Ansturm, aber ohne Qualität

Seit 1. Mai können Fachkräfte aus den acht Ost-EU-Ländern in Deutschland und Österreich ohne Hürden arbeiten. Headhunter Christian Schweinzer blickt für ROLLING PIN hinter die Kulissen und zeigt auf, welche Chancen sich für Arbeitgeber bieten.
November 13, 2015

Foto: Andreas Kolarik

>> Aus Welchen Ländern
Deutschland seine Arbeitskräfte bevorzugt
Zu jeweils 27 Prozent bevorzugen die Deutschen Arbeitskräfte aus Polen und Ungarn am stärksten.
In Österreich führen ebenfalls die Ungarn (18 Prozent) vor den Slowenen (17 Prozent).
Quelle: IMAS-Institut Deutschland

Aus Welchen Ländern Deutschland seine Arbeitskräfte bevorzugt

Hunderte Bewerbungen aus den Ostländern waren es, die rund um den Stichtag für die Arbeitsmarkterweiterung, dem 1. Mai, bei der internationalen Recruitingagentur „Blackrock“ eingegangen sind. Einen ähnlichen Ansturm an Bewerbern erleben in diesen Tagen auch Hoteliers und Gastronomen in Deutschland und Österreich. Das Problem: Während qualifiziertes Fachpersonal sowohl im Service als auch in der Küche so stark gesucht ist wie nie zuvor, können die Arbeitskräfte, die nun durch die gefallenen gesetzlichen Regelungen in den deutschsprachigen Markt drängen, nur selten die Ansprüche und Voraussetzungen erfüllen, die Arbeitgeber hier an sie stellen.

Christian Schweinzer, Geschäftsführer der Recruitingagentur „Blackrock“ analysierte in den ersten Tagen der Öffnung die Lebensläufe der neuen Bewerber aus dem Osten. Um perfekt gerüstet und vorbereitet zu sein, hat „Blackrock“ sein Team nicht nur um eine Personalverantwortliche aus der Slowakei verstärkt, sondern bereits vor Monaten Niederlassungen in Bratislava und Budapest eröffnet. Sein Fazit: „Die meisten Bewerbungen, die wir nun hereinbekommen, sind für Positionen wie Zimmermädchen, Abwäscher oder Hausmeister. Also alles Sparten, für die keine gesonderte Ausbildung notwendig ist. Allerdings sind das auch jene Positionen, die…

Foto: Andreas Kolarik

>> Aus Welchen Ländern
Deutschland seine Arbeitskräfte bevorzugt
Zu jeweils 27 Prozent bevorzugen die Deutschen Arbeitskräfte aus Polen und Ungarn am stärksten.
In Österreich führen ebenfalls die Ungarn (18 Prozent) vor den Slowenen (17 Prozent).
Quelle: IMAS-Institut Deutschland

Aus Welchen Ländern Deutschland seine Arbeitskräfte bevorzugt

Hunderte Bewerbungen aus den Ostländern waren es, die rund um den Stichtag für die Arbeitsmarkterweiterung, dem 1. Mai, bei der internationalen Recruitingagentur „Blackrock“ eingegangen sind. Einen ähnlichen Ansturm an Bewerbern erleben in diesen Tagen auch Hoteliers und Gastronomen in Deutschland und Österreich. Das Problem: Während qualifiziertes Fachpersonal sowohl im Service als auch in der Küche so stark gesucht ist wie nie zuvor, können die Arbeitskräfte, die nun durch die gefallenen gesetzlichen Regelungen in den deutschsprachigen Markt drängen, nur selten die Ansprüche und Voraussetzungen erfüllen, die Arbeitgeber hier an sie stellen.

Christian Schweinzer, Geschäftsführer der Recruitingagentur „Blackrock“ analysierte in den ersten Tagen der Öffnung die Lebensläufe der neuen Bewerber aus dem Osten. Um perfekt gerüstet und vorbereitet zu sein, hat „Blackrock“ sein Team nicht nur um eine Personalverantwortliche aus der Slowakei verstärkt, sondern bereits vor Monaten Niederlassungen in Bratislava und Budapest eröffnet. Sein Fazit: „Die meisten Bewerbungen, die wir nun hereinbekommen, sind für Positionen wie Zimmermädchen, Abwäscher oder Hausmeister. Also alles Sparten, für die keine gesonderte Ausbildung notwendig ist. Allerdings sind das auch jene Positionen, die von den Arbeitgebern in Deutschland und Österreich derzeit nur vereinzelt gesucht werden.“

Aus der Vielzahl an Ost-Bewerbern filtern wir die Qualifizierten aus.
Christian Schweinzer, Recruitingagentur „Blackrock“

Denn: Die gut ausgebildeten Arbeitskräfte wurden bereits in den vergangenen Jahren angeheuert. Wie Zahlen des österreichischen Arbeitsmarktservice zeigen, vergab die Alpenrepublik schon vor der Öffnung 7000 Bewilligungen für Arbeitsuchende aus den acht osteuropäischen EU-Staaten, davon gut die Hälfte an Ungarn – und davon etwa die Hälfte für Köche. Für Saisonarbeiter nämlich war unter Auflagen das Arbeiten in Österreich wie auch in Deutschland bereits seit einigen Jahren möglich.

Nur wenige wollendauerhaft bleiben
István Gyenesei leitet Ungarns einziges „Relais & Châteaux“-Hotel.

Vor allem aus diesem Grund gehen Wirtschaftsexperten davon aus, dass sich für die Gastronomie und Hotellerie keine wesentlichen Verbesserungen für die Suche von Fachkräften ergeben werden. Der Andrang sei zwar da, aber tatsächlich Arbeit finden wird nur ein geringer Prozentsatz. In Österreich geht man branchenübergreifend von 15.000 bis 25.000 Menschen aus, die ins Land kommen werden. In Deutschland sind die Schätzungen ebenso vage – man spricht von 50.000 bis 100.000 neuen Arbeitskräften.

Im Vergleich zu den 50.000, die heute schon jedes Jahr aus Osteuropa nach Deutschland trotz Beschränkung der Freizügigkeit einreisen, ist das wahrlich kein Massenansturm. Die gut ausgebildeten Kräfte, die es selbstverständlich auch im Osten gibt, haben nämlich weder Deutschland noch Österreich als Arbeitsland Nummer eins auf ihrem Radar. „In Großbritannien und in Irland hat man diese Mitarbeiter bereits in den vergangenen Jahren mit offenen Armen aufgenommen. Diese Länder profitieren nun, während sich der Facharbeitermangel bei uns zuspitzt“, kritisieren die Wirtschaftsexperten.

Auch Schweinzer sagt, dass „man das Potenzial, das in den Ostarbeitskräften steckt, nicht unterschätzen darf. Denn während bei der Mehrzahl der Hotels und Restaurants häufig Blindbewerbungen ohne Qualität eintreffen, können wir als Recruitingagentur aus der Menge an Bewerbungen die wirklich qualifizierten und talentieren Kräfte herausfiltern. Für die Arbeitgeber ein unverzichtbarer Vorteil.“

Vor allem die grenznahen Gebiete werden von den offenen Arbeitsgrenzen profitieren, da auch hier die Sprachbarriere nicht so hoch ist, wie im Inneren des Landes. Schweinzer rät, bei Bewerbungen strukturiert vorzugehen: „Wenn das Anschreiben fehlerfrei in Deutsch verfasst ist, sollte man jedenfalls den Lebenslauf unter die Lupe nehmen. Vor allem in Ungarn sind in den vergangenen Jahren Hotels und Restaurants entstanden, die höchstes Niveau haben. Hier wächst ein Personal heran, von dem auch deutschsprachige Betriebe profitieren können.“

Nachrangig sei laut Wirtschaftsforschern auch das Thema der Bezahlung: Zwar geben sich die Mitarbeiter aus dem Osten auch mit weniger „zufrieden“, trotzdem gelten für sie dieselben Kollektivlöhne. Und vor allem in der Hotellerie und Gastronomie werden diese derzeit verstärkt kontrolliert.
www.blackrockcareers.com

>> zur
person
István Gyenesei
Direktor „Relais & Châteaux“ Hertelendy

István Gyenesei

Der Ungar leitet mit dem Schloss Hertelendy eines der schönsten und bedeutendsten Anwesen in Ungarn. Studiert und gearbeitet hat er zuvor in Österreich, und zwar im Bankwesen.www.hotel-hertelendy.com

Aufstrebendes Land
Luxusanwesen und mittlerweile zwei Michelin-Stern-Restaurants: Ungarn verfügt inzwischen über gut ausgebildetes Fachpersonal – allerdings nur in den wenigen Spitzenbetrieben.

ROLLING PIN: Herr Gyenesei, was erwarten sich die Fachkräfte aus Ungarns Gastronomie und Hotellerie von der Öffnung des Arbeitsmarktes?
István Gyenesei: Die Menschen sehen es als Chance, in Deutschland oder Österreich an Know-how zu lernen und Geld verdienen zu können. Ich denke, dass nur die wenigsten planen, dauerhaft im Ausland zu arbeiten. Viele haben das Ziel, das verdiente Geld zu sparen, um sich dann in Ungarn selbstständig zu machen.

RP: Wie steht es Ihrer Meinung nach um das fachliche Know-how ungarischer Arbeitskräfte?
Gyenesei: Die Grundausbildungen an den Schulen hinken im Vergleich zu Österreich oder Deutschland deutlich hinterher. Allerdings hat sich das Niveau der besten Häuser Ungarns in den letzten Jahren klar verbessert. Es gibt viele gute Leute auf dem Markt.

RP: Wie erkennt man als Arbeitgeber diese Menschen?
Gyenesei: Man sollte im Lebenslauf auf die Stationen achten. In Budapest gibt es inzwischen zwei Michelin-Sterne-Restaurants, wir führen hier mit dem Schloss Hertelendy das einzige „Relais & Châteaux“-Hotel des Landes. Es gibt also viele gute Adressen mit guten Leuten.

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