Causa Chefs NextGeneration

Das ist hinter den Kulissen abgelaufen
November 13, 2015

Die Akten-hinter den KulissenFotos: Wolfgang Hummer, Jan Roehl, Shutterstock

Wer zahlt, der schafft an. Wer nicht zahlt, der fliegt. Oder kommt erst gar nicht rein. Diese leicht nachvoll­ziehbare Tatsache kam am 5. Mai 2014 vor der Türe des Berliner Umspannwerkes in voller Tragweite zum Einsatz. Ab 9 Uhr morgens hätte hinter dieser der zweite Tag des Symposiums „CHEFS NextGeneration“ stattfinden sollen. Als eines der Highlights waren Präsentationen von nationalen und internationalen U30-Köchen geplant. Doch anstatt auf den drei Küchenblöcken, die von einem Partner der Veranstaltung für etwa 3000 Euro ange­liefert und aufgebaut wurden, die Mise en place zu machen, wird den Teilnehmern und Protagonisten der Eintritt verweigert.

Um 11 Uhr herrscht noch immer Unklarheit darüber, was gerade vorgeht. Derjenige, der es weiß, tritt vor die Wartenden und kündigt den Abbruch der Veranstaltung wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem Vermieter an, und ist daraufhin nicht mehr erreichbar. Telefon abgedreht, er wird das der Redaktion gegenüber später mit den Worten erklären, dass er mit der „Situation überfordert“ gewesen war. Die Polizei rückt an, die Köche wollen ihr Equipment zurück. Diese erreichen eine unproblematische Einigung mit…

Die Akten-hinter den KulissenFotos: Wolfgang Hummer, Jan Roehl, Shutterstock

Wer zahlt, der schafft an. Wer nicht zahlt, der fliegt. Oder kommt erst gar nicht rein. Diese leicht nachvoll­ziehbare Tatsache kam am 5. Mai 2014 vor der Türe des Berliner Umspannwerkes in voller Tragweite zum Einsatz. Ab 9 Uhr morgens hätte hinter dieser der zweite Tag des Symposiums „CHEFS NextGeneration“ stattfinden sollen. Als eines der Highlights waren Präsentationen von nationalen und internationalen U30-Köchen geplant. Doch anstatt auf den drei Küchenblöcken, die von einem Partner der Veranstaltung für etwa 3000 Euro ange­liefert und aufgebaut wurden, die Mise en place zu machen, wird den Teilnehmern und Protagonisten der Eintritt verweigert.

Um 11 Uhr herrscht noch immer Unklarheit darüber, was gerade vorgeht. Derjenige, der es weiß, tritt vor die Wartenden und kündigt den Abbruch der Veranstaltung wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem Vermieter an, und ist daraufhin nicht mehr erreichbar. Telefon abgedreht, er wird das der Redaktion gegenüber später mit den Worten erklären, dass er mit der „Situation überfordert“ gewesen war. Die Polizei rückt an, die Köche wollen ihr Equipment zurück. Diese erreichen eine unproblematische Einigung mit dem geschäftsführenden Gesellschafter des Umspannwerks, Ilja Wolf-Bauwens. In Etappen darf das Eigentum der Köche von ihnen selbst herausgetragen werden. Der Hauptvertreter des veranstaltenden Unternehmens der „CHEFS NextGeneration“, das Online-Foodportal highendFood aus der gleichnamigen Limited mit Sitz in Großbritannien, bleibt verschwunden. So weit die Geschehnisse aus Sicht der Ausgesperrten auf den Vormittag des 5. Mai 2014. Es ist der Tag, an dem Max Vanderveer seine Nerven und Reputation in der Gastronomiebranche verlor.

Es ist ja in der schreibenden Zunft nicht ungewöhnlich, einen Künstlernamen zu verwenden.
Max Vanderveer alias Bernd Hehl

Max Vanderveer, vorstellig als Chef­­redakteur – momentan a. D. – der highendFood Ltd., ist die Schlüsselfigur in dieser mittlerweile zur witzlosen Scharade an Schuldzuweisungen und Anwaltsdrohungen verkommenen Situation. Als ehemaliger Unternehmensberater war er noch unter seinem Klartextnamen Bernd Hehl bekannt, gleichnamig ist er aktuell als Geschäftsführer der hedon GmbH mit Amtsgerichtssitz Düsseldorf im Handelsregister eingetragen. Als für ihn vor Jahren scheinbar eine Interessenkollision mit seiner Nebentätigkeit als Gourmetjournalist aufkam, kreierte Hehl den Künstlernamen Max Vanderveer. Und, für ihn zumindest logisch, nützt diesen, offiziell in seinem Personalausweis einge­tragenen, Namen bei all seinen Tätigkeiten in der Gastronomieszene, weiter.

Wie Max Vanderveer – um auch hier konsequenterweise dabeizu­bleiben – php7OS7cozum Unternehmen highendFood kam, darüber herrscht allerdings Uneinigkeit mit Prof. Dr. Ingo Scheuermann, Professor an der Hochschule Aalen. Der gründete laut Eigenangabe 2008 einen Blog mit dem Namen highendFood – die Schreibweise wird dabei allerdings von Vanderveer mit High-End Food angegeben. Wie konkret die Zusammenarbeit begann, wird von beiden Seiten unterschiedlich dargestellt. Fakt ist, dass der Blog auf den Server der hedon GmbH verlagert wurde und Scheuermann im Jahr 2012 ausgestiegen ist. Oder wurde. Dass Vanderveer Scheuermann in der darauffolgenden Kommunikation allerdings vorwirft, dass er zum Namen highendFood nichts beigetragen hätte, wirkt doch unglaubwürdig. Man vergleiche nochmals: High-End Food vs. highendFOOD. Im Moment liegt die Sache gerade bei den Anwälten.

Vanderveer und seine damaligen Partner von highendFood.org gründeten nach dem Ausstieg Scheuermanns die highendFood Ltd. mit Firmensitz in Birmingham und London. Gefragt nach dem aktuellen Mitarbeiterstab wurde von Sven Mueller, der uns als PR-Verantwortlicher von highendFood nur mit Mailadresse vorgestellt wurde, namentlich nur Peter Finch genannt, der die Funktion des COB innehat. Also Chairman of the Board, Alexanderplatz in Berlinder Vorsitzende des Leitungs- und Kontrollgremiums des Unternehmens. Die genaue Adresse des Firmensitzes wird im Impressum der highendFood-Onlineseite noch mit 36 Old Jewry, London angegeben.

Dieses Gebäude, das Becket House, wird auch von den Prospect Business Centres vertreten, die in ihrem Angebotsportfolio virtuelle Büroräumlichkeiten vergeben. Doch befindet sich das Unternehmen gerade im Umzug zu einer anderen Adresse. Wer genau wie in dieser Limited involviert ist, will Vanderveer erst nach dem Umzug, der im Juli abgehandelt sein sollte, auf seinem Blog und auf der Website veröffentlichen. Warum Vanderveer sich für keine Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Deutschland oder Österreich entschied, wird auf Nachfrage damit erklärt, dass in Großbritannien eine Limited die gängige Rechtsform ist. Das stimmt, lässt aber die Beantwortung der Frage, warum man sich für London als Firmensitz entschieden hat, außen vor.

Fakt ist, dass bei der Gründung einer Limited das Stammkapital lediglich 1,50 Euro – in Worten einsfünfzig – betragen muss. Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist da mit 35.000 Euro Stammkapital erheblich teurer. Einsichten in die Bilanz und die Eigenkapitalwerte zur internen Sichtung wurden nicht ermöglicht. Aus den finanziellen Schwierigkeiten der Privatperson Vanderveer darf man nun aber keinen faktischen Rückschluss auf die monetäre Situation der highend Food Ltd. ziehen, doch wird Vanderveer, in diesem Fall mit Klartextname Bernd Hehl, bei der Bonitätsprüfung durch die deutsche Creditreform als „Person […] bekannt. Harte Negativmerkmale“ gekennzeichnet.

Ohne Geld keine Musiphp3vyBGk
Das ist ein Abriss des Unternehmens und der Person, die das Gesicht der „CHEFS NextGeneration“ ist. Warum konnte es nun zu dem Eklat beim Event kommen? Weil eben das Prinzip gilt: No money, no honey. Wer die Miete nicht zahlt, der ist auch nicht berechtigt, eine Location zu nutzen. Was auch erklärt, warum der Vermieter bereits am ersten Tag der Veranstaltung, Sonntag, den 4. Mai 2014, – der mit zwei Stunden Verspätung eröffnet wurde – wenig Motivation hatte, die in allen zehn (!) Angeboten verankerte Endzeit 20 Uhr, auszudehnen. Ein Problem für den Veranstalter, der über XINGEvents Karten für eine Abendveranstaltung an diesem Tag verkaufte. In dem rechtsgültigen Vertrag vom 13. Februar 2014 wird von beiden Parteien 20 Uhr bestätigt.

Am Folgetag dieser Vertragsunterzeichnung wird eine Anzahlungsrechnung von 30 Prozent der unterzeichneten vereinbarten Gesamtsumme, die bei Buchung fällig ist, vom Umspannwerk Kreuzberg an die Londoner Adresse im Becket House versendet. Diese kehrt mit dem Vermerk „Not here. Return to sender“ zurück. Auf Anfrage räumt highendFood Zustellprobleme ein, die sich durch den Umzug ergeben haben – und dass eine Anzahlung auf die erste Rechnung geleistet wurde. Dafür liegen aber keine Unterlagen vor. Auch nicht dem Vermieter.

Es werden weitere Angebote mit angepassten Daten, wie neuer Technik, zwischen den Vertragspartnern ausgehandelt, jedoch nicht unterzeichnet. Am 24. April folgt eine zweite Abschlagsrechnung, also die Einforderung einer Teilsumme unter dem Vorbehalt der endgültigen Abrechnung, über 80 Prozent des Gesamtbetrages. Denn diese muss bis zum Veranstaltungstag überwiesen werden.

Stand der Dinge für den Vermieter am 4. Mai 2014: kein Zahlungseingang auf das Konto. Eine Barzahlung von 2500 Euro von Vanderveer am Sonntagabend wird von Ilja Wolf-Bauwens bestätigt – der Anwalt von highendFood Ltd. rät selbiger sich darüber auszuschweigen. Zudem wird ein weiterer Vertrag aufgesetzt, mit einer nach oben redigierten Summe und dem Unterschied, dass dieser nun von Bernd Hehl gezeichnet wird, der sich nun auch verpflichtet gesamtschuldnerisch zu haften. In einfachen Worten: Nicht mehr nur die highendFood Ltd., sondern die Privatperson Bernd Hehl muss bis zur vollen Erfüllung der ausstehenden Zahlung haften. Was, wie man aus der Bonitätsprüfung herauslesen kann, eher schwer möglich sein wird.

Am Montag früh kommt es dann zu der eingangs erwähnten Szene. Die Türen des Umspannwerkes Kreuzberg bleiben verschlossen. Obwohl Wolfgang Otto, der Geschäftsführer von Otto Gourmet, am Montag gegen 11 Uhr, noch versucht das Event mit einem „Darlehen“ in der Höhe von 2000 Euro an Max Vanderveer zu retten, wurden sich der Vermieter Ilja Wolf-Bauwens und Max Vanderveer leider nicht mehr einig. Was bei einer Gesamtzahlung von 4500 anstatt 23.438,24 Euro und der mangelnden Bonität von Max Vanderveer und highendFood jedoch mehr als verständlich ist. Und in einer Strafanzeige gegen Bernd Hehl alias Max Vanderveer endete.

Schuld vs. Schuldzuweisung
Beide Seiten sprechen von hohen Einbußen, die Anwälte sind nun an der Reihe Schuldzuweisungen von echter Schuld zu trennen. Nach den desaströsen Vorkommnissen, dem für viele unverständ­lichen Verhalten und für sie unhaltbaren Versprechungen und Versehen – wie bei Bos Food, der im letzten Jahr Partner war und heuer auch angeführt wurde – von Vanderveer, sind es im Fall von highendFood die Deals mit Großkunden, die nun reihenweise platzen und ein Loch in die Kasse reißen. Auch offene Rückstände von Ticketinhabern, für alle drei Eventtage kostete das Ticket 179 Euro, müssen noch beglichen werden. Die Liste derer, denen ein Schaden aus dem Event „CHEFS NextGeneration“ entstanden ist, ist lang. Viele Nebenschauplätze, neben den bereits bekannten und hier nicht aufgezählten, werden vermutlich in den kommenden Wochen publik werden.

Doch es gibt weitere Leidtragende in dieser Causa: die ambitionierten und motivierten U30-Köche, denen dieses Event als Plattform hätte dienen sollen. Für deren aufgewendete Zeit und Energie werden sie keine Rechnung stellen. Weil diese zum einen nicht einbringlich sein wird und weil sie mit highendFood abgeschlossen haben. Oder wie Benjamin März, Küchenchef und Geschäftsführer des Hotels & Restaurants Rose in Bietigheim-Bissingen und einer der Teilnehmer, es formuliert: „Das Projekt einer gemeinsamen Interessenfindung ist mit diesen Erlebnissen nicht gestorben, sondern wird als eigenständige und interne Veranstaltung weiterleben […] und dazu sollte unsere Energie und unsere Motivation genutzt werden.“

Fazit:
Wenn eine Idee auf Sand gebaut ist, kann ein zu Recht verärgerter Wolf(-Bauwens) ein potemkinsches Dorf ganz schnell wegblasen. Die Marke highendFood ist tot.

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