No Show – Strafen für Reservierungsabsagen

Riesenumsatzverlust durch leer gebliebene reservierte Plätze. In den USA werden den Gästen saftige Strafgebühren abgebucht, bei uns hat das Restaurant einfach Pech.
November 13, 2015

ein modernes Restaurant mit futuristischer Einrichtung, alles in weiss-violetten Farben gehalten Der Sechsertisch in vorderster Front ist frei geblieben, wieder einmal sind Gäste trotz Reservierung nicht aufgetaucht – weil sie zu faul waren abzusagen oder weil sie in mehreren Restaurants gleichzeitig reserviert hatten und sich spontan für ein anderes entschlossen haben. Gerade für kleine Lokale mit beispielsweise acht bis zehn Tischen ist es besonders schmerzhaft, wenn ein oder zwei Tische leer bleiben. Hier liegt der entgangene Umsatz immerhin bei rund € 600,–.

Was in den USA schon längst Usus ist, wird langsam, aber sicher auch in europäischen Gourmettempeln eingeführt: Storno- und Strafgebühren für Gäste, die nicht (oder nicht vollständig) gekommen sind. Denn jede Reservierung muss via Kreditkarte erfolgen. Wenn man zum Beispiel im New Yorker 3-Sterne-Lokal Jean Georges nicht 48 Stunden vorher den Tisch storniert, werden pro Person $ 25,– (ca. € 17,50) verrechnet. Das ist aber unterste Grenze – in anderen New Yorker Spitzenrestaurants werden zwischen $ 100,– (ca. € 70,–) und $ 150,– (ca. € 105,–) für eine No-Show abgebucht. Im Luxustempel Masa z. B. gibt es auch Strafgebühren, wenn weniger Personen als angegeben erscheinen: Kommen nur vier statt sechs Gäste, werden automatisch $ 300,– (ca. € 210,–) verrechnet. Außerdem ist es in den USA üblich, den Gast ein, zwei Tage vorher die Reservierung noch einmal bestätigen zu lassen.

Auch europäische Spitzenhäuser, die mit diesem Problem zu kämpfen haben, setzen immer mehr auf Strafgebühren. In London muss der nicht erschienene Gast bis zu 30 Pfund (ca. € 43,–) hinblättern, wenn er Glück hat, kommt er mit 10 Pfund (ca. € 14,–) davon. Starkoch Heston Blumenthal hat in seinem Fat Duck in Bray einen Kodex für Stornierungen eingeführt, Gruppen von mehr als 6 Personen werden gar nicht angenommen. Absagen für Fünfer- oder Sechsertische müssen fünf Werktage vorher erfolgen, sonst wird es richtig teuer: 100 Pfund (ca. € 144,–) Gebühr pro Nase, kleinere Gruppen zahlen immerhin noch 80 Pfund (ca. € 115,–).

Auch in Belgien wird für No-Shows schon zur Kassa gebeten, hier gibt es auch so etwas wie eine „Black List“ für Gäste, die im Reservieren-und-nicht-Kommen eine neue Lieblingssportart gefunden haben.
Diese schwarzen Schafe werden dann unter den Gastronomen weitergegeben, um sich gegenseitig zu warnen.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Gäste von derartigen Maßnahmen noch verschont. Nur beim Reservierungsportal bookatable.de heißt es etwa, dass Gastwirten, die andere Anfragen für einen (frei gebliebenen) Tisch absagen haben müssen, € 20,– zustehen. Bis es jedoch keine einheitliche (und vielleicht sogar gesetzliche?) Lösung gibt, wird es immer wieder „Show“-reife Gäste geben. Und die Gastronomen haben einfach Pech …

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