Arbeiten auf Wintersaison

Alpine Jobs: Die besten Tipps und damit der Hüttengaudi nichts im Wege steht.
November 13, 2015

Arbeiten auf WintersaisonFotos: Shutterstock, Kristallhütte, Wolfgang Hummer

Gstaad, St. Moritz, Interlaken, Crans-Montana, Lech. Was sich liest wie die bevorzugten Urlaubsdestinationen skibegeisterter Millionäre und königlicher Familien, sind tatsächlich nur einige der schillerndsten Stationen von Franz Riedler.

Der 54-jährige Niederösterreicher ist aktuell Küchenchef im Hotel Arlberg in Lech und ein mit allen eiskalten Bergwassern gewaschener Wintersaison-Haudegen. Vor allem aber auch ein mit 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichneter Spitzenkoch. Was man braucht, um im anspruchsvollen Saisonalltag nicht unter der Stresslawine begraben zu werden, bringt Riedler prägnant auf den Punkt: „Körperliche Fitness, Teamgeist, gute Ausbildung, Anpassungsfähigkeit, Bereitschaft zu verzichten und vor allem Freude am Beruf.“ Der Job in den idyllischen Bergen ist hart. Manchmal sogar sehr hart. Vor allem in den illustren Nobelskigebieten residieren die anspruchsvollsten Gäste. Da heißt es, Topleistungen an jedem Tag abzurufen. Meist sechs Tage die Woche. Kerstin Göttes ist im Alpen-Wellness-Resort Hotel Hochfirst Assistentin der Geschäftsführung und verschönert die Zeiten mit keinem Wort: „Die durchschnittlichen Arbeitszeiten liegen bei 48 bis 54 Stunden pro 6-Tage-Woche, je nach Tätigkeit und Position.“

„Nützliche Eigenschaften? Körperliche Fitness und Bereitschaft zum Verzicht.“
Franz Riedler, Küchenchef im Hotel Arlberg

Dass jedoch auch in Vorzeigebetrieben eine 5-Tage-Woche herrschen kann, erzählt…

Arbeiten auf WintersaisonFotos: Shutterstock, Kristallhütte, Wolfgang Hummer

Gstaad, St. Moritz, Interlaken, Crans-Montana, Lech. Was sich liest wie die bevorzugten Urlaubsdestinationen skibegeisterter Millionäre und königlicher Familien, sind tatsächlich nur einige der schillerndsten Stationen von Franz Riedler.

Der 54-jährige Niederösterreicher ist aktuell Küchenchef im Hotel Arlberg in Lech und ein mit allen eiskalten Bergwassern gewaschener Wintersaison-Haudegen. Vor allem aber auch ein mit 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichneter Spitzenkoch. Was man braucht, um im anspruchsvollen Saisonalltag nicht unter der Stresslawine begraben zu werden, bringt Riedler prägnant auf den Punkt: „Körperliche Fitness, Teamgeist, gute Ausbildung, Anpassungsfähigkeit, Bereitschaft zu verzichten und vor allem Freude am Beruf.“ Der Job in den idyllischen Bergen ist hart. Manchmal sogar sehr hart. Vor allem in den illustren Nobelskigebieten residieren die anspruchsvollsten Gäste. Da heißt es, Topleistungen an jedem Tag abzurufen. Meist sechs Tage die Woche. Kerstin Göttes ist im Alpen-Wellness-Resort Hotel Hochfirst Assistentin der Geschäftsführung und verschönert die Zeiten mit keinem Wort: „Die durchschnittlichen Arbeitszeiten liegen bei 48 bis 54 Stunden pro 6-Tage-Woche, je nach Tätigkeit und Position.“

„Nützliche Eigenschaften? Körperliche Fitness und Bereitschaft zum Verzicht.“
Franz Riedler, Küchenchef im Hotel Arlberg

 

Dass jedoch auch in Vorzeigebetrieben eine 5-Tage-Woche herrschen kann, erzählt der Münchner Daniel Lebmeier. Der Chef de Bar arbeitet im Zillertaler Sporthotel Stock und schwärmt trotz langer Arbeitszeiten von seinem Job: „Es bleibt genug Freizeit. Neben der 5-Tage-Woche bietet uns die Familie Stock sehr viel. Mitarbeiterstammtisch auf dem Oktoberfest, Skirennen, Grillfeiern und Saisonabschlussfeier. Dazu kommt noch die Team-Lodge mit eigenem Pool.“

Vor allem die großen Paradehotels der Nobelskigebiete bieten exzellenten Fachkräften vermehrt immer mehr Anreiz, bei ihnen zu arbeiten: Vom Flachbildfernseher bis hin zum Highspeed-WLAN-Anschluss ist alles da, was das Mitarbeiterherz begehrt. Teilweise gibt es sogar eigene Fitnessräume, Saunakabinen oder Solarien. Kerstin Göttes spricht mit dem Hotel Hochfirst vor allem die sportlichen Bewerber an: „Die Mitarbeiter bei uns in Obergurgl erhalten eine ermäßigte Saisonkarte, viele Hotels lassen an einem Abend in der Woche den Poolbereich länger für Mitarbeiter geöffnet und durch Kooperationen mit verschiedenen Sportgeschäften ergeben sich auch dort Vergünstigungen.“

Laut Göttes bezahlen die meisten Wintersaisonbetriebe je nach Leistung tariflich oder übertariflich. Wer überdurchschnittliche Leistungen erbringt, wird auch überdurchschnittlich dafür entlohnt, berichtet wiederum Chef de Cuisine Riedler: „Zudem ist das Gehalt selbstverständlich auch immer Verhandlungssache.“

Alpine Jobs

Karriereturbo

Dass ein Winterhotel im Lebenslauf für internationale Top-Adressen reizvoll ist, bestätigt Barchef Lebmeier: „Wenn man in einem renommierten Betrieb auf Saison war und sich dort die Sporen verdient hat, dann bekommt man bestimmt auch die Chance, bei den exklusivsten Adressen der Branche zu arbeiten.“

Man darf jedoch den Anschluss nicht verlieren. Diesen Tipp gibt Kerstin Göttes allen Karriere-hungrigen mit: „Ein Mitarbeiter sollte natürlich Fachkenntnisse mitbringen, aber auch immer wissbegierig bleiben. Gerade in einer Wintersaison, in der so viele verschiedene Charaktere mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen zusammentreffen, ist stets die Möglichkeit, sich weiterzubilden und Neues zu erlernen, gegeben.“ Jeder, der eine Saisonarbeit anstrebt, sollte sich laut Göttes im Vorfeld ausreichend informiert haben.

Und die Chancen, aktuell einen Job in den Alpen zu ergattern, sind exzellent, denn mit dem Wintertourismus geht es wieder bergauf. Der österreichische Tourismus hat in der abgelaufenen Wintersaison 2011/12 deutlich mehr Urlauber angezogen als im Vorjahr. Die Zahl der Gästeankünfte stieg um 4,8 Prozent auf 16,4 Millionen, die Nächtigungen legten um 3,6 Prozent auf 64,3 Millionen zu. Das waren um 2,2 Millionen Übernachtungen mehr als im Vorjahr. Das geht aus den Daten der Statistik Austria hervor.

„Man sollte versuchen, immer ein Quäntchen mehr zu geben als beim letzten Mal.“
Kerstin Göttes, Alpen Wellness Resort Hotel Hochfirst

 

Egal ob Schnitzelbude, haubengekröntes Spitzenrestaurant, Top-Hotel oder Skihütte: In allen Bereichen warten spannende Jobs. In welcher Region bieten sich die besten Chancen? Am stärksten im Wintertourismus verankert sind nach wie vor Tirol mit 25,6 Millionen Nächtigungen und Salzburg mit 14 Millionen Übernachtungen.
Besonders reizvoll präsentiert sich jedoch auch die Schweiz. Da die Arbeitsverträge hier ohnehin für Gastronomiepersonal die 5-Tage-Arbeitswoche vorsehen, gibt es genug Freizeit. Und der an die gehobenen Lebenshaltungskosten angepasste Verdienst ist auch nicht zu verachten, vor allem deshalb, weil die meisten Arbeitgeber bei Kost und Logis sehr entgegenkommend sind.

Eines sollte man sich aber bewusst sein: Man lebt in den meisten Fällen für Monate in den abgeschiedensten Tälern. Denn wenn im November wieder zahlreiche Karawanen die engen Alpenstraßen zu den Skizentren hochfahren, sind einige unter ihnen, die erst nach mindestens fünf Monaten ihren Rückweg antreten können. „Ein Spitzenhotel zeichnet sich durch ein professionelles und vor allem freundliches Team aus. Darum ist es für mich extrem wichtig, auf die Probleme der Mitarbeiter einzugehen. Und seien sie noch so klein“, erläutert Küchenchef Riedler den notwendigen respektvollen Umgang mit allen Kollegen.

Die Arbeit auf Wintersaison zählt zu den lukrativsten Jobmöglichkeiten im Tourismusbereich. Man muss ihr nur gewachsen sein.

LUXUS-BENEFITS

Vom Außenpool mit Panoramablick bis hin zum Flachbildschirmfernseher: Top-Betriebe lassen sich einiges einfallen, um exzellente Mitarbeiter zu lukrieren.

WLAN-Anschluss
Ohne Highspeed-WLAN-Anschluss lockt man heute keine Mitarbeiter mehr in die hintersten Alpentäler. Ein absolutes Muss!

Fitnessraum
Wer sich im Beruf nicht fit hält, ist schnell ausgebrannt. Da fürs Pistenwedeln oft kaum Zeit bleibt, eine tolle Alternative.

Weiterbildung
Wissen ist Macht: Winterhotels mit Ganzjahresbetrieb bieten Interessierten auch Fortbildungen, Lehrgänge und Seminare an.

Waschküche
Auch wenn’s wenig Spaß macht: Neben den Dienstklamotten muss auch die Privatkleidung ab und an gereinigt werden.

Pool
Selten, aber doch: der Mitarbeiter-Swimmingpool. Relaxed den traumhaften Ausblick auf die umliegende Bergkulisse genießen.

Lounge
Die Top-Betriebe bieten hier Billardtisch, Tischfußball oder Darts. Macht Freude, lenkt ab und unterstützt den Team-Spirit.

Christian Schweinzer

CHRISTIAN SCHWEINZER
CEO von Blackrock Recruiting & Careers GmbH
www.blackrockcareers.com

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„Das Ausbeuter-Image ist Schnee von gestern!“

Der erfahrene Headhunter Christian Schweinzer über den Imagewandel der alpinen Saisonarbeit.

Man hört immer von den harten Arbeitsbedingungen und schlechten Unterkünften, die man auf Wintersaison in Kauf nehmen muss. Veraltete Gerüchte oder wahr?
Christian Schweinzer: Das stimmt heute auf keinen Fall mehr! Früher hatte man tatsächlich nur Mini-Zimmer und musste diese meist auch noch mit jemandem teilen. Seit etwa fünf Jahren hat da in der Alpen-Hotellerie aber ein massives Umdenken stattgefunden. Das Ausbeuter-Image ist definitiv weg. Auch die Arbeitszeiten sind nicht mehr so intensiv. Da es vermehrt Unternehmen gibt, die einen Ganzjahresbetrieb haben, hat man teilweise sogar eine geregelte 5-Tage-Woche.

Was waren die Auslöser für diesen Wandel?
Schweinzer: Die Hoteliers müssen den Mitarbeitern heute ganz einfach viel mehr bieten, um sie in die abgelegenen Bergtäler zu locken. Einzelzimmer sind heute schon Standard. Es gibt auch tolle Projekte wie etwa in Leogang. Da haben fünf Hoteliers ein gemeinsames Haus für ihre Mitarbeiter gebaut. Bis zu 120 Mitarbeiter der fünf Tourismusunternehmer finden dort Platz. Da werden Millionenbeträge investiert.

Muss man in solchen Unterkünften auch Miete zahlen oder sind diese komplett gratis?
Schweinzer: Meistens sind die Mitarbeiterwohnungen gratis. In den luxuriöseren Job-Herbergen kann es sein, dass man zwischen 50 und 100 Euro pro Monat an Betriebskosten beisteuern muss. Das sollte man unbedingt im Vorhinein abklären. Weiters ist die Unterbringung natürlich nicht immer in unmittelbarer Nähe des Hotels oder der Skihütte. Auch ein Punkt, den man nicht vergessen sollte!

Wie sieht es finanziell aus? Lohnt es sich, in den Skigebieten zu arbeiten?
Schweinzer: Daran hat sich nichts geändert. Der Verdienst ist weiterhin top. Zudem gibt es in sämtlichen Bereichen Vergünstigungen. Das ist natürlich für alle Sportbegeisterten interessant. Man kann mit bis zu 40 Prozent Ermäßigung auf Saisonkarten rechnen, dann gibt es tolle Rabatte in Sporthäusern und Geschäften, aber auch Spezialpreise in Bars und Lokalen werden geboten.

Bringt die Wintersaison neben finanziellen Vorteilen auch etwas für den Lebenslauf?
Schweinzer: Wenn jemand eine oder auch mehrere Saisonen im Lebenslauf stehen hat, zeigt das Arbeitgebern sofort, dass diejenige Person Ausdauer hat und belastbar ist. Solche Bewerber sind heiß begehrt.

Welche Regionen sind für die Karriere denn ganz besonders zuträglich?
Schweinzer: Es gibt vor allem in Österreich natürlich durchwegs Top-Skigebiete. Spannend wird in der kommenden Saison aber bestimmt Schladming, da dort im Februar 2013 ja die Ski-WM über die Bühne geht. Sonst ist der Arlberg alleine aufgrund seiner Spitzenrestaurant-Dichte natürlich der große Karriereturbo.

Wie übersteht man seine erste Wintersaison am besten?
Schweinzer: Das Wichtigste ist, nicht gleich im Jänner aufzugeben! Bis Jänner und vor allem um Weihnachten und Neujahr herum ist natürlich am meisten los. Wer diese Zeit gut übersteht, hat es dann in den Folgemonaten bestimmt stressfreier und kann Skigebiet, Lifestyle und vor allem die internationalen Bekanntschaften in vollen Zügen genießen.

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