Kollege Kotzbrocken

Kleine Reibereien unter Kollegen werden leicht zu Mobbing, das Betriebe bis zu 50.000 Euro kosten kann. Wir zeigen, wie man das verhindert.
November 13, 2015

Ein Koch im weißen Gewand mit roten Augen und Teufelshörnern holt mit seinem Kochtopf zu einem Schlag aus Seine Sprüchen nerven, sein ständiges Nörgeln auch. Er beklagt sich ständig über die Wünsche der Gäste, schimpft über die Kollegen im Service, macht den Koch herunter – und dann tischt er dem Chef die schönsten Lügen auf, um damit die Kollegen anzuschwärzen. Kollege Kotzbrocken eben, wie es ihn in vielen Gastronomiebetrieben gibt, der für interne Streitereien sorgt. Doch wer ständig streitet, hat keine Zeit für seinen Job. Das kann den Betrieb teuer zu stehen kommen. Gäste leiden unter schlechter Stimmung und werden sich überlegen, ob sie ihr Abendessen beim nächsten Mal nicht in angenehmerer Atmosphäre genießen wollen.
Noch schlimmer ist es freilich für die Mitarbeiter. Ständige Reibereien wachsen sich nämlich schnell zu echtem Mobbing aus. Das in schweren Fällen sogar monatelange Krankenstände zur Folge hat, die vom Unternehmen erst einmal verkraftet werden müssen. Bis zu 50.000 Euro kann ein einziger gemobbter Mitarbeiter ein Unternehmen kosten – pro Jahr, rechnen Psychologen vor. So weit darf es gar nicht erst kommen. Zwar werden aus streitenden Kollegen nur in seltenen Fällen wieder einmal einander unterstützende, aber das richtige Verhalten gegenüber schwierigen Mitarbeitern kann man üben. Sie im Zaum zu halten, ist in erster Linie eine Frage der eigenen Wahrnehmung und Kommunikation. Zumal kein Team auf Dauer ohne Konflikte auskommt. Manchmal ist es zwar nicht leicht festzustellen, wer eigentlich wem ans Leder will, denn meist will sich einer der Beteiligten auf Kosten des anderen profilieren und attackiert ihn deswegen. Gerade zu Beginn werden sachliche Argumente vorgeschoben, schließlich versucht jeder erst einmal, die Kompetenz des anderen in Frage zu stellen und die eigene zu überhöhen, bevor er seine Antipathie dem anderen gegenüber preisgibt.

Offene Auseinandersetzung Daher sollte ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern durchaus die Möglichkeit geben, ihren Streit offen auszutragen, muss aber darauf vorbereitet sein, einzugreifen und für Deeskalation zu sorgen. Denn geht die Aus-einandersetzung so weit ins Persönliche, dass das Selbstwertgefühl eines der beiden Konkurrenten verletzt wird, dann ist das die Grundlage für eine ewig schwelende Feindschaft, die irgendwann zum nicht mehr zu löschenden Großbrand wird.
Allerdings ist die Streitkultur in Unternehmen ziemlich unterentwickelt, Auseinandersetzungen sind nahezu tabu, weil jeder fürchtet, selbst die Kompetenz für seine Position abgesprochen zu bekommen. Dagegen kann man vorbauen – der Ton macht wie immer die Musik. Wer Kritik mit dem Satz „Darf ich Ihnen einmal etwas Persönliches sagen …“ einleitet, nimmt den drohenden Revanchefouls schon einiges an Energie – oder vermeidet sie überhaupt.

Außerdem muss die Kritik so exakt wie möglich formuliert sein. Pauschale Verurteilungen gehen generell ins Leere, erzeugen Widerstand und verursachen neue Konflikte. Gerade in solchen Fällen wird deutlich, dass zum Streiten immer zwei gehören. Wer sich also dazu durchringt, die Kritik am Kollegen auszusprechen, sollte zuvor auch überlegen, ob nicht vielleicht auch eine Änderung der eigenen Verhaltensweisen angebracht wäre. Wird das Gefühl, mit einem Kollegen einfach nicht zurechtzukommen, unkritisch vom Kopf übernommen, so entsteht daraus leicht eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wer von Anfang an davon ausgeht, mit dem anderen Probleme zu haben, beschwört diese erst recht herauf. In so einem Fall sollte man alles daransetzen, die eigene Stärke wiederzugewinnen, und dem Kollegen Souveränität demonstrieren. So lässt sich das ständig wiederkehrende Streitschema durchbrechen.

Chance geben Trotz allem ist es notwendig, einem schwierigen Mitarbeiter klar zu machen, wenn er sich falsch verhält. Viele Menschen wissen es ja gar nicht, dass sie als problematisch gelten, weil es niemand auszusprechen wagt. Damit nimmt man ihnen jedoch die Chance, sich weiterzuentwickeln und teamfähigere Verhaltensmuster auszubilden. Wovon man sich selbst auch nicht ausnehmen darf. Einem vertrauten Kollegen oder Mitarbeiter die Möglichkeit geben, Kritik an der eigenen Person auszusprechen, kann einen davor bewahren, zu selbstsicher zu sein und dann ebenfalls zum Kotzbrocken zu werden.

>> info
Vom Konflikt zum Mobbing

Was ist Mobbing?
• Angriffe auf die Person und ihr soziales Ansehen (Gerüchte verbreiten, Demütigungen, sexuelle Anspielungen und Annäherungen etc.)
• Angriffe auf die sozialen Beziehungen und die Kommunikation (Kontakt verweigern, von Gesprächen ausschließen, ständiges Unterbrechen, Anschreien, unvollständiges Einweisen
• Angriffe auf die Qualität der Arbeit (Leistungen unterbewerten, Informationen vorenthalten, sinnlose und kränkende Aufgaben zuteilen)
• Angriffe auf die Gesundheit (zu gesundheitsschädlicher Arbeit zwingen, Androhung körperlicher Gewalt, absichtlich Stress herbeiführen)

Was tun als Mobbing-Opfer?
• Ärger und Kummer nicht in sich hineinfressen, sondern früh versuchen, ein Gespräch mit dem Widersacher zu führen
• Unterstützung bei Kollegen und/oder Vorgesetzten einholen
• Innerbetriebliche Beratungsangebote kontaktieren (Personalvertreter, Vertrauensperson)
• Externe Beratungsangebote in Anspruch nehmen
• Mobbinghandlungen zur Beweisbarkeit in einem Tagebuch festhalten (mit Datum, Zeit, Zeugen, Auswirkungen)
• Angriffe sichtbar und für andere nachvollziehbar machen
• Stressbewältigungsstrategien erlernen (Entspannungsübungen, Sport etc.)
• Kraftquellen erschließen (Freizeitaktivitäten, Gespräche mit Familie und Freunden)

>> rat & tat:

www.gesuenderarbeiten.de bietet im Internet neben vielen rechtlichen Informationen eine übersichtliche Broschüre zum Thema Mobbing an. 
www.sozialnetz-hessen.de liefert Arbeitgebern und -nehmern ausführliche Antworten auf alle Fragen zu Mobbing und Burn-out.

Top Jobs


KOSTENLOS MEMBER WERDEN
UND UNZÄHLIGE VORTEILE genießen

  • Insights aus der Gastro-Szene, ganz ohne Bullshit.
  • Personalisierte Jobvorschläge & die besten Jobs aus der ganzen Welt
  • Alle Online-Artikel lesen & Zugriff auf das Rolling Pin-Archiv
  • 33% Rabatt auf Chefdays-Ticketsund vieles mehr…