Mein größter Fehler: Heinz Reitbauer d. Ä.

Warum es wichtig ist, sich über seine Geschäftspartner zu erkundigen und Vorauszahlungen nicht immer der beste Plan sind …
Juni 30, 2016 | Text: Marion Wolf | Fotos: Helge O. Sommer

Heinz Reitbauer d. Ä.

Um den Fehler zu kompensieren, waren Nachtschichten notwenig

Seit dem Jahr 1973 hört Heinz Reitbauer ganz genau hin, wenn bei ihm die Alarmglocken läuten. Die Erlebnisse von damals haben sich bei dem Steirereck-Gründer, der die österreichische Spitzengastronomie prägte wie kaum ein anderer, eingebrannt.
Und er gibt gerne zu: „Ich habe viele Fehler gemacht, aber das war der größte.“ Damals wollte er das erste Steirereck in Wien modernisieren und ging dabei einem Betrüger auf den Leim.

Mein größter Fehler: Heinz Reitbauer d. Ä.

Um den Fehler zu kompensieren, waren Nachtschichten notwenig

Seit dem Jahr 1973 hört Heinz Reitbauer ganz genau hin, wenn bei ihm die Alarmglocken läuten. Die Erlebnisse von damals haben sich bei dem Steirereck-Gründer, der die österreichische Spitzengastronomie prägte wie kaum ein anderer, eingebrannt.
Und er gibt gerne zu: „Ich habe viele Fehler gemacht, aber das war der größte.“ Damals wollte er das erste Steirereck in Wien modernisieren und ging dabei einem Betrüger auf den Leim.

Begonnen hat alles im Jahre 1970, als Margarethe und Heinz Reitbauer d. Ä. ein Restaurant in der Rasumofskygasse eröffneten. Für die beiden aus der Obersteiermark stammenden Gastronomen lag es nahe, das Lokal „Steirer­eck“ zu nennen. Mit den Jahren verschrieben sie sich mehr und mehr der gehobenen Küche. Doch gleich in den Anfangsjahren musste Heinz Reitbauer einen herben Rückschlag hinnehmen.
„Das ehemalige Steirereck, das war mal ein altes Kaffeehaus mit Ölboden und Ofen in der Mitte und das war einfach nicht mehr tragbar. Wir haben schon ganz gut gekocht, aber die Inneneinrichtung war wirklich 60, 70 Jahre alt und ich wollte das unbedingt mit Holz wunderschön machen und ein bisschen die Steiermark nach Wien bringen.“

Dafür ging der Gastronom im Frühjahr 1973 auf die Messe in Wien, wo ihm besonders die Arbeit eines Kärntner Tischlers gefiel, er ließ sich einen Kostenvoranschlag für die komplette Innenausstattung des Gastraums machen. Kostenpunkt: 950.000 Schilling (Anm.: heute umgerechnet 70.000 Euro). Als Vergleichswert: Damals kostete im Steirereck das Menü 14 Schilling, also umgerechnet etwas mehr als einen Euro.
„Ich war eigentlich glücklich, dass ich so gut verhandelt hatte, und habe ihm ein paar Tage später 350.000 Schilling (Anm.: heute umgerechnet 25.500 Euro) angezahlt.“ Das Ganze aber nicht, ohne sich über eine Auskunftsdatei schlauzumachen, wer der Handwerker in Kärnten ist.
„Man hat mir gesagt, das ist ein toller Tischler, der hat 20 Angestellte, acht Kinder und alles toll.“ Heinz Reitbauer gibt sich damit zufrieden und überweist. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte.

Die Planung für den Umbau lief etwa von März bis Juni 1973. Der Tischler schickte Pläne, der Gastronom ließ sie nach seinen Vorstellungen anpassen. Bis dahin alles perfekt. Innerhalb von drei Wochen im August wollte man den Einbau durchziehen und dementsprechend hatte Reitbauer mit seinen damals bereits 40 Mitarbeitern vereinbart, dass sie ihren Urlaub für diese Zeit planen.
Ich habe 350.000 Schilling verloren und darunter schwer gelitten. Um das zu kompensieren, hab ich Tag und Nacht gearbeitet.
Heinz Reitbauer d. Ä. über ein Geschäft in den 1970ern, bei dem er betrogen wurde.

„Und dann war der Zeitpunkt da und der Tischler rührt sich nicht. Ich hab, ich weiß nicht wie oft, dort angerufen. Dann hab ich auf der Gemeinde nachgefragt, die haben gesagt, die bauen gerade um. Ich hab mich immer so einlullen lassen, bis ich dann runtergefahren bin und gesehen hab, dass da nur mehr ein Zettel an der Tür ist und es da niemanden mehr gibt. Der ist abgehaut mit dem Geld und hat die Frau und acht Kinder verlassen“, musste Reitbauer schockiert feststellen.
„Ich habe 350.000 Schilling verloren. Das war ein Vermögen. Ich hab schwer darunter gelitten und Tag und Nacht gearbeitet, um das zu kompensieren.“ Gefasst werden konnte der Betrüger bis heute nicht, es stellte sich aber heraus, dass er mit der Masche mehrere Kunden bei Messen in Wien und Salzburg geprellt und sich vermutlich nach Amerika abgesetzt hatte.

Heinz Reitbauers Lehre aus der Misere: „Bloß nichts anzahlen und wenn, dann nur mit Bankgarantie!“ Doch der Lernprozess des Spitzengastronoms ging weit darüber hinaus. Durch die Erfahrung wurde er vorsichtig, beinahe misstrauisch allen Vertragsabschlüssen gegenüber – besonders mit Banken – und legte sich ein Wissen zu, mit dem ihm kein Banker so schnell etwas vormachen konnte.
„Ich hab mir alle Bücher über die Banken gekauft und dadurch mit den Bankern so gut verhandeln können. In den nächsten 30 Jahren wurde bei uns ja weiter viel umgebaut, da hab ich immer Klartext reden können und die waren ganz überrascht. Wenn ich heute, viele viele Jahre später, eine Bank betrete, schalte ich vorher draußen beide Alarmglocken ein.“

Deshalb eine wichtige Empfehlung des Gastroprofis: nicht nur auf die Prozent Zinsen konzentrieren, sondern über die Zuzählrate, Bereitstellungsgebühr, antizipative und dekursive Verzinsung informieren. Schließlich sitzt man als Laie einem Vollprofi gegenüber.
Trotz seiner Skepsis plädiert Heinz Reitbauer d. Ä. ganz klar für Investitionen in Form von Innovation im Unternehmen, auch wenn sie mit Schulden verbunden sind. „Ich hab so viele Schulden in meinem Leben gemacht. Ein großer Vorteil von Schulden ist, dass man in der Früh schnell munter ist, weil man ja weiß, wann der nächste Termin ist. Das ist eine unglaubliche Triebkraft.“

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