Whisky made in Fukushima wird immer beliebter

Tetsuzô Yamaguchi lässt in Fukushima die seit zehn Generationen gepflegte Familientradition des Spirituosenbrennens wiederaufleben. Und nicht nur das: "Made in Fukushima" soll ein eigenes Qualitätssiegel werden.
November 11, 2019 | Fotos: Shutterstock

Was ist die Vorgeschichte?

Die Traditionsbrennerei Sasanokawa wurde 1765 gegründet. Heute führt Tetsuzô Yamaguchi den Betrieb bereits in zehnter Generation. Nach dem Tsunami vor der Küste Japans am 11. März 2011 und der Reaktorkatastrophe im Atomkraftwerk Fukushima – durch die Unglücke starben fast 20.000 Menschen und 470.000 verloren ihr Zuhause – war das Produktionsgelände der Firma, die ihren Sitz in Kôriyama hat, schwer beschädigt. Ein Schornstein war eingebrochen, die Boiler waren kaputt. Und nicht nur das: Auch die Lieferketten im Land funktionierten nicht mehr, berichtet der Business Punk.

Whiskey, Fukushima
In so mancher Bar in Europa wird heute Whisky aus Fukushima ausgeschenkt – weil die Qualität stimmt.

Gravierend waren die Auswirkungen fürs Geschäft: Niemand wollte Yamaguchis Schnaps kaufen, so groß war die Angst, verstrahlte Produkte zu bekommen, obwohl das Wasser, das verwendet wurde, nachweislich nicht kontaminiert war. Es half alles nichts, die EU, China und Südkorea verhängten Importstopps auf zahlreiche in Fukushima produzierte Lebensmittel, auch auf den Schnaps.

Wie ist der Whisky entstanden?

Yamaguchi war ratlos, wie die Brennerei diese Krise überstehen sollte, bis ein Freund die erlösende Idee hatte. Er schlug vor, Yamaguchi solle einen neuen Whisky entwickeln, so der Business Punk. Persönlich hatte Yamaguchi keinerlei Bezug zu diesem Getränk, aber Japan hatte unter Whiskykennern bereits einen guten Ruf, und so dachte er sich, einen Versuch wäre es schon wert.

Whiskey, Fukushima
Alter Wein in neuen Fässern? – Keineswegs, Tetsuzô Yamaguchi hat nach der Fukushima-Katastrophe eine ganz neue Whiskymarke entwickelt.

Nach einigen Komplikationen lief die Produktion an: Yamaguchi blendete Single Malts aus Schottland und brachte die Spirituose 2014 unter dem Namen Yamazakura (was Kirschblütenberg bedeutet) auf den Markt, so der Business Punk. Der japanische Whiskymarkt wuchs weiter und Yamaguchi brachte 2017 eine zweite Marke Marke heraus: den Whisky 963. Die Ziffern sind ein Hinweis auf die Postleitzahl von Kôriyama, und das Produkt heißt Made in Fukushima.

Wie hat sich das Unternehmen weiterentwickelt?

Mit der PR-Story vom lokalpatriotischen Whisky aus der Katastrophenregion lief der Verkauf richtig gut. Ganz abgesehen davon sind Whiskybars aber schlicht und einfach von der Qualität überzeugt. Der Whisky 963 wird mittlerweile sogar nach Europa exportiert und ließ den Umsatz von Sasanokawa von 400 Milliarden Yen (rund 3,4 Millionen Euro) im Jahr vor der Krise auf 500 Milliarden Yen steigen. Die Hälfte davon stammt aus dem Export.

Yamaguchi hat seinen Familienbetrieb erfolgreich durch die Krise gebracht und leistet mit seinem Whisky einen Beitrag zur Überwindung des Fukushima-Stigmas.

www.tokinosakagura.com

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