METRO-CEO Steffen Greubel: „Es darf keine Kompromisse geben“

Als neuer CEO des Lebensmittelgroßhändlers METRO will Steffen Greubel nachhaltig in die Zukunft investieren und die Digitalisierung der Gastronomie forcieren.
Oktober 7, 2021 | Text: Hannes Kropik | Fotos: Michael Reidinger
Steffen Greubel
Steffen Greubel ist positiv überrascht: „Unsere Mitarbeiter waren trotz der Lockdowns hochmotiviert. METRO steuert verhältnismäßig gut durch die Pandemie.“
Steffen Greubel
Steffen Greubel ist positiv überrascht: „Unsere Mitarbeiter waren trotz der Lockdowns hochmotiviert. METRO steuert verhältnismäßig gut durch die Pandemie.“

Sie sind im Mai vom Schraubenhersteller Würth als CEO zur METRO gewechselt. Was war Ihre Motivation für diesen Schritt?
Steffen Greubel: Der Würth-Konzern ist sehr gut aufgestellt, ich habe mich dort sehr wohlgefühlt. Die entscheidende Frage war: Wo kannst du einen echten Unterschied machen? METRO mit seiner großen Tradition im Großhandel steht vor einer spannenden Transformation hin zu einem nachhaltigen Wachstumsgeschäft. Das hat mich gereizt.

Wie funktioniert das Onboarding eines CEO in einem so großen Unternehmen?
Greubel: Mir ist wichtig, mich persönlich mit dem Unternehmen vertraut zu machen. Und zwar an der Basis: im Gespräch mit Mitarbeitern und Kunden, am Regal, im Auto oder im Depot. Dafür war ich schon in Spanien, Italien, Frankreich, Österreich, der Tschechischen Republik und der Slowakei. Die schönsten Momente teile ich übrigens auf Instagram.

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Zwischen Genuss und Lebenslust: Steffen Greubel zu Besuch bei METRO Italia

Sie haben bereits zahlreiche Kunden persönlich getroffen. Welchen Eindruck macht die Gastronomie in der Pandemie?
Greubel: Die Branche hat gelitten, keine Frage. Aber gleichzeitig herrscht eine unglaubliche Kreativität. Ich habe zum Beispiel in Spanien einen Gastronomen getroffen, der mitten im Lockdown in die Offensive gegangen ist: Mit beeindruckendem Unternehmergeist hat er seine Restaurantkette erweitert und den Betrieb digitalisiert. Das öffnet das Herz und macht Mut.

METRO hat während der Lockdowns die öffentlichkeitswirksamen Aktionen zahlreicher Gastro-Initiativen unterstützt, um Aufmerksamkeit für die Lage der Gastronomie zu schaffen. Warum?
Greubel: Wir haben in der Pandemie schmerzlich erlebt, dass die Gastronomie nicht über die größte Lobby verfügt. Also haben wir gemeinsam mit Gastronomen und Verbänden für deren Interessen getrommelt. Heute sehen wir mit Freude, dass diese Form der Partnerschaft Anerkennung findet: Wir verzeichnen so viele Neukunden wie nie. Für uns ist klar, dass wir uns auch weiterhin an der Seite unserer Kunden für die Interessen der Branche engagieren werden.

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Steffen Greubel besucht zurzeit METRO-Märkte in ganz Europa. „Ich mache mich auch an der Basis mit dem Unternehmen vertraut.“

Was können Gastronomen in dieser Hinsicht zukünftig erwarten?
Greubel: Uns allen ist in der Pandemie wieder bewusst geworden, dass es den Menschen bei einem Restaurantbesuch nicht vordergründig darum geht, satt zu werden. Es geht um Begegnungen, um Erlebnisse, um ein
soziales und kulturelles Miteinander. Diese Dimension werden wir verstärkt ins Zentrum unserer Gespräche mit der Politik und der Öffentlichkeit rücken.

Was können wir von dem Strategie-Update erwarten, das Sie für Ende Januar 2022 angekündigt haben?
Greubel: Wir nehmen uns als Vorstand die nötige Zeit, um die Strategie vernünftig mit unseren Teams und dem Aufsichtsrat zu erarbeiten. Es geht weniger um große Überraschungen, sondern um klare Ziele.

„Es geht um Begegnungen, um Erlebnisse.“

Welche werden das sein?
Greubel: Die Digitalisierung spielt eine größere Rolle, das Belieferungsgeschäft werden wir stärken, ebenso unsere Vertriebsmannschaft. In den Ländern, in denen wir tätig sind, wollen wir zu den Top 3 der Lebensmittelgroßhändler gehören. In Spanien, Portugal, Frankreich haben wir bereits Chancen für Zukäufe genutzt und werden das auch weiterhin tun, wo sich gute Optionen eröffnen. Wie in Österreich, wo wir neun AGM-Märkte übernehmen möchten.

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Der Krise zum Trotz: „Unsere Leute sind hochmotiviert.“

Welche Ansätze verfolgen Sie im Bereich des Sortiments?
Greubel: Auf die Qualität unserer Produkte müssen sich unsere Kunden immer verlassen können. Es darf keine Kompromisse geben! Insbesondere im Frischebereich setzen wir verstärkt auf Regionalität, weil das ein wichtiger Differenzierungsfaktor für unsere Kunden ist. Unsere Eigenmarken, die wir gemeinsam mit Küchenchefs entwickeln, müssen ebenfalls hohen Standards genügen und für unsere Kunden einen Mehrwert bieten, etwa beim Equipment in der Küche.

Welche Rolle spielt das Megathema Nachhaltigkeit?
Greubel: Wir setzen uns hohe Ziele. Wir wollen im Jahr 2040 klimaneutral sein und haben Lösungen entwickelt, um beispielsweise den Verpackungsmüll oder die Lebensmittelverschwendung deutlich zu reduzieren.

„Kreativität öffnet das Herz und macht Mut.“

Wie wird METRO in fünf Jahren aussehen?
Greubel: Wir wollen investieren, wachsen und das Geschäft weiter professionalisieren. Unsere Kunden brauchen Freiraum, um sich um ihre Gäste und ihre Küche zu kümmern. Dafür möchten wir ihnen ihr Leben mit unseren Angeboten erleichtern – von speziell zugeschnittenen Finanzierungen über Versicherungsleistungen bis hin zur Belieferung und Digitalisierung. Wir möchten der Rundum-Sorglos-Anbieter für unsere Kunden werden.

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Nicht zuletzt, weil die Qualität der Produkte stimmt: „Auf unsere Waren muss Verlass sein.“

www.metro.com

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Zur Person: Nach seiner Promotion an der Uni Magdeburg („Analyse der Unternehmensumwelt im Dienstleistungssektor“) wurde Steffen Greubel, 48, Partner beim Unternehmensberater McKinsey & Company. 2014 wechselte der Deutsche zum Werkzeughersteller Würth und verantwortete zuletzt das internationale Kerngeschäft des Konzerns. Seit 1. Mai ist der begeisterte Hobbysportler und Vater einer Tochter CEO des Handelskonzerns METRO.

Zum Betrieb: Die Geschichte der METRO AG mit Sitz in Düsseldorf (Deutschland) begann 1964 in Mühlheim an der Ruhr mit der Eröffnung eines revolutionären Großhandelsmarktes, in dem gewerbliche Kunden erstmals ihre Waren
unter einem Dach kaufen und mitnehmen konnten. Heute ist der börsennotierte Lebensmittelgroßhändler mit 679 Märkten in 24 Ländern vertreten. In Österreich beschäftigt METRO rund 2100 Vollzeitmitarbeiter und mehr als 100 Lehrlinge in zwölf Großmärken mit insgesamt 140.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das Angebot umfasst etwa 48.000 Artikel.

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