Dicke Luft in der Branche: KV-Verhandlungen für Gastronomie ausgesetzt
Bis zu 240.000 Personen in einem Jahr sind nach dem Kollektivvertrag (KV) für Gastronomie und Hotellerie angestellt. Am Donnerstag sollte es in die erste Runde gehen, um den neuen KV auszuhandeln. Daraus wurde nichts, denn ausgerechnet kurz vor dem Termin entbrannte ein Streit zwischen Fachverbänden und Gewerkschaft vida. vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit hatte Gastronomen in einer Aussendung „organisierte Kriminalität“ vorgeworfen.

Bis zu 240.000 Personen in einem Jahr sind nach dem Kollektivvertrag (KV) für Gastronomie und Hotellerie angestellt. Am Donnerstag sollte es in die erste Runde gehen, um den neuen KV auszuhandeln. Daraus wurde nichts, denn ausgerechnet kurz vor dem Termin entbrannte ein Streit zwischen Fachverbänden und Gewerkschaft vida. vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit hatte Gastronomen in einer Aussendung „organisierte Kriminalität“ vorgeworfen.

Die Aussage bezog sich unter anderem auf den jüngst aufgedeckten Registrierkassenbetrug. Hebenstreit thematisierte außerdem unrechtmäßige Förderungsbezüge einzelner Unternehmen aus dem COFAG-Topf und kritisierte, dass Wirtschaftskammer und Politik Rekordzahlen bei Nächtigungen und Ankünften feiern, während das System in Wahrheit „von massiven Fehlentwicklungen, moralischer Schieflage und fiskalischer Malversation geprägt“ sei.
Die Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der WKO wollen das nicht auf sich sitzen lassen. In einem offenen Brief wehren sich die Obleute gegen die Anschuldigungen und „kurzfristige Polemik“. Mit der Aussendung sei „eine rote Linie überschritten“ worden. „Wer eine ganze Branche in dieser Form unter Generalverdacht stellt, schadet allen Beteiligten“, heißt es weiter in dem Schreiben.
Erst im Mai 2025 wurden die letzten Änderungen im neuen Rahmenkollektivvertrag für das Gastgewerbe umgesetzt. „Die Gewerkschaft vida hat damals selbst von signifikanten Verbesserungen […] gesprochen“, so die Verfasser. „Keine 12 Monate später ist das wohl vergessen.“
„Fakt ist: der Tourismus ist ein Top-Arbeitgeber der heimischen Wirtschaft. Gastronomie und Hotellerie zählen heute mehr Beschäftigte als noch vor der Corona-Pandemie. Und für diese Arbeitnehmer:innen setzten wir uns als Arbeitgebervertreter:innen auch ein“, sagen die Fachverbände.
Die WKO hat vorübergehend die Verhandlungen ausgesetzt. Von Hebenstreit verlangen die Obleute eine Entschuldigung und Rückkehr zu einer „sachlichen Verhandlungskultur“.
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) sieht die Absage der Verhandlungen als einen überzogenen Schritt als Reaktion auf „berechtigte Kritik an Missständen“ an.
„Verhandlungsverweigerung löst keine Probleme“, so Hebenstreit. „Weder Arbeitgeber noch Beschäftigte haben etwas davon, wenn sich die Wirtschaftskammer dem Dialog entzieht. Wir hätten uns vom Sozialpartner mehr Kritikfähigkeit und Gesprächsbereitschaft gewünscht.“
Hebenstreit fordert die WKO-Vertreter:innen auf, die Verhandlungen zeitnah aufzunehmen. Nach einer Entschuldigung klingt das nicht – wann also verhandelt werden wird, bleibt also unklar.