Irre Typen

Mein Chef, der Psychopath: Wir verraten, warum Erfolg und Irrsinn so eng miteinander verknüpft sind – und was man tun muss, um die Job-Klapse zu überleben.
November 13, 2015

irrer ErfolgFotos: Shutterstock

Die gute Nachricht gleich mal vorweg: Sie können aufhören, sich zu schämen. Wenn Sie das nächste Mal das schlechte Gewissen befällt, weil Ihr Chef wieder mal ohne konkret ersichtlichen Grund in den Berserkermodus verfällt und Ihre innere Stimme Ihnen flüstert, dass der Typ einen an der Waffel hat, liegen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht so daneben. Denn die vielen Mitarbeitern nur allzu gut bekannte Verhaltensauffälligkeit in der Chefetage ist in den meisten Fällen keine rein subjektive Wahrnehmung, sondern eine Tatsache. Und zwar eine, die wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens beitragen kann.

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob Balla-Balla-Sein neuerdings die wichtigste Kernkompetenz auf dem Weg zum Ruhm sein soll, dann lautet die Antwort also: mit leichten Einschränkungen, ja. Wie der kanadische Psychiater Robert Hare und sein Kollege Paul Babiak in einer neuen Studie herausgefunden haben, erfüllen…

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Die gute Nachricht gleich mal vorweg: Sie können aufhören, sich zu schämen. Wenn Sie das nächste Mal das schlechte Gewissen befällt, weil Ihr Chef wieder mal ohne konkret ersichtlichen Grund in den Berserkermodus verfällt und Ihre innere Stimme Ihnen flüstert, dass der Typ einen an der Waffel hat, liegen Sie mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht so daneben. Denn die vielen Mitarbeitern nur allzu gut bekannte Verhaltensauffälligkeit in der Chefetage ist in den meisten Fällen keine rein subjektive Wahrnehmung, sondern eine Tatsache. Und zwar eine, die wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens beitragen kann.

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob Balla-Balla-Sein neuerdings die wichtigste Kernkompetenz auf dem Weg zum Ruhm sein soll, dann lautet die Antwort also: mit leichten Einschränkungen, ja. Wie der kanadische Psychiater Robert Hare und sein Kollege Paul Babiak in einer neuen Studie herausgefunden haben, erfüllen nämlich überdurchschnittlich viele erfolgreiche Menschen in Führungspositionen jene Kriterien, die auch auf Psychopathen zutreffen. Zu diesem Kriterienkatalog zählen narzisstische Eigenschaften wie oberflächlicher Charme, krankhaftes Lügen, fehlende Empathie, Skrupellosigkeit, Impulsivität, aber auch außergewöhnliche Überzeugungskraft, mentale Härte und die Fähigkeit, unter großem Druck klare Entscheidungen zu fällen.

Im Narrenturm riecht es nach Erfolg
Das klingt nach Hannibal Lecter, ist aber ein Set an Eigenschaften, das für eine Karriere mitunter recht hilfreich ist. Wie Kevin Dutton in seinem aktuellen Buch mit dem Titel „Psychopathen – Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann“ feststellt, würden die meisten Menschen psychopathische Merkmale wie Emotionsarmut, fehlende Scham, Egozentriertheit, Angstfreiheit und Verantwortungslosigkeit grundsätzlich ablehnen, sich andererseits aber nach genau diesen Charakteristika sehnen.

Und die Geschichte liefert uns genug schillernde Beispiele für psychische Störfälle, die es nach ganz oben geschafft haben. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Asperger-Autist. Apple-Chef Steve Jobs: Choleriker. John F. Kennedy: manisch-depressiv. Multimilliardär und Berufsdraufgänger Richard Branson: krankhaft narzisstisch. Top-Manager gleich Top-Irrer – diese These stützen auch Duttons Studienergebnisse. Seine Stockerlplätze der beliebtesten Berufsbilder für Psychopathen gehen an CEOs, gefolgt von Anwälten und TV- und Radiojournalisten. Und auch wenn in Duttons Top-10-Hitliste Köche „nur“ auf Platz 9 liegen, sind die Beispiele erfolgreicher Persönlichkeiten, die in Wahrheit psychische Wracks mit starker charakterlicher Schlagseite sind, auch in dieser Branche vertreten. Man müsste wohl nicht lange suchen, um Mitarbeiter aus der einen oder anderen Sterne-Küche zu finden, die eine entsprechende Anekdote aus dem Ärmel schütteln könnten.

Wie so oft im Leben gilt allerdings auch bei den irren Erfolgstypen: Auf die Dosis kommt es an, und ein Psychopath kann ein Unternehmen ebenso nach oben führen, wie er es zu Fall bringen kann. Der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung, Einflussnahme und Manipulation, Vision und Größenwahn ist schmal. Leidtragende sind zumeist die Menschen, mit denen der Psycho seinen Tag verbringt: die Mitarbeiter. Aber das Handtuch zu schmeißen, ist nicht die einzige Möglichkeit, mit dem Verrückten im Chefsessel umzugehen. Ein paar Anregungen, wie Sie das eigene Arbeitsumfeld nicht vollends zur Nervenheilanstalt verkommen lassen, liefern wir Ihnen auf der nächsten Doppelseite.

Der große Psycho-Check

Kopfwäsche oder Kopf der Bande?
Sich mit einem psychopathischen Chef auf Machtkämpfe einzulassen, hat zumeist keinen Sinn. Aber wer nicht gleich kündigen und dem Wahnsinn eine chance geben will, der kann es ja mal mit diesen Strategien versuchen.

1 Der Chef hat’s verbockt, schiebt es aber wieder mal auf sie und erklärt ihnen, ihr IQ liege unter dem eines nassen Waschlappens.
Richtig
Schrauben Sie die Erwartungen an seine Zurechnungsfähigkeit runter, machen Sie sein Problem nicht zu Ihrem und stellen Sie auf Durchzug.
Falsch
Sie versuchen verzweifelt, ihn zu überzeugen, dass Sie nichts falsch gemacht haben. Weil das nicht funktioniert, zucken Sie aus. Und nennen ihn auch einen Waschlappen.

2 In ihrer Familie gibt es einen Todesfall. Er droht ihnen, Sie zu entlassen, wenn sie zum Begräbnis statt zu einem wichtigen Meeting gehen.
Richtig
Manipulieren Sie ihn! Argument: Möchte er wirklich einen guten Deal aufs Spiel setzen, weil sein Mitarbeiter nicht voll da ist?
Falsch
Sie lassen sich einschüchtern, manipulieren und knicken am Ende ein. Und damit geben Sie ihm noch mehr Macht.

3 Sie wissen aus sicherer Quelle, dass ihr Chef sie vor anderen runtermacht, bei ihnen aber macht er stets auf speichellecker de luxe …
Richtig
Ihr Boss ist nicht Ihr Vater, also gehen Sie auf Distanz, lassen Sie sich nicht ausnutzen und pflegen Sie nur das Nötigste an Kontakt.
Falsch
Bis jetzt haben Sie Mäuschen gespielt, jetzt ist es Zeit für Rache. Sie schmeißen ihm bei der Kündigung alles an den Kopf, was Ihr gekränktes Ego hergibt. Das ist es echt nicht wert!

4 Sie möchten ihm eine neue Idee präsentieren, aber bekanntermaßen hält er sich für den einzig Fähigen in dem Laden hier.
Richtig
Borgen Sie sich seine Eigenschaften und wickeln Sie ihn um den Finger. Am Ende muss er glauben, die Idee wäre eigentlich von ihm gekommen.
Falsch
Jetzt werden Sie ihm mal zeigen, wo der Hammer hängt! Ihre Idee ist doch das Beste, was ihm passieren konnte!

5 Er hat sich finanziell total verspekuliert, der Ruin naht, aber er erklärt immer noch allen Mitarbeitern, es wäre alles in bester Ordnung.
Richtig
Nur weil er keinen gesunden Hausverstand hat, heißt das nicht, dass Sie Ihren abgeben sollen. Verlassen Sie das sinkende Schiff!
Falsch
Sie glauben daran, dass alles gut wird und er vielleicht Mitarbeiter rausschmeißt, um Geld zu sparen, nur Sie nicht. Wenn Sie den Untergang mögen und Wert drauf legen, ihren Ruf gleich mit zu ramponieren …

6 Sie sollten Ideen für neue Gerichte auf der Karte liefern. Ihr Boss ist erst total begeistert, kurz darauf lehnt er alle Vorschläge grundlos ab.
Richtig
Erst mal durchatmen. Seine Launen werden stets unkalkulierbar bleiben, und seine Ablehnung sagt nichts über die Qualität Ihrer Arbeit aus.
Falsch
Sie versuchen krampfhaft, ihn davon zu überzeugen, dass er unrecht hat. Weil das nichts bringt, verfallen Sie in ein Motivationstief und werden von Selbstzweifeln geplagt.

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