef (aktueller Vorgesetzter) Michaela Kainz & Marcel Baczuk: Private Unterstützer (Partnerin & enger Freund) Elias Neuhäusel: Sommelier bei Mörwald

 

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Für seinen Pastagang griff Tomschy in die Trickkiste: „Ich hab Barilla-Nudeln komplett fein gemahlen und daraus einen eigenen Nudelteig geknetet und ausgerollt. Den habe ich mit einer Pilzfülle gefüllt und mit einer klassischen Hollandaise und frischen Wildkräutern serviert.

Wenn du an dein zukünftiges, eigenes Lokal denkst: Wie sieht deine moderne Küche aus?

Meine Küche wäre genau so, wie ich es jetzt im Finale gezeigt habe. Ich höre in unserer Branche immer und überall dieses riesige Gerede von Konzepten und Philosophien. Man brauche eine tiefschürfende Philosophie für dies, eine Story für jenes. Ich bin da komplett anderer Meinung: Scheiß auf die Philosophie! Kocht einfach verdammt noch mal gut, das muss die oberste Prämisse sein. Wenn das Essen geil ist, dann wird es auch funktionieren.

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Adrian Fruh ist seit 2025 Küchenchef im Restaurant Malereck in Langenargen. Den Titel JUNGER WILDER verpasste er haarscharf.
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Absoluter Fokus auf den Moment und den Geschmack, so lautet das Erfolgsrezept von Dominik Tomschy.
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Im Gespräch mit Mirko Reh war Sebastian Rumpf, Küchenchef im Mondi Hotel am Grundlsee, noch optimistisch, doch für ganz oben reichte es am Ende nicht.
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Wenn der Teller einmal bei der Jury ist, gibt‘s kein Zurück mehr. Dominik ­Tomschy hatte offenbar
das perfekte Timing!
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Ganz große Emotionen bei der Siegerehrung auf der Rolling Pin.Convention in Graz: Dominik
Tomschy ist hier seit 0,5 Sekunden JUNGER WILDER 2026.

Ist diese Absage an klassische Philosophie nicht auch wieder eine starke Philosophie?

Ja, eventuell schon (lacht). Aber mir geht es um den Kern unseres Berufs: weniger denken, mehr tun! Das ist mein Weg. Man sieht es doch an allen Ecken. Sowohl in der Sternegastronomie, wo Gerichte manchmal so zerbrechlich und kopflastig werden, dass der eigentliche Geschmack verlorengeht, als auch in der boomenden Systemgastronomie, wo riesige Marketingapparate hinter Konzepten stehen. Ich gehe da bewusst in die Gegenrichtung. Am besten funktioniert Gastronomie dann, wenn du zu 100 Prozent von dem überzeugt bist, was du tust. Du musst deinen Weg radikal gehen, ohne links und rechts zu schauen.

Wenn du von Radikalität sprichst, fallen einem sofort internationale Visionäre ein. Wer sind deine kulinarischen Vorbilder?

Wenn wir über die internationale Spitze reden, faszinieren mich Leute wie Rasmus Munk vom Alchemist in Kopenhagen oder Heston Blumenthal von der Fat Duck. Das sind Genies, weil sie komplett für sich sprechen und ihr ganz eigenes, oft verrücktes Ding durchziehen, ohne Kompromisse zu machen. 

Solche Leuchttürme geraten in den letzten Jahren immer wieder heftig in die Kritik. Wie nimmst du diese Debatte wahr?

Ich glaube, dass sich in den letzten Jahren extrem viel zum Positiven verändert hat. Alles ist viel, viel besser geworden. Natürlich habe ich in meiner eigenen Lehrzeit auch die eine oder andere härtere Erfahrung mit dem Ton und dem Umgangston in der Küche gemacht. Aber ich bin ganz ehrlich: Geschadet hat es mir im Endeffekt nicht.

Inwiefern hat es dir nicht geschadet?

Man wächst extrem als Charakter daraus. Man lernt, sich selbst zu verteidigen, sich abzugrenzen, aber auch ein gewisses Durchhaltevermögen zu entwickeln. Man lernt, durchzubeißen. Am Ende des Tages geht es immer um die richtige Dosis der Dinge. Der Respekt darf nie verlorengehen, aber eine Küche ist nun mal kein Streichelzoo.

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Tomschy verrät: „Ich habe für die Crème Brûlée das Herz radikal als feines Tartar verarbeitet – gewürzt mit ganz viel Salz und kombiniert mit einer fruchtigen Kirsche.

Apropos Küchenstruktur: Im Finale standet ihr am Ende als drei junge Männer auf der Bühne, keine Frau. Woran liegt das und wie kann die Branche offener für Weiblichkeit werden?

Ich sehe da gerade eine extrem starke Welle anrollen. Mittlerweile gibt es fantastische Beispiele, wie das Kollektiv mit Jaimy Reisinger oder Köchinnen wie Sandra Scheidl. Die Frauen von heute lassen sich in den Küchen absolut nichts mehr gefallen, und das ist auch gut so.

Abseits der Geschlechterrollen wird das Thema Künstliche Intelligenz in der Küche heiß diskutiert. Verwendet ihr bereits KI bei euch im Betrieb?

Nein, überhaupt nicht. Mein Küchenchef Ralf ist da ein super Beispiel: Er ist komplett dagegen, sich überhaupt von außen beeinflussen zu lassen. Er nutzt kein Instagram für Inspirationen, er will keine fremden Einflüsse in seiner Küche. Er geht lieber zwei Stunden allein in den Wald, sieht dort etwas Spannendes und probiert es am Herd aus.

Das setzt voraus, dass man ein extrem ausgeprägtes sensorisches Gedächtnis hat …

Probieren, probieren, probieren. Es gibt keine Abkürzung. Mein Dessert im Finale mit dem Taubenherz hatte zum Beispiel eine Komponente aus Rote-Bete-Saft, Vanille und Tonkabohne, die ich stark reduzieren ließ. Das Rezept ist vor drei Jahren durch puren Zufall entstanden. Das kann dir keine KI der Welt abnehmen: diese echten, analogen Erfahrungswerte.

Du bist Jahrgang 2000. In den Medien wird oft über die „Gen Z“ geschimpft – es heißt, junge Menschen in der Gastro seien nicht mehr leistungsbereit. Du bist das Gegenbeispiel?

Ich glaube, wir haben heute extrem viele unfassbar starke Einzeltalente in den Küchen – vielleicht sogar mehr und fokussiertere als noch vor ein paar Jahren. Aber man darf die Augen nicht verschließen: Es gibt auf der anderen Seite auch sehr viele junge Leute, die schlichtweg nicht mehr wollen.

Woran liegt das deiner Meinung nach?

Am Ende läuft es oft auf das Thema Wertschätzung hinaus. Viele Betriebe haben in den letzten Jahren schlichtweg den falschen Weg im Umgang mit ihren Mitarbeitern gewählt. Wenn die Wertschätzung fehlt, verlierst du die Leute an andere Branchen oder an die sozialen Medien, wo scheinbar alles leichter verdientes Geld ist.

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Klar, der neue JUNGE WILDE träumt jetzt von Sternen und Hauben. Spannend dabei aber ist, dass er sagt: „Das will ich nur, wenn ich meinen eigenen Weg gehen kann!“

Gleichzeitig wird gern erzählt, dass die Zeiten des Fine Dining vorbei sind. Wie siehst du das?

Ich glaube, eine ganz bestimmte Ära des Fine ­Dining ist tatsächlich vorbei. Diese Zeiten, in denen Geld absolut keine Rolle spielte, die Wirtschaftlichkeit völlig egal war und man Unmengen an Budget ohne Sinn und Verstand verpulvern konnte –, die sind vorbei. Fine Dining stirbt nicht, aber es wird heute viel intelligenter, kalkulierter und wirtschaftlich nachhaltiger betrieben.

Zum Abschluss: Der Titel „JUNGER WILDE“ war für viele deiner Vorgänger das ultimative Karrieresprungbrett. Wohin soll deine persönliche Reise jetzt gehen? Was sind deine Träume?

Mein großes Ziel für die Zukunft ist es, mit dem, was ich über gutes Essen transportieren möchte, irgendwann vier Hauben und meinen eigenen Stern zu erkochen. Aber das sage ich ganz klar: Nur, wenn ich dabei zu 100 Prozent mein eigenes Ding durchziehen kann. Es ist kein Muss, der Spaß und die Identität müssen bleiben. Und ich habe noch einen ganz konkreten, großen Traum …

Und der wäre?

Ich würde unfassbar gerne einmal bei Kitchen Impossible mitmachen! Einmal in dieser Sendung gegen Tim Mälzer antreten und die Box zugeschickt bekommen – am liebsten im Team mit einem anderen Jungen Wilden. Das wäre der absolute Wahnsinn!

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Mit der jungen Kochgeneration sind viele tolle Frauen am Start. „Da kommt eine ganze Welle“, sagt Dominik Tomschy. Und er weiß, von wem er spricht!

Danke an die Partner:

Eine so schillernde Challenge wie die Jungen Wilden lebt von starken Partnerschaften – und der gemeinsamen Überzeugung, dass es einen starken Branchenzusammenhalt braucht, um der nächsten Kochgeneration die Bühne bieten zu können, die sie verdient. Wir bedanken uns bei unseren großartigen Partnern, ohne die die Jungen Wilden 2026 nicht möglich wären: Barilla, Dr. Becher, F. Dick, Frankl24, Frische Paradies, Hela, Le Nouveau Chef, Mondelez International Professional, Pacojet, Rational, S.Pellegrino & Acqua Panna, Transgourmet aus Österreich und Deutschland.

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