Zu zweit im Karrieren-Olymp

Mit dem Partner Karriere machen – funktioniert das? Wir haben nachgeforscht, wie die Chancen stehen und welche Vorteile ein gemeinsamer Arbeitsplatz bringt.
November 13, 2015

Fotos: Werner Krug, Andreas Kolarik, Intercontinental Hamburg, Thomas Ruhl/Ruhl Studios/Port Culinaire, beigestellt

Ein Tag hat sechs Stunden und 34 Minuten. Laut der OECD-Studie „Gesellschaft auf einen Blick 2009“ verfügt der durchschnittliche Deutsche über sechseinhalb Stunden Freizeit pro Tag. Damit steht er weltweit gleich nach Belgien an der Spitze und hat mehr Freizeit als alle anderen. Zeit, die er mit seinem Partner verbringen kann. Blöd nur, wenn die Arbeitszeiten unterschiedlicher nicht sein können.

Dieses Problem kennt auch Barbara Breitfuß, Restaurantleiterin im „Relais & Châteaux Restaurant Mörwald Kloster Und: „Gerade in der Gastronomie ist es sehr schwer, einen Partner zu finden, der die Arbeitsbedingungen von einem selbst akzeptiert.“

So erleichtert es die Sache, wenn beide in derselben Branche arbeiten und dann auch im selben Betrieb unterkommen. Dass das nicht immer einfach ist, ist klar. Ist es ja schon schwer genug für einen alleine eine gute Stelle zu finden. Roland Huber, Küchenchef im „Relais & Châteaux Restaurant Mörwald Kloster Und“ sowie Breitfuß’ Freund, ist sich dieser Thematik bewusst: „Als Paar muss man viel flexibler sein.“ Will gemeinsam in einem Betrieb gearbeitet werden, müssen die Partner…

Fotos: Werner Krug, Andreas Kolarik, Intercontinental Hamburg, Thomas Ruhl/Ruhl Studios/Port Culinaire, beigestellt

Ein Tag hat sechs Stunden und 34 Minuten. Laut der OECD-Studie „Gesellschaft auf einen Blick 2009“ verfügt der durchschnittliche Deutsche über sechseinhalb Stunden Freizeit pro Tag. Damit steht er weltweit gleich nach Belgien an der Spitze und hat mehr Freizeit als alle anderen. Zeit, die er mit seinem Partner verbringen kann. Blöd nur, wenn die Arbeitszeiten unterschiedlicher nicht sein können.

Dieses Problem kennt auch Barbara Breitfuß, Restaurantleiterin im „Relais & Châteaux Restaurant Mörwald Kloster Und: „Gerade in der Gastronomie ist es sehr schwer, einen Partner zu finden, der die Arbeitsbedingungen von einem selbst akzeptiert.“

So erleichtert es die Sache, wenn beide in derselben Branche arbeiten und dann auch im selben Betrieb unterkommen. Dass das nicht immer einfach ist, ist klar. Ist es ja schon schwer genug für einen alleine eine gute Stelle zu finden. Roland Huber, Küchenchef im „Relais & Châteaux Restaurant Mörwald Kloster Und“ sowie Breitfuß’ Freund, ist sich dieser Thematik bewusst: „Als Paar muss man viel flexibler sein.“ Will gemeinsam in einem Betrieb gearbeitet werden, müssen die Partner bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Büroromanzen

Zuerst muss herausgefunden werden, ob Betriebe gerne Paare einstellen oder nicht. Gerade auf dem Land oder in abgelegenen Gegenden ist es gemeinsam leichter. Auch Neueröffnungen bieten gute Chancen für ein Pärchen.

Roland Huber und Barbara BreitfussSo einfach wie allein ist es nicht, sich irgendwo neu zu bewerben. Als Pärchen muss man viel flexibler sein.

Sie sehen sich 24 Stunden am Tag und haben noch nicht die Nase voll: Roland Huber und seine Freundin Barbara Breitfuß – er Küchenchef, sie Restaurantleiterin. Beide arbeiten im „Relais & Châteaux Restaurant Mörwald Kloster Und”. Sie haben sich gemeinsam beworben und wurden beide genommen. Das ist aber nicht der erste Betrieb, in dem die zwei zusammen tätig sind. Vor ungefähr viereinhalb Jahren lernten sie sich im „Steirereck” in Wien kennen und sind seitdem ein unzertrennliches Paar. „Wir haben gemeinsam schon vier Betriebe durch“, so Huber.

Relais & Châteaux Restaurant
Mörwald Kloster Und

Undstraße 6, A-3500 Krems
Tel.: +43 (0) 27 32/704 93
www.hotelschlossvelden.com

Für Christian Bau, den 3-Sterne-Koch des „Victor‘s Gourmet-Restaurant Schloss Berg“ in Perl-Nennig ist es sehr wichtig, dass Pärchen gemeinsam im selben Betrieb arbeiten. „Wir liegen 25 Autominuten von der nächsten Stadt entfernt, wenn ich ein junges Mädchen ohne Freund hier hätte, wäre sie vermutlich unglücklich und würde auf kurz oder lang keine perfekte Leistung mehr bringen können und unseren Betrieb wieder verlassen“, erklärt Bau. Er hatte gemeinsam mit seiner Frau im jetzigen Betrieb zu Spitzenzeiten sieben Paare von den insgesamt 22 Mitarbeitern.

„Am besten ist es, wenn direkt beide Bewerbungen in einem Umschlag oder einer Mail losgeschickt werden. Nach dem Motto: Wir sind ein Pärchen und wollen uns gemeinsam bewerben“, sagt Bau, der auf beiden Seiten Erfahrungen gesammelt hat. Auf der einen Seite als Bewerber und auf der anderen als Vorgesetzter, der Paare aufnimmt. Das Paar zeigt so dem zukünftigen Chef, dass sie dazu bereit sind, ihren Lebensmittelpunkt gemeinsam zu verlagern, und auch vorhaben, länger zu bleiben.

Nicht immer gelingt es auf Anhieb, im selben Unternehmen unterzukommen. Manchmal hat ein Partner Glück und bekommt eine Top-Stelle, die er nicht abschlagen kann. In diesem Fall hilft es, wenn er sich zunächst umhört, ob eine passende Stelle für seinen Freund oder seine Freundin frei wird. Gerade für die Bereiche Service, Küche und Rezeption werden oft weitere Mitarbeiter gesucht. Ergibt sich etwas, sollte man sich für seinen Lebensgefährten am neuen Arbeitsplatz starkmachen, seine Vorzüge betonen und ihn oder sie dem Vorgesetzten bei Gelegenheit vorstellen. Damit ebnet man den Weg für eine offizielle Bewerbung mit guten Chancen.

Manuela Mayer und Richard NusselNeueröffnungen sind immer gut, um gemeinsam Karriere zu machen. Diese Chance gibt es öfter, als man denkt.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, erinnert sich Manuela Mayer an ihr erstes Aufeinandertreffen mit Freund Richard Nussel im „Grand Hotel Residencia“ auf Gran Canaria. Nun ist Mayer Sales & Marketing Managerin des Hotels „Relais & Châteaux – Hertelendy Kastely“ und ihr Freund Nussel Küchenchef im Restaurant „Albizza” im selben Hotel. Für sie ging damit ein Traum in Erfüllung.

Relais & Châteaux – Hertelendy Kastely
H-7541 Kutas-Kozmapuszta
Tel.: +36 82/56 84 00
www.hotel-hertelendy.hu

Vorsicht jedoch bei Jobs im selben Bereich. Nicht nur für das Paar selbst ist es sehr schwer, 24 Stunden am Tag so eng miteinander klarzukommen. Auch die Führungsebene sieht das nicht gerne. Besteht doch die Gefahr, dass sich das Pärchen trennt und einer der beiden kündigt. Chefs sind hier vorsichtiger und nehmen lieber Mitarbeiter auf, die in zwei unterschiedlichen Bereichen arbeiten.

Beziehungsfeindliches Amerika
In manchen Betrieben wird es überhaupt nicht gerne gesehen, dass sich Paare gemeinsam bewerben. Und doch dürfen Beziehungen am Arbeitsplatz in Deutschland und Österreich vom Arbeitgeber nicht verboten werden. Ganz anders in Amerika, hier unterliegt die Liebe am Arbeitsplatz meist erheblichen Einschränkungen. So enthalten beispielsweise viele Arbeitsverträge die „Codes of Conduct“. Das sind Ethikkataloge, die den privaten Kontakt zwischen Kollegen einschränken oder ganz verbieten. Darum ist es hier geradezu unmöglich, als Paar gemeinsam im selben Unternehmen anzufangen.

Christian Bau und Yildiz BauIch rate Pärchen, sich mit offenen Karten gemeinsam zu bewerben: zwei Be-werbungen, ein Umschlag!

„Zu Spitzenzeiten hatten wir von unseren 22 Mitarbeitern sieben Pärchen“, erzählt 3-Sterne-Koch Christian Bau. Das Hotel, in dem die Liebesgeschichte von ihm und seiner Frau Yildiz Bau begann, gibt es nicht mehr. Heute arbeiten sie gemeinsam als Küchenchef und Restaurantleiterin im „Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg”.

Victor‘s Gourmet-Restaurant Schloss Berg
Schloßstraße 27–29
D-66706 Perl-Nennig/Mosel
Tel.: +49 (0) 68 66/79-118
www.schlossberg-nennig.de

Markus Glocker, Executive-Chef des Restaurants „Maze by Gordon Ramsay“ in New York weiß warum: „Wird beispielsweise die Freundin eines Mitarbeiters von ihm wissentlich oder unabsichtlich bevorzugt, kann das schnell zu einer Kündigung führen, dann muss sich der Chef wieder jemand anderen suchen.“ Das Problem sind die strengen Regeln der Gewerkschaft. Bekommt ein Mitarbeiter Überstunden und somit mehr Geld aufgrund eines persönlichen Vorteils, den die anderen nicht haben, so kann das Unternehmen dazu aufgefordert werden, dem anderen eine Schadensersatzzahlung zu leisten. Das wollen die Direktoren vermeiden.

Markus Glocker und Marion HolbeIn Amerika ist das Zusammenarbeiten von Paaren in einer Abteilung nicht gerne gesehen.

Markus Glocker und seine Freundin Marion Holbe waren in einigen Städten zusammen, aber getrennt: London, Wien und jetzt New York. „Vor allem in Amerika ist gemeinsames Bewerben problematisch“, sagt Glocker. Also ist er Executive-Chef des Restaurants „Maze by Gordon Ramsay“ und sie Regional Director of Sales, East Coast der „K-Hotels“.

Maze by Gordon Ramsay
151 West 54th Street
10019 New York
Tel.: +1 212/468 88 89
www.gordonramsay.com
www.k-hotels.com

„Bei Verheirateten sieht das wieder anders aus. Hier ist die rechtliche Lage nicht so strickt“, erzählt Glocker. Aber auch hier ist das Zusammenarbeiten nicht gerne gesehen. Für ihn und seine Freundin ist das kein Problem. „Uns ist es lieber, nicht zusammenzuarbeiten. Das muss aber jeder für sich entscheiden“, so Glocker.

Gesa RohwedderZur Person

Gesa Rohwedder
Hoteldirektorin Intercontinental Hotel Hamburg
Die gebürtige Rendsburgerin blickt auf eine steile Karriere zurück: Es begann an der Rezeption und ging bis zur stellvertretenden Leiterin, bis sie nun selbst Hoteldirektorin wurde.
www.intercontinental.com

Ausnahme: Insel
Nicht alle Chefs sind davon begeistert, wenn sich ein Pärchen bewirbt. Hoteldirektorin Gesa Rohwedder vom Intercontinental in Hamburg erklärt die Problematik aus der Sicht des Arbeitgebers.

ROLLING PIN: Sind Sie dafür, dass sich Paare gemeinsam bewerben?
Gesa Rohwedder: Ich persönlich fände es nicht gut, mit meinem Partner gemeinsam im selben Betrieb zu arbeiten. Die wenigsten Paare können Berufliches und Privates wirklich absolut voneinander trennen und das stört dann das gesamte Betriebsklima.

RP: Sie befürworten gemeinsame Karriere also nicht?
Rohwedder: Ich denke, gerade die ersten Karriereschritte sollte jeder für sich machen. Sie sind so unabhängiger. Es ist leichter, ein Top-Angebot anzunehmen, wenn man nicht Rücksicht darauf nehmen muss ob der Partner im selben Betrieb auch etwas bekommt.

RP: Und später dann?
Rohwedder: Da gibt es Ausnahmen. Beispielsweise wie Ferienhotels in abgelegenen Destinationen oder ländlichen Gegenden, wo es durchaus Sinn macht, sich gemeinsam zu bewerben. Es signalisiert dem Arbeitgeber, dass sie dazu bereit sind, eine längere Zeit zu bleiben. Aber auch hier ist es besser, nicht im selben Bereich zu arbeiten. Die perfekte Kombination ist für mich Koch und Restaurantleiterin.

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