Starkoch Gaggan Anand zieht Reißleine: Schluss mit Handys im Restaurant!
Food-Influencer müssen sich ihren Content ab jetzt wo anders suchen. Im Restaurant Gaggan in Bangkok, das 2025 den Spitzenplatz der „Asia’s 50 Best Restaurants“ erklommen hat, gibt es nichts mehr zu holen.
Die Ankündigung des indischen Koch-Rebells, keine Kameras und Handys mehr zu dulden, scheint den Nerv der Zeit zu treffen: Während Präsenz in den Sozialen Medien für Restaurants immer überlebenswichtiger wird, entflammt ein Diskurs über die Frage, warum Gäste sich den Besuch eines Fine-Dining-Restaurants überhaupt gönnen – um das Erlebnis in vollen Zügen zu genießen, oder doch nur, um ein paar Likes auf Instagram zu ergattern?

Food-Influencer müssen sich ihren Content ab jetzt wo anders suchen. Im Restaurant Gaggan in Bangkok, das 2025 den Spitzenplatz der „Asia’s 50 Best Restaurants“ erklommen hat, gibt es nichts mehr zu holen.
Die Ankündigung des indischen Koch-Rebells, keine Kameras und Handys mehr zu dulden, scheint den Nerv der Zeit zu treffen: Während Präsenz in den Sozialen Medien für Restaurants immer überlebenswichtiger wird, entflammt ein Diskurs über die Frage, warum Gäste sich den Besuch eines Fine-Dining-Restaurants überhaupt gönnen – um das Erlebnis in vollen Zügen zu genießen, oder doch nur, um ein paar Likes auf Instagram zu ergattern?

„Wir haben die Romantik verloren!“
Viele werden sagen, das eine schließt das andere nicht zwingend aus. Anand sieht das anders: „Wir haben die Romantik verloren, die es ausmacht, in einem Restaurant zu sein“, schreibt er in einem Instagram-Post, in dem er über die vergangenen 30 Jahre seiner Karriere reflektiert und zugleich mit mehreren Ankündigungen für das Jahr 2026 aufhorchen lässt. „Wir leben, um zu posten und vergessen, im Moment zu leben.“
Es gehe nicht mehr um den Chefkoch oder um das Restaurant, sondern nur mehr darum, eine Bucket-List abzuarbeiten. Als Musiker und Koch finde er diese Entwicklung schmerzhaft.
Deshalb verbietet er jetzt die Verwendung von Kameras und Smartphones während des Großteils der Menüfolge.
Gaggan erfindet sich neu – und plant Großes für 2026!
Dafür gibt es noch einen zweiten Grund: Er will verhindern, dass Gästen die Überraschung vermiest wird. Ein Dinner im Gaggan ist eben ein Erlebnis, auf das man sich voll und ganz – ohne Ablenkungen und Pausen für Fotoshootings – einlassen sollte. Der Chefkoch selbst führt durch die wie ein Musical – „Cooksical“, wie er sagt – dramaturgisch aufgebaute 180-minütige Experience, gibt zu jedem Gang eine Anekdote zum Besten, spielt Musik ab, die man in einem Fine-Dining-Lokal der biederen Sorte wohl nicht zu hören bekäme. Wer den exzentrischen Küchenrevoluzzer schon einmal auf der Rolling Pin.Convention erlebt hat, wo mehrfach als Speaker begeisterte, kann sich vielleicht ungefähr vorstellen, wie mitreißend seine Koch-Performance sein kann.
Neben einigen weiteren Ankündigungen – darunter die seit mittlerweile zehn Jahren geplante Eröffnung eines Gaggan-Ablegers in Indien – verlautbart Anand außerdem Konzeptänderungen, die im neuen Jahr umgesetzt werden. Das Restaurant soll künftig nur noch 15 Sitzplätze bieten, was das Gästeerlebnis noch persönlicher und exklusiver werden lässt.
In diesen Restaurants gibt es bereits Handy-Verbot
Gaggan Anand ist nicht der erste Spitzenkoch, der dem Smartphone-Wahn den Kampf ansagt. Der berühmte Sushimeister Sukiyabashi Jiro ist bekannt dafür, keine Fotografie in seinem michelinbesternten Sushirestaurant zu dulden. Auch Joakim Almquist, Gründer des avangardistischen Erlebniskonzepts Punk Royale, lässt in seinen Restaurants in Stockholm und London keine Ablenkung durch Smartphones zu.
Manche Lokale gehen sogar so weit, Gästen ihr Handy am Eingang abzunehmen und für die Dauer des Menüs wegzusperren. Nicht alle sind so streng. Aber auch in Restaurants, in denen kein explizites Verbot ausgesprochen ist, gilt es grundsätzlich als schlechtes Benehmen, den Abend im Fine-Dining-Restaurant an den Hosentaschen-Bildschirm gefesselt zu verbringen. Der bekannte Gastronom Vincent Moissonnier erklärt in seinem kürzlich veröffentlichten Buch „Ein Tisch am Fenster“, man solle das Handy zumindest lautlos schalten und bitte nicht am Tisch liegen lassen.
Auf der anderen Seite ist es verständlich, wenn man dem Verlangen nicht widerstehen kann, den Restaurantbesuch – für den man in der Regel immerhin teuer bezahlt hat – als Erinnerung in der Camera Roll zu verewigen. Wie immer geht es hier um den Mittelweg, der gefunden werden will. Ein Schnappschuss oder Selfie im Restaurant, ohne die Privatsphäre der anderen Gäste zu stören, und dann verschwindet das Handy wieder in der Sakkotasche – das geht sich meistens aus. Und selbst Gaggan Anand wird dann sicher nichts dagegen haben.