Ab in die Wintersaison!

Skier ins Gepäck und Karriereturbo starten: Gute Saisonkräfte sind gefragt. Hüttengaudi und Know-how inklusive.
November 13, 2015

Ab in die Wintersaison!Fotos: Shutterstock

Diesen Winter in Tirol, den letzten in Saalbach-Hinterglemm, das Jahr davor am Nassfeld. Klingt nach der perfekten Hüttengaudi – ein bisschen ist es das auch. In erster Linie arbeitet Robert Kreimer aber als Sous Chef in den Küchen dieser Winterwelt. Als moderner Jobnomade jettet er durch die Skigebiete, jeden Winter in einem anderen Betrieb – so wie 94.000 Saisonniers, die 2013 im Tourismus allein in Österreich gearbeitet haben. Im Winter und im Sommer boomt eben das Geschäft, da braucht es gute Leute. Und die sind gar nicht so leicht zu finden, deshalb stellen die Küchenchefs spätestens jetzt ihre Küchenbrigade für den kommenden Winter zusammen. 32 Mann stark ist sie bei Christoph Geschwendtner, Küchenchef im Schlosshotel Fiss in Tirol. Alle ausschließlich Saisonkräfte.

Er selbst hat 20 Jahre auf Saison gearbeitet: „Ab und zu weiß man nicht, ob es Fluch oder Segen ist.“ Als junger Koch hatte der 42-Jährige selbst viel mit dem Druck zu kämpfen. Heute sei die Zeit des Aussaugens aber vorbei, der schlechte Ruf der Saisonarbeit passé, wo der Tag nur aus arbeiten und schlafen bestand. „Wer gute Mitarbeiter will, der muss sie auch wertschätzen.“ Bei Christoph Geschwendtner im Betrieb gibt’s eine 5,5-Tage-Woche – eher unüblich, normal sind sechs Tage. Im Winter brummt das Geschäft, die Häuser haben eine 20 bis 50 Prozent höhere Auslastung. Das heißt: hohes Arbeitspensum, viel Stress und ordentlich ranklotzen. Sous Chef Robert Kreimer weiß: „Am Anfang ist es hart.“ In den letzten Jahren ist der Druck zur Gewohnheit geworden.

Der 23-Jährige schöpft gerade aus dem Vollen. Schließlich kann man als Koch auf der ganzen Welt arbeiten. Im Sommer war er zuletzt in Irland, im Winter zieht es ihn nach Österreich in die Heimat. „Was gibt es Schöneres, als immer wieder neue Leute mit neuen Ticks und Leidenschaften kennenzulernen?“ Und ganz klar gehören Skifahren und Hüttengaudi mit durchfeiern bis 7 Uhr früh auch mal dazu.In einigen Betrieben hätte Robert Kreimer die Chance gehabt, zu bleiben, doch noch treibt es ihn fort: „Woanders geht’s mir gut.“ Ob er das in zehn Jahren, wenn er Familie hat, noch machen will – wohl eher nicht. Fakt ist: Die Karrierechancen nach der Saison stehen gut, ob Weiterbeschäftigung, Jahresstelle oder Saisonstelle im nächsten Jahr – alles ist drin.

Als Sous Chef hat Robert Kreimer jedenfalls aktuell gute Karten. Denn im Chef de Partie- und Sous Chef-Bereich sind tendenziell weniger Leute am Markt, da greift ein Arbeitgeber auch gerne einmal etwas tiefer in die Tasche, weiß Christian Schweinzer, CEO von der Blackrock Recruiting & Careers GmbH. Als Küchenchef sind zwischen 1900 und 2700 Euro drin, als Sous Chef 1700 bis 2200 Euro, als Chef de Partie 1350 bis 1800 Euro, als Chef de Rang 1250 bis 1600 Euro und als Commis de Rang 1100 bis 1300 Euro. Mit Benefits wie der Nutzung des Wellness- oder Fitnessbereichs und Vergünstigungen auf Skikarten müssen Arbeitgeber inzwischen zusätzlich in die Trickkiste greifen. Recruiter Christian Schweinzer erzählt von einem 5-Sterne-Hotel, das seinen Mitarbeitern sogar 50 Prozent Vergünstigung im eigenen À-la-carte-Restaurant gewährt.

Einer Sache sollten sich Saison-Interessierte allerdings bewusst sein: Das Gehalt mag zwar höher sein, damit muss aber eventuell die Flaute in der Zwischensaison finanziert werden. Und auch gesetzlich gelten für Saisonarbeiter in den Ländern teils ganz unterschiedliche Regelungen. Also bevor es im Winter in die Schweiz, nach Österreich oder Deutschland geht, heißt es: Schlaumachen über Arbeitsrecht, Kollektivvertrag und Sozialversicherung. EU-Bürger haben es hier um einiges einfacher als Nicht-EU-Bürger. Wer als Saisonnier anfängt, der muss, so Küchenchef Christoph Geschwendtner, von der ersten Minute an den Turbo einlegen: „Die ersten zwei Wochen ist ziemlich viel Druck, dann muss die Brigade fix sein. Es bleibt keine Zeit, sich zwei Monate vorzubereiten.“ Keine Zeit für Kuschelkurs. Damit kennt sich auch Sous Chef Robert Kreimer bestens aus: „Du weißt schnell, mit wem du kannst. Da muss man sich halt zammraufen, wir sind ja nicht im Kindergarten.“

Trotzdem überwiegen für Christoph Geschwendtner die positiven Aspekte der Saisonarbeit, besonders in jungen Jahren: höhere Gehälter, nationale und internationale Connections – und auf der persönlichen Ebene selbstständig, unabhängig werden und sich eine eigene Meinung bilden. Auch Christian Schweinzer empfiehlt jungen Leuten: „Gebt in der Saison Vollgas, verdient gutes Geld, und danach macht Urlaub oder eine Weiterbildung.“ Oder macht es wie Christoph Geschwendtner: Auf 2000 Meter in einer kanadischen Hütte einfach nur Ruhe und Kraft tanken für die neue Saison. Denn die steht jetzt schon in den Startlöchern.

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