Jean-Luc Naret – „Österreich mangelt es an zahlenden Gourmets“

Gourmetwüste Österreich - Jean-Luc Naret braucht umsatzstarke Märkte. Daher ist das Thema Guide Michelin Österreich vom Tisch. Und so lange die Österreicher sich nicht öfter an diesen in einem Restaurant setzen, wird sich die Meinung von Naret nicht ändern.
November 13, 2015

Foto: Michelin
Jean-Luc Naret

Jean-Luc Naret
Direktor von Guide Michelin

Jean-Luc Naret ist der sechste Direktor des Guide Michelin und der erste, der von außerhalb rekrutiert wurde. Unter seiner Führung wurde„Sandy Lane“ in Barbados zum „World’s best Resort“ und bevor er vom französischen Unternehmen im Jahr 2003 abgeworben wurde, war er Head of Operations einer Hotelgruppe von Aga Khan. 2004 übernahm er von Derek Brown die offizielle Leitung des Guide Michein. Heute arbeiten unter seinen Direktiven etwa 500 Personen, davon weltweit 90 Inspektoren – 70 in Europa und je 10 in Amerika und Asien. 2010 decken 25 Guides 23 Länder ab, wobei Frankreich mit 380.000 verkauften Exemplaren klar der stärkste Markt ist. Insgesamt wurden im letzten Jahr 1,2 Millionen Guides in der ganzen Welt verkauft.

ROLLING PIN: In den Regalen hinter Ihnen stapeln sich die Guides 2010 aller Länder – nur der von Österreich fehlt. Können wir auf eine Neuauflage 2011 hoffen?
Jean-Luc Naret: Um ehrlich zu sein: Nein. Ich war zwar von der Resonanz der Petition* überwältigt und es war ein starkes Statement für uns. Aber unter meiner Führung wird es keinen Guide für Österreich mehr geben. Meine Entscheidung darüber, in welchen Ländern wir erscheinen, basiert auf vier Kriterien und diese werden von Österreich leider nicht erfüllt.

RP: Welche Kriterien meinen Sie?
Naret: Für uns stellt sich als Erstes die Frage, wie viele Restaurants es in der Stadt oder im Land gibt. Zweitens überprüfen wir die Anzahl der potenziellen Sternerestaurants und drittens erstellen wir eine Statistik, wie oft die Restaurants im Schnitt besucht werden. Vor allem auf diesem Punkt liegt unser Fokus…iedereinführung des Guides.

Foto: Michelin
Jean-Luc Naret

Jean-Luc Naret
Direktor von Guide Michelin

Jean-Luc Naret ist der sechste Direktor des Guide Michelin und der erste, der von außerhalb rekrutiert wurde. Unter seiner Führung wurde„Sandy Lane“ in Barbados zum „World’s best Resort“ und bevor er vom französischen Unternehmen im Jahr 2003 abgeworben wurde, war er Head of Operations einer Hotelgruppe von Aga Khan. 2004 übernahm er von Derek Brown die offizielle Leitung des Guide Michein. Heute arbeiten unter seinen Direktiven etwa 500 Personen, davon weltweit 90 Inspektoren – 70 in Europa und je 10 in Amerika und Asien. 2010 decken 25 Guides 23 Länder ab, wobei Frankreich mit 380.000 verkauften Exemplaren klar der stärkste Markt ist. Insgesamt wurden im letzten Jahr 1,2 Millionen Guides in der ganzen Welt verkauft.

ROLLING PIN: In den Regalen hinter Ihnen stapeln sich die Guides 2010 aller Länder – nur der von Österreich fehlt. Können wir auf eine Neuauflage 2011 hoffen?
Jean-Luc Naret: Um ehrlich zu sein: Nein. Ich war zwar von der Resonanz der Petition* überwältigt und es war ein starkes Statement für uns. Aber unter meiner Führung wird es keinen Guide für Österreich mehr geben. Meine Entscheidung darüber, in welchen Ländern wir erscheinen, basiert auf vier Kriterien und diese werden von Österreich leider nicht erfüllt.

RP: Welche Kriterien meinen Sie?
Naret: Für uns stellt sich als Erstes die Frage, wie viele Restaurants es in der Stadt oder im Land gibt. Zweitens überprüfen wir die Anzahl der potenziellen Sternerestaurants und drittens erstellen wir eine Statistik, wie oft die Restaurants im Schnitt besucht werden. Vor allem auf diesem Punkt liegt unser Fokus: Denn je mehr und je öfter die Restaurants besucht werden, desto größer ist unsere potenzielle Käufergruppe.

RP: Und dieser Punkt wurde von Österreich nicht erfüllt?
Naret: Ja, genau hier lag das Problem. Und in den Zeiten einer wirtschaftlichen Rezension muss man sich nach ökonomisch rentablen Märkten orientieren. Als Entgegenkommen haben wir zusätzlich zu Wien nun Salzburg zu den „Main Cities of Europe 2010“ hinzugefügt.

RP: Dieser Guide erscheint Mitte März, können Sie vorab sagen, ob wir nun mit einem 3-Sterne-Restaurant rechnen können? (Anm. d. Red.: 16. März 2010)
Naret: Die österreichische Gastronomielandschaft hat sich im letzten Jahr entwickelt – ich werde aber nicht verraten wohin. Nur so viel: Die Selektion im Guide France 2010 bezieht sich stark auf Küchen, die Wert auf Regionalität legen. Ein Trend, der auch in Österreich spürbar ist.

* ROLLING PIN startete nach Bekanntgabe des Rücktritts eine Unterschriftenaktion für die Wiedereinführung des Guides.

RP: Sie meinten, es gebe vier Kriterien. Die ersten drei kennen wir, doch was ist das letzte Kriterium?
Naret: Die Frage, die sich auch noch stellt, ist, ob es für die Michelin-Gruppe sinnvoll ist, dort vertreten zu sein.

RP: Ist dies der Grund, warum im Moment stark auf den asiatischen Markt expandiert wird? Denn schließlich sind das auch Zielländer für das Core-Business als Autozubehörlieferant.
Naret: Für den Umsatz der Michelin-Gruppe trägt der Guide zu einem verschwindend kleinen Anteil bei, nämlich zu 0,5 Prozent. Der asiatische Markt ist aber aus zwei Dingen für uns sehr spannend: Erstens gibt es beispielsweise in Tokio mehr als 17.000 von uns registrierte Restaurants und die Einwohner gehen etwa 3,5-mal die Woche auswärts essen. Das bedeutet, hier haben wir es mit einer signifikanten Anzahl an potenziellen Käufern unseres Guides zu tun. Gleiches gilt für Singapur und Hongkong.

RP: Tokio hat sich mittlerweile zur Gourmethauptstadt entwickelt und hat mehr 3-Sterne-Restaurants als Paris. Muss Frankreich seinen Titel als Wiege der High-Class-Gastronomie an Japan abtreten?
Naret: Ich denke, dass Tokio extremes Potenzial hat. Doch ist es so, dass Tokio nur einen Dreisterner mehr hat als Paris. Wir haben aber zum Vergleich nur 127 gelistete Restaurants. Und Frankreich wird immer die Nummer 1 bleiben. Denn in Tokio ist die Auswahl an Restaurants, in denen man schlecht isst, um eine Vielzahl höher.

RP: Apropos Nummer 1 – es gibt Gerüchte, dass Sie Ihre Funktion als Direktor niederlegen wollen. Ist da ein Fünkchen Wahrheit dabei?
Naret: Ja, ein bisschen Wahrheit ist schon dabei, denn bei meinem Eintritt in das Unternehmen habe ich angekündigt, nur drei bis fünf Jahre bleiben zu wollen. Ich komme aus der Hotellerie und will langfristig dorthin zurück. Nun bin ich in meinem sechsten Jahr und da kommen solche Gerüchte nun einmal auf. Aber im Moment fühle ich, dass es noch nicht an der Zeit ist, zu gehen.

RP: Dann kann Österreich auf eine Wiederauflage des Guides hoffen, wenn Sie abdanken?
Naret: Möglich. Wenn die Österreicher öfter essen gehen, werden sie für meinen Nachfolger eventuell wieder zu einer interessanten Zielgruppe.

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