Herr Ober und Frau Obers

Wie man eine Service­dame ansprechen soll & wie man sie zum Lächeln bringt. Quälende Fragen werden endlich beantwortet.
November 13, 2015

eine Figur, halb Mann, halb Frau mit einem Tablett in der Hand Wirklich sehr lobenswert, die ­Genderpolitik. Mit einem Schlag wird die Welt mit 50 Prozent mehr Menschen/-innen bereichert. Eine dramatisch wichtige Frage kostet allerdings Res­taurantgäste ihren wertvollen Schlaf. Wie sollen sie die Servicedame überhaupt ansprechen? Aus dem österreichischen „Herr Ober“ wird dann „Frau Oberin“, was wiederum eine Streikwelle der „Schwes­ter Oberinnen“ zur brutalen Wirklichkeit werden ließe. Eine für den ganzen deutschen Sprachraum mögliche Variante wäre „Frau Obers“. Schwere Zeiten für die Servicekräfte, die sich da zusammenbrauen. Neuerdings werden die verschärften ­Sicherheitskontrollen auf Flughäfen auch rigoros auf Restaurants ausgedehnt. Eine Lächelerkennungskontrolle wird Standard, auch das Mitführen von Alginat, Iota und vor allem flüssigem Stickstoff wird verboten, da ein Einfrieren des Lächelns befürchtet werden müsste. Zuwiderhandeln wird mit einer Nachschulung bei Seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama, geahndet. Ein zweistündiges Intensivlächelseminar wird gemäß den Tarifen der Gewerkschaft der Experten für eh alles berechnet, schlägt also bloß mit 123.000 Euro (exkl. MwSt.) zu Buche. 99 % davon kommen den Hinterbliebenen der Köche zugute, die nach schlechter Bewertung durch den Guide Michelin Harakiri mit dem Fischfiletiermesser begangen haben. Als Alternative bietet sich auch die Umsetzung brandneuer Mitarbeitermotivationsprogramme an. Eine Woche lang permanentes Straflächeln, der „Magic Smile“ – der wird wirklich praktiziert – ist derzeit heißes Diskussionsthema. Sehr hilfreich sind hier EU-Normen, die den Anhebegrad von Mundwinkeln bestimmen. Experten warnen allerdings vor…

eine Illustration von halb Mann und halb Frau mit einem Tablett in der Hand Wirklich sehr lobenswert, die ­Genderpolitik. Mit einem Schlag wird die Welt mit 50 Prozent mehr Menschen/-innen bereichert. Eine dramatisch wichtige Frage kostet allerdings Res­taurantgäste ihren wertvollen Schlaf. Wie sollen sie die Servicedame überhaupt ansprechen? Aus dem österreichischen „Herr Ober“ wird dann „Frau Oberin“, was wiederum eine Streikwelle der „Schwes­ter Oberinnen“ zur brutalen Wirklichkeit werden ließe. Eine für den ganzen deutschen Sprachraum mögliche Variante wäre „Frau Obers“. Schwere Zeiten für die Servicekräfte, die sich da zusammenbrauen. Neuerdings werden die verschärften ­Sicherheitskontrollen auf Flughäfen auch rigoros auf Restaurants ausgedehnt. Eine Lächelerkennungskontrolle wird Standard, auch das Mitführen von Alginat, Iota und vor allem flüssigem Stickstoff wird verboten, da ein Einfrieren des Lächelns befürchtet werden müsste. Zuwiderhandeln wird mit einer Nachschulung bei Seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama, geahndet. Ein zweistündiges Intensivlächelseminar wird gemäß den Tarifen der Gewerkschaft der Experten für eh alles berechnet, schlägt also bloß mit 123.000 Euro (exkl. MwSt.) zu Buche. 99 % davon kommen den Hinterbliebenen der Köche zugute, die nach schlechter Bewertung durch den Guide Michelin Harakiri mit dem Fischfiletiermesser begangen haben. Als Alternative bietet sich auch die Umsetzung brandneuer Mitarbeitermotivationsprogramme an. Eine Woche lang permanentes Straflächeln, der „Magic Smile“ – der wird wirklich praktiziert – ist derzeit heißes Diskussionsthema. Sehr hilfreich sind hier EU-Normen, die den Anhebegrad von Mundwinkeln bestimmen. Experten warnen allerdings vor dieser bösartigen Entwicklung, vor allem die Speicherung wichtiger biometrischer Daten wie Balancefähigkeit, Antistolperquotient oder die Anfälligkeit für undefiniert fliegende Teller werden als blanker Populismus gesehen.

Alles ist im Wandel – das Klima, Sterne, Hauben, Britney Spears etc. – natürlich schreckt die Entwicklung auch vor den Arbeitszeiten im Serviceberuf nicht zurück. Untätiges Herumlungern soll genauso wie das Herumgammeln von Fleisch Eingang in das Strafgesetzbuch finden. Die Qualität der Produkte soll auch in anderen Bereichen sehr ernst genommen werden. Als Gedeck wird nur noch Butter aus rechtsgedrehter Rohmilch serviert und Brot aus Weizen, der bei Vollmond geerntet wurde. Unaufhaltbare Teuerungen in der Topgastronomie aufgrund des mörderischen Materialaufwands werden nahtlos an die Kunden weitergegeben.
Um dem Ökogedanken neue Nahrung zu geben, müssen die Servicekräfte auch ihr Gehverhalten dem Klimawandel anpassen. Neueste Studien decken auf: Servicekräfte wirbeln durch zu schnelles Gehen Feinstaub auf, daher werden vor allem in Großstädten Geschwindigkeitsreduktionen um 0,65 km/h angeordnet. Der ­Effekt soll verheerend erfolgreich sein – eine Senkung der Feinstaubwerte um 0,00001 % wird prognostiziert. Verantwortungsvolle Arbeitgeber reagieren auch auf die gesteigerten Arbeitsanforderungen. Um die Bewältigung von 15 Arbeitsstunden in 12-Stunden-Schichten und das damit erforderliche Stehvermögen der Servicekräfte zu garantieren, dürfen sich diese nur noch veganisch mit den Resten von zurückgegangenen Tellern ernähren. Die Fitness wird während der Servicezeiten gleich mittrainiert. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Damen und Herren mit Nordic-Walking-Stöcken an den Händen servieren. Neuerdings werden auch Powernappings eingeführt, das kann zu Verzögerungen von ca. zwei Stunden führen. Die Servicekräfte eifern damit ihren großen Vorbildern, den verdienenden, Pardon, verdienten, Managern von Großkonzernen wie Post, Bahn und Straßenbau nach. Winterschlaf wird vorerst noch nicht eingeführt.

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