Vom Würstel und Bier zum Michelin-Stern: Marktstand schreibt Gastro-Geschichte

Was die Grossauer-Unternehmensgruppe und Spitzenkoch Alexander Posch in Graz geschafft haben, gab es in Österreich in der Form noch nie: einen Marktstand mit Michelin-Stern.
März 25, 2026 | Text: Niko Zoltan | Fotos: Rolling Pin

Was einst mit „einem Würstel und einem Bier“ begann, ist jetzt ein Sternelokal: Die Genießerei am Markt – Steiermark(t)dinner by Alexander Posch wurde im Guide Michelin 2026 – bereits im ersten Jahr nach seiner Eröffnung – mit einem Stern ausgezeichnet. Und das ist nicht alles: Michelin vergibt den „Opening of the Year“-Award ebenfalls an das Grazer Konzept am Kaiser-Josef-Platz.

geniesserei
Kulinarischer Patron des Grossauer-Imperiums Christof Widakovich und Genießerei-Küchenchef Alexander Posch

Was einst mit „einem Würstel und einem Bier“ begann, ist jetzt ein Sternelokal: Die Genießerei am Markt – Steiermark(t)dinner by Alexander Posch wurde im Guide Michelin 2026 – bereits im ersten Jahr nach seiner Eröffnung – mit einem Stern ausgezeichnet. Und das ist nicht alles: Michelin vergibt den „Opening of the Year“-Award ebenfalls an das Grazer Konzept am Kaiser-Josef-Platz.

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Kulinarischer Patron des Grossauer-Imperiums Christof Widakovich und Genießerei-Küchenchef Alexander Posch

Dass ausgerechnet ein Marktstand diese Auszeichnung holt, ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte. Denn die Genießerei ist kein geschniegeltes Luxuskonzept, sondern ein urbanes Juwel, das sich nahtlos in den Marktalltag um sich herum einfügt.

Laut Christof Widakovich, der als kulinarischer Fadenzieher des Grossauer-Imperiums hinter dem Konzept steht, hat der Stand im Laufe der Jahre schon einige Iterationen durchgemacht. “Es hat auch eine Zeit gegeben, da wurden hier nur Würstel und Bier serviert”, erzählt der Gastronom.

Heute wird in der Genießerei tagsüber weiter marktnahe und bodenständige Küche serviert, am Abend aber entfaltet sich das Steiermark(t)-Dinner by Alexander Posch: ein zehngängiges Menü, das von Donnerstag bis Samstag auf engstem Raum die Geschichte und die Aromen der Steiermark inszeniert.

“Wir lassen uns inspirieren und schauen, was passiert.”

Widakovich hatte Posch im Frühjahr 2025 in die Genießerei geholt. Für Letzteren war es zugleich eine Rückkehr: Bereits 2007 arbeitete er mit Widakovich im Restaurant Schlossberg zusammen. Genau diese Mischung aus Biografie, Vertrauen und Produktnähe scheint nun in einem der ungewöhnlichsten Michelin-Erfolge des Jahres gemündet zu sein.

“Auch für uns als Gruppe ist das eine ganz tolle Auszeichnung. Wir bieten eine Gastronomie mit vielen Facetten an, von der großen Eventgastronomie über, so denke ich, erstklassige Systemgastronomie bis hin zu kleinen Individualkonzepten”, sagt Widakovich. “Es ist natürlich umso schöner, dass wir diese Bandbreite jetzt auch um einen Michelin-Stern erweitern konnten. Ich bin wahnsinnig stolz, dass die Genießerei so erfolgreich funktioniert.”

Posch beschreibt seinen Zugang so schlicht wie schlüssig: “Wir haben das geschafft, indem wir uns nicht verbogen haben, sondern eigentlich das Konzept, das hier immer schon gelebt wurde, direkt die Produkte vom Markt zu kochen, auf unsere Art und Weise umgesetzt haben.”

Der Arbeitsalltag des frisch gebackenen Sternekochs beginnt deshalb mit einem Rundgang über den Kaiser-Josef-Markt: “Jeden Morgen kaufe ich am Markt die frischen Sachen ein, dann lassen wir uns inspirieren und schauen, was passiert.” Und so entstehen Gerichte wie sein Lieblingsgang im aktuellen Menü: Furchengarnele, leicht mariniert und geflämmt, serviert mit Klachlsuppe (eine steirische Spezialität mit Schweinshaxe), brauner Butter und gebackener Schweineschwarte.

Viel regionaler geht’s wohl nicht. Und reduzierter auf das Wesentliche – nämlich auf Geschmack, Handwerk und Gastfreundschaft – auch nicht. Dass Michelin genau so ein Konzept nun nicht nur auszeichnet, sondern sogar besonders hervorhebt, kann man als Indiz dafür werten, dass sich der Guide  hierzulande solchen Konzepten öffnet, die nicht mit Luxus-Ambiente punkten. Solange stimmt, was am Teller ist.

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