Future Montain

Was kann der Alpentourismus von Aldi lernen?
November 13, 2015

Zum dritten Mal fand heuer das internationale Tourismussymposium „Future Mountain“ in Sölden statt. Das branchenübergreifende Gipfeltreffen von Praktikern aus der Tourismuswirtschaft stand unter dem Motto „Berge voll Leben – Strategien für die Zukunft“. Zentrale Themen stellten die Vor- und Nachteile des Billigtourismus, neue Trends in der Freizeitwirtschaft sowie zukünftige Möglichkeiten der Tourismusfinanzierung dar. Jakob Falkner, Geschäftsführer der Ötztaler Gletscherbahnen und Chairman von Future Mountain: „Ziel eines jeden Touristikers ist den Tourismus in mindestens sieben Monaten im Jahr durch einen guten Preis florieren zu lassen. Statistiken belegen ein Ansteigen der Nächtigungszahlen im Alpentourismus im Winter, während die Zahl der Sommernächtigungen rückläufig ist. Diese Situation spornte Vertreter der Sölden Runde – Vision Berg an, sich intensiv mit dieser Problematik auseinander zu setzen. Ideen und neue Geschäftsmodelle gilt es zu entwickeln, um den Tourismus in den Alpen auch in den Sommermonaten attraktiver zu gestalten.“

Dieter Brandes, Autor des Buches „Aldi Erfolgsstory“, erörterte im Rahmen des Symposiums die Frage, „was der Alpentourismus von Aldi lernen kann“. Aldi bzw. Hofer macht alles anders als die anderen – allerdings ähnlich und vergleichbar anderer Erfolgreicher wie IKEA, Toyota, General Electric oder Google. Die Erfolgsbasis ist die Unternehmenskultur. Sie bestimmt den Wettbewerb der Zukunft auf allen Branchen-Marktplätzen. Es sind die Tugenden von Klarheit, Konzentration, Bescheidenheit, Glaubwürdigkeit, Berechenbarkeit und Ehrlichkeit, die jegliche Grundlage von Kooperation bilden. Aldi hat ein klares handlungsorientiertes Ziel: problemlose Artikel des täglichen Bedarfs werden in begrenzter Auswahl und in bester Qualität zu niedrigsten Preisen angeboten. Auf Überflüssiges wird verzichtet.

SEINE VIER TIPPS, WIE ES AUCH IM TOURISMUS EINFACHER GEHEN KÖNNTE:

  • Mache nicht alles, was möglich und denkbar ist, sondern nur das, was sinnvoll und nötig ist. Das Wesentliche wird sichtbar, wenn man das Beiwerk weglässt. Ein Schweizer Hotelier hat sein Konzept beschrieben mit „Das Wesentliche im Überfluss“. Ein guter Leitgedanke, auch für den Tourismus geeignet. Die Frage nach dem Wesentlichen ist schwer zu beantworten. Das erfordert Mut und schließlich auch den Verzicht auf das unnötige Beiwerk. Einfachheit ist in der komplexen Welt notwendig, aber nicht leicht.
  • Suche das Wesentliche und bestimme dein Ziel. Was bringt den nachhaltigen Erfolg? Was ist der Sinn meiner Aktivitäten? Die Unternehmen müssen den Sinn ihrer Handlungen aus den Augen ihrer Kunden sehen. Wenn österreichische Tourismusmanager ihren Urlaub in der Schweiz verbringen, können sie erkennen, was sie persönlich für wesentlich halten, was die Anbieter dort gut oder schlecht machen. Sie müssen echt reisen und sich mit diesen Fragen nicht nur theoretisch in einem Meeting beschäftigen. Was suchen die Touristen? Sinn, Erholung, Natur, Unterhaltung, Abwechslung? Der Tourismusmanager muss wissen, warum der Kunde gerade sein Angebot sucht. Warum soll der Besucher in die Austrian Mountains gehen? Heute zählt das Besondere. Qualität hat die Tendenz zu steigen, Preise die Tendenz zu fallen.
  • Sei mutig, anders zu arbeiten als andere. Nutze den gesunden Menschenverstand. In einer komplexen Welt bringen Logik und neumodisches Wissensmanagement immer seltener die Lösung. Nicht Perfektion, Marktforschungen und Kundenbefragungen mit hundert nervenden Fragen, sondern Intuition und Phantasie führen zum Wesentlichen.
  • Frag immer wieder „Warum“? Warum eine neue Seilbahn, eine neue Speisekarte? Warum schon wieder geänderte Preise und Angebote? Warum diese dämliche Statistik? Das ist die Schlüsselfrage zur Einfachheit. Dann gewinnst du die Chance zum (notwendigen) Verzicht.

WEITERE REFERENTENFür Ex-Formel 1-Weltmeister und Billig-Airliner Niki Lauda träumen junge Menschen im Sommer in erster Linie von Meer und Sand. Im Sommer habe für Lauda die Alpenregion zu wenig an Freizeitmöglichkeiten zu bieten. Daher rentiert sich eine Zubringer-Fluglinie erst, wenn auch im Sommer in der Alpen-Destination attraktive Freizeitmöglichkeiten für junge Menschen geschaffen werden.Laut AUA-Chef Dr. Josef Burger ist es notwendig, bei der zukünftigen Tourismusplanung, die Kundenbedürfnisse und das Konsumentenverhalten der Gäste im Tourismus zu verstehen. Die Kunden orientieren sich einerseits am maximalen Kundennutzen, andererseits spielt jedoch auch der Preis bei der Urlaubsentscheidung eine Rolle.Univ.-Prof. Dr. Christian Wopp von der Universität Osnabrück sieht bei den Jugendlichen nicht die geeignete Zielgruppe für einen Sommerurlaub in den Bergen, da deren Bedürfnisse nicht mit dem Angebot übereinstimmen.Im Gegenzug nahm Universitätsprofessor Dr. Ralph Roth von der Sporthochschule Köln, den Bereich „Sport und Bewegung in naturnahen Räumen“ näher unter die Lupe. Für ihn gilt Bewegung als wichtiger Gesundheitsfaktor. Durch Bewegung wird soziales und psychisches Wohlbefinden erreicht.Reisekosten beeinflussen für Dr. Christian Watrin von der Universität Köln den Erfolg des alpinen Tourismus. Urlaub am Meer steht in Konkurrenz zum Urlaub in den Bergen. Steigen die Preise für Flugreisen, wächst ebenfalls die Nachfrage nach Urlaubsangeboten im alpinen Raum.ZITATE:Brandes: „Es geht nie um angemessene Qualität und Preis, sondern um maximale Qualität und minimale Kosten.“Burger: „Eines ist sicher, das einzig Treue im Konsumentenverhalten wird in Zukunft die Untreue sein.“Lauda: „Internetpassagiere suchen den günstigsten Preis, überlegen was ist das für eine Airline und dann entscheiden sie. Menschen vergleichen somit Preise und dann die Qualität.“Wopp: „Jugendliche sind Trendsetter, ohne dass sie es bewusst sind: Man orientiert sich an ihnen!“Watrin: „Der Wettbewerb ist schön, wenn andere ihn am Halse haben.“

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