Marc Veyrat blitzt mit Klage gegen Guide Michelin ab

Weil seinem Restaurant La Maison des Bois 2019 der dritte Stern aberkannt wurde, verklagte Marc Veyrat den Guide Michelin. Zu unrecht, wie ein Gericht in Nanterre nun befand.
Jänner 2, 2020 | Fotos: Facebook

Was ist passiert? 

Das spitzengastronomische Scharmützel des Jahres 2019 ist – zumindest vorläufig – beendet. Wie am 31. Dezember bekannt wurde, ist der französische Spitzenkoch Marc Veyrat mit seiner Klage gegen den Guide Michelin gescheitert. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP, auf die sich auch mehrere deutschsprachige Medien wie Die Zeit berufen. Wir erinnern uns: In der 2019er-Ausgabe der scharlachroten Küchenbibel wurde Marc Veyrat der dritte Stern aberkannt. Besonders bitter: Diesen hatte der Küchenchef des Gourmettempels La Maison des Bois im idyllischen Alpendorf Annecy nahe der Schweizer Grenze erst im Jahr davor erkocht.

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Abgeblitzt: Marc Veyrat hat nach dem Urteil des Gerichts in Nanterre den Rechtsstreit gegen den Guide Michelin verloren. 

Was wollte Marc Veyrat?

Konkret forderte der Kultkoch – Markenzeichen breitkrempiger Hut – neben der Offenlegung der Testprotokolle auch einen symbolischen Euro Schadenersatz, da die Guide-Michelin-Inspektoren, die Veyrat für „inkompetent“ hält, mit der Herabstufung einen Fehler gemacht hätten und seinem Restaurant damit ein Schaden entstanden sei. Obwohl er ausschließlich französische Käsesorten verwende, hätten die Guide-Michelin-Tester behauptet, in seinen Soufflés sei britischer Cheddar. Laut Veyrats Anwalt Emmanuel Ravanas wollten sein Mandant und er „nicht die Kritik verbieten“, wie Ravanas von Die Zeit zitiert wird. „Wir wollen [vielmehr] überprüfen, dass Kriterien existieren und dass sie angewandt wurden.“ 

Pikant: Wie die französische Ausgabe von euronews berichtet, ist der Umsatz von Veyrats kulinarischer Pilgerstätte im Zuge dieses juristischen Tauziehens immerhin um sieben Prozent gestiegen. Zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht dürfte also alles andere als ein Schaden entstanden sein. 

Wie begründet das Gericht die Entscheidung?

Ein Gericht in Nanterre nahe der französischen Hauptstadt kam nun zum Schluss, dass der Spitzenkoch keine schlüssigen Beweise habe darlegen können, dass durch die Herabstufung des Guide Michelin auf zwei Sterne ein Schaden entstanden sei. Außerdem unterstünden unabhängige Restaurantbewertungen von Restaurantkritikern dem Recht auf Meinungsfreiheit. 

Was bedeutet dieses Urteil?

„Es ist das erste Mal, dass hier in Frankreich ein Küchenchef es wagt, den Guide Michelin zu attackieren. In der Regel möchte man ja doch lieber ein freundschaftliches Verhältnis zum Guide pflegen“, so der französische Restaurant-Kritiker Franck Pinay-Rabaroust gegenüber euronews. „Es wird sich in Zukunft weisen, ob der Guide Michelin damit von seinem Podest gefallen ist – und ob auch andere Küchenchefs mit anderen juristischen Argumenten den Guide Michelin eines Tages verklagen werden.“ Ob mit Marc Veyrats Präzedenzfall eine spitzengastronomische Klagespirale in Gang gesetzt worden ist, wird sich im Laufe dieses Jahres weisen. Nicht zuletzt, da im April die neue Ausgabe des Guide Michelin Frankreich erscheinen wird. Man darf also mehr als gespannt sein. 

Hier geht’s zum letzten Beitrag über Marc Veyrat.

 

 

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