Nordkoreas Küche bleibt kalt

Keine Gäste und flüchtige Mitarbeiter: Kim Jong-un und die Restaurantkette Pyongyang stecken in einer (kulinarischen) Krise.
Juni 10, 2016

Kim Jong-un und sein Versuch der nordkoranischen Kulturvermittlung

So wie man in die Welt hineinruft …

Es ist nun mal so: Kim Jong-un ist kein Sympathieträger. Liegt an seinem unstillbaren Machtdrang und an seinem unübersehbaren Charakterzug dafür auch über Leichen zu gehen. Kim mag außerdem keine Gäste. Es gibt kaum ein Land, das sich so wie Nordkorea vom Rest des Globus’ abschottet und dem Westen (was geografisch gesehen für Kim einfach jede Himmelsrichtung ist, die es gibt) den Stinkefinger zeigt.
Was sich nun für ihn abgesehen vom weltpolitischen Geschehen als Fehler erweist. Konkret geht es um die Restaurantkette Pyongyang, benannt nach Nordkoreas Hauptstadt, die von der Haedanghwa Group, einer staatlichen Organisation Nordkoreas, geführt wird und auch in deren Besitz ist. Diese Kette expandiert seit den frühen 90er-Jahren in "Feindesland", vor allem aber nach China, Thailand, Indonesien, Vietnam und andere asiatische Länder.
Ein Versuch in Amsterdam scheiterte nach zwei freudlosen Jahren. Der Grund des Restaurants ist vornehmlich der, die Kultur des Landes in Zensur, unter die Leute zu bringen. Der schwedische Journalist Bertil Lintner hat dazu aber eine andere Meinung, der man geneigt ist zu glauben. Die Restaurants seinen eine von vielen Überseefirmen von Room 39, ebenfalls einer nordkoreanischen staatlichen Einheit, die dafür geschaffen wurde Aquise und Geldwäsche von ausländischen Währungen für das Regime vorzunehmen. 
Angestellt werden in den Betrieben nur regimtreue Mitarbeiter, die auch streng überwacht werden und auf dem Grundstück der Restaurants wohnen. Der Vergleich mit der Stasi fällt da nicht weit vom Stamm. Aber das System funktioniert nicht lückenlos, so kommen immer wieder Mitarbeiter abhanden. In den 2000ern entschlüpften Kim Jong-un laut Berichten der Daily NK in China einige Kellnerinnen, was zur Schließungen geführt habe. Jüngst wurde bekannt, dass 13 Restaurant-Mitarbeiter in Südkorea geflohen sind.

Küche, Kitsch und Kim

Was machen aber nun diese Restaurants Pyongyang? Höchst ironischerweise wird man mit einem "Willkommen"-Schild begrüßt und darf sich dann in einen weitgehend leeren Speisesaal setzen. Wenn man das zweifelhafte Glück hat, dass das Restaurant nicht wegen angeblicher Renovierungsarbeiten geschlossen hat. Im Restaurant selbst wird man von attraktiven koreanischen Damen bewirtet, die im traditionellen Chosŏn-ot herumlaufen, zudem an der Karaokemaschine ihr Bestes geben und Tanzeinlagen im Stil der nordkoreanischen Massen-Bewegungs-Klassen vorführen. Fotografien oder Videoaufnahmen davon gibt es freilich keine. Das ist verboten.
Auf die Teller kommt traditionelles koreanisches Essen wie Kimchi-Gerichte, Hundefleisch-Suppe (nur in Asien), "Cold noodles" oder gegrillter Tintenfisch. Für mehr Umsatz gibt es zudem Ginseng-Wein und nicht gekennzeichnete Aphrodisika von Bären zu kaufen. Um sich ein wenig heimisch zu fühlen zieren die Wände handgemalte Landschaftsbilder aus Nordkorea, die nicht unbedingt zu den Coca-Cola-Kühlschränken passen – aber vielleicht darf man das als ironische Hommage von Kim an den Westen betrachten. beschallt wird man währenddessen von koreanischer Pop-Heimat-Musik oder wahlweise vom Koreanischen Nationalsender im TV.
"What’s on Weibo" berichtet, dass die chinesischen Dependancen von der Chinesischen Gesundheitsbehörde mit einem "B" ausgezeichnet sind, was soviel bedeutet wie "Bitte essen Sie in einem Restaurant mit einem höheren hygienischen Standard".
Zusammenfassend kann man sagen: Kim hat es nicht anders verdient, als dass die Restaurants nicht besser besucht sind. Das einzig traurige: Wenn die Kette schließt, dann haben die Mitarbeiter gar keine Chance mehr sich Nordkorea zu entziehen …

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