Arbeiten in Australien

Down under!...Australien ist heute einer jener Orte, der die Herzen zivilisationsmüder oder karrieresüchtiger Mitteleuropäer höher schlagen lässt.
November 13, 2015

Harbour Brücke und Opernhaus in Sydney aus der Vogelperspektive Australien ist eine relativ junge Nation. Ende des 18. Jahrhunderts kamen die ersten europäischen Siedler – und neben anderen auch viele englische Strafgefangene – nach „Down Under“. Die meisten Einwohner leben heute wie damals in den Küstenstädten. Das Landesinnere ist noch immer zu einem großen Teil unerschlossen wild und inzwischen (wieder) den Ureinwohnern (Aborigines) vorbehalten.

Anfänglich als Strafkolonie gedacht und vor allem von Abenteurern angesteuert, ist Australien heute einer jener Orte, der die Herzen zivilisationsmüder oder karrieresüchtiger Mitteleuropäer höher schlagen lässt. Das Land liegt auf der entgegengesetzten Seite der Erdkugel so weit von Europa entfernt, dass bestimmt keine unliebsame Verwandtschaft vorbeikommt. Und als Europäer hat man nach wie vor Topaussichten auf dem Stellenmarkt. Dabei scheint es uns – mit seinen Kängurus, Didgeridoos oder dem Great Barrier Riff – wesentlich exotischer als z.B. die USA. Trotzdem wirkt es irgendwie noch europäisch, so dass man sich dort nicht wirklich fremd fühlt.

So „jung“ Australien auch ist, so erstaunlich ist dieses Land – der Fläche nach mehr als doppelt so groß wie die EU, nach der Einwohnerzahl aber kaum größer als Holland, dafür verschlug es ca. 140 verschiedene Nationalitäten auf den kleinsten Kontinent. Etwa den Österreicher Elmar Platzer, der sich zuerst in der Hotellerie hinaufarbeitete um dann – typisch für Australien – sein Glück in der Selbstständigkeit zu suchen: „Mein Leitsatz war immer: Alles ist möglich in Australien. Im Grunde genommen sind die Leute hier viel flexibler, auch die Strukturen.“
Deutlich über die Hälfte der Australier lebt in den Ballungsräumen der fünf Millionenstädte Sydney, Melbourne, Brisbane, Perth und Adelaide, gerade mal 10% leben nicht in urbanen Großräumen.

Die Aussies, wie die Australier liebevoll genannt werden, gelten als offen, herzlich, ungezwungen und gastfreundlich, ihre Lebensweise kann man getrost als „sehr entspannt“ bezeichnen, mit einem eindeutigen Schwerpunkt auf „zuerst leben, dann arbeiten“, ihr Englisch ist gleichzeitig liebenswert und doch gewöhnungsbedürftig.
Das Klima ist das ganze Jahr über angenehm warm, Fauna und Flora sind einzigartig – kein Wunder, dass viele Europäer davon träumen, dort zu leben.
Doch wer gut leben will, muss auch Geld verdienen – und wer in Australien zu Arbeitszwecken einreisen will, benötigt ein spezielles Aufenthaltsvisum mit Arbeitsgenehmigung.

Ein zweigeteiltes Land

Sehnsuchtsreisende zieht es vor allem in den dünn besiedelten Outback, Jobs gibt es aber naturgemäß mehr in den städtischen Ballungsräumen am Rande des Kontinents. In der Tat zerfällt Australien wirtschaftsgeografisch in zwei sehr ungleiche Teile.
Der lange Küstenstreifen im Südosten von Adelaide bis Brisbane repräsentiert das moderne Australien (auch Perth im Westen darf beanspruchen dazugezählt zu werden). Hier leben die meisten Menschen und hier finden sich alle Branchen, die für eine moderne Volkswirtschaft charakteristisch sind. 74 Prozent der Aussies arbeiten im Dienstleistungssektor, die meisten davon in Sydney, wobei man Australiens größte Stadt als Finanz- und Servicemetropole bezeichnen muss. Aber auch Australiens Industrie sitzt hier, genau so wie die australischen Dependancen zahlreicher multinationaler Konzerne.

In den endlosen Ebenen und schroffen Bergregionen des Binnenlandes, aber auch auf der Insel Tasmanien gibt es vor allem Bergbau und Landwirtschaft, den Tourismus nicht zu vergessen. Die Zeiten, in denen die beiden erstgenannten Branchen als das Rückgrat der australischen Wirtschaft galten, sind vorbei – Tasmanien etwa hat heute die höchste Arbeitslosenquote des Landes. Dafür kommt mit dem Tourismus ein neuer starker Wirtschaftsfaktor zum Tragen. Dieser Tourismus-Boom hatte speziell für die Gastronomie positive Auswirkungen, wie Elmar Platzer feststellt: „In Australien hat sich in den letzten 15 Jahren sehr viel in der Gastronomie getan. Zuvor war‘s mehr oder weniger eine kulinarische Wüste, aber heutzutage kann man in Australien wunderbar essen. Die Grundprodukte sind von höchster Qualität und das Fachwissen – kombiniert mit der Bereitschaft, mit verschiedensten Küchen zu experimentieren – hat die Australische Cuisine zu neuen Höhen empor gehievt.“

Insgesamt ist also die wirtschaftliche Lage zurzeit recht gut. Zwar sind die diversen Krisen und Konjunkturknicks der letzten Jahre auch an Australien nicht spurlos vorübergegangen, die Arbeitslosigkeit blieb aber überschaubar (Jahresdurchschnitt 2003: 5,6%) und das Wachstum liegt tendenziell meist über den entsprechenden deutschen oder österreichischen Werten. „Die Australische Wirtschaft ist eine der besten Wirtschaften in der Welt“, so Platzer, „das Wachstum lag für die letzten 10 Jahre durchschnittlich bei 3 – 4 %.“
Das Bruttosozialprodukt pro Kopf beträgt umgerechnet etwa 20.000 Euro – vergleichbar mit Italien und Großbritannien.
Gute Voraussetzungen, die den australischen Arbeitsmarkt noch immer interessant machen, auch wenn vor der Einreise noch einige Hürden genommen werden müssen.

Visum

ein stehendes KänguruSchon die Beantragung des Visums ist ebenso zeitaufwändig wie kostspielig. Ein halbes Jahr Wartezeit ist je nach Art des Antrags keine Seltenheit und die Kosten können mehrere hundert Euro betragen. Eine Garantie oder etwa die Rückzahlung der Beträge bei negativem Entscheid gibt es nicht.
Es gibt unterschiedliche Visa für alle Fälle, die entsprechend auch mit unterschiedlichen Formblättern beantragt werden müssen. Nähere Auskünfte über diesen „Blätterdschungel“ erhalten Sie über die australische Botschaft in Ihrem Heimatland oder online über australian-embassy, de,ch,it. Neben diverser Bestätigungen benötigen Sie außerdem einen gültigen Reisepass, ein Passbild, einen adressierten Rückumschlag und unter Umständen sogar noch ein Gesundheitszeugnis. All diese Dokumente müssen Sie dann an die Australische Botschaft schicken.
Abzuraten ist, sich um einen Job ohne Visum oder Arbeitserlaubnis zu bewerben, die Erfolgschancen sind denkbar schlecht. Dies rät auch Platzer: „Es ist auf alle Fälle besser, wenn man zuerst das Visum organisiert und sich erst dann um einen Job kümmert.“

Interessenten sollten nicht älter als 45 Jahre sein. Sie müssen sehr gut Englisch sprechen und dies auch durch ein Zeugnis oder einen Test nachweisen. Ein spezieller Punktetest verschafft weiters Klarheit über Sprachkenntnisse, Werdegang, Schulbildung und Vermögensverhältnisse des Einreisewilligen. Er ist Voraussetzung für ein Langzeit-Visum. Die aktuelle Punktevergabe richtet sich nach den jeweiligen Anforderungen des australischen Arbeitsmarktes. Punkte können Sie hierbei auf jeden Fall mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, langjähriger Berufserfahrung oder einem akademischen Titel sammeln.

Das sollten Sie nachweisen können:

  • Spezielle anerkannte Berufsausbildung,
  • Berufserfahrung, Studium
  • Alter bis 45 Jahre
  • Konkretes Arbeitsangebot eines australischen Arbeitgebers und
  • Eventuell ein Nachweis eines erfolgreichen Arbeitsaufenthaltes in Australien.

Alternativen hierzu wären:

Eigenes Vermögen
Förderung durch ein direktes Familienmitglied oder eine anerkannte Organisation.

In jedem Jahr werden tausende Visa für Ferienarbeitsaufenthalte ausgestellt. Junge Menschen aller Nationen lernen auf diese Weise Land und Leute kennen und sind dabei in der Lage, sich den Aufenthalt nebenbei noch selbst zu finanzieren. Erfolgreiche Antragsteller können mit diesem so genannten Working-Holiday-Visum bis zu zwölf Monate in Australien bleiben. Ein Beschäftigungsverhältnis bei einem Arbeitgeber darf längstens drei Monate dauern. Sie sollten dafür zwischen 18 und 30 Jahre alt sein und über ein Reisebudget von 5.000 AUS$ (etwa 2.900 Euro) verfügen. Auch Praktikanten benötigen ein Arbeitsvisum. Das Department of Immigration akzeptiert zusätzlich bis zu sechs Wochen Urlaub nach dem Praktikum. Für Praktikums-Interessenten werden verschiedene Arbeitsbereiche angeboten: Computertechnologie, Medien und Journalismus, Hotellerie, Umwelt und Naturwissenschaften aber auch Kunst, Marketing und Bank- und Finanzwesen.

Hilfe bei der Organisation und Durchführung des Auslands-aufenthaltes erhalten zum Beispiel Studenten und Berufsanfänger von der Austauschorganisation STEP IN in Deutschland, direkt über die australische Botschaft oder Online.
Sollte man versuchen illegal in Australien zu arbeiten und man wird erwischt, ist mit harten Strafen zu rechnen: „Man wird den Haifischen zum Fraß vorgeworfen“, scherzt Platzer. „Nein, im Ernst, man wird natürlich ausgewiesen und man wird es in Zukunft ganz schwer haben, ein Visum zu erhalten.“

Jobs and more

das opernhaus in sydney während der nacht rot beleuchtet Heute zählen berufliche Fähigkeiten zu den maßgeblichen Einwanderungskriterien. Die Regierung veröffentlicht eine ständig aktualisierte Liste (MODL) der Berufe, die in Australien sehr gefragt sind und die man hier nachlesen kann. Diese Homepage gibt auch weitere nützliche Tipps. Andere als diese Berufsgruppen haben kaum eine Chance.
Gesucht sind, wie überall, IT-Experten aller Fachrichtungen und selbstständige Unternehmer sowie Ärzte, Pflegepersonal und Apotheker. Das gleiche gilt für Elektroingenieure, Anwälte und ausgewählte handwerkliche Berufe sowie nach wie vor Jobs in Hotellerie und Gastronomie. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Europäer im Gastgewerbe härter arbeiten als Australier – deshalb sind auch die Jobchancen in der Gastronomie und Hotellerie nach wie vor sehr gut“, schwärmt Platzer von der europäischen Arbeitsmoral.
Mehr als die Hälfte aller Jobs werden durch private Agenturen vermittelt. Die Vermittlung ist jedoch für Jobsuchende kostenlos. Aber auch überregionale Zeitungen bieten große Stellenmärkte.

In manchen ländlichen Regionen gibt es Probleme, ausreichend Arbeitsplätze zu finden, einen guten Einblick in den aktuellen Stellenmarkt findet man online bei www.jobsearch.gov.au, www.MyCareer.com.au, www.seek.com.au.
Bei der Bezahlung kann man davon ausgehen, dass sie je nach Alter, Qualifikation und Erfahrung des Arbeitnehmers wie auch nach Einsatzort variiert, wobei zwischen „outback“ und „city“ weniger Unterschied ist als man annehmen könnte. Der wöchentliche Durchschnittslohn liegt in der Gastro- und Hotelbranche zwischen 200 und 350 Euro (wobei Frauen eindeutig benachteiligt sind), zudem wird ein Urlaubsgeld von rund 17 Prozent des normalen Lohnes gezahlt. Die Lebenserhaltungskosten liegen in Australien unter österreichischem oder deutschem Niveau – vor allem Lebensmittel und Mieten sind billiger.
Um eine Unterkunft sollte man sich allerdings selber kümmern, der Arbeitgeber fühlt sich meist nicht dazu verpflichtet: „An und für sich ist man selbst für seine Unterkunft zuständig. Zumindest in den Großstädten wird einem keine Unterkunft bereitgestellt. Wahrscheinlich auch nicht am Land. In Sydney kostet share accommodation (eine Art Wohngemeinschaft) zwischen ca. 60 und 150 Euro pro Person pro Woche. Telefon und Strom sind extra.“

In Australien ist eine Wochenarbeitszeit von 35 bis 40 Stunden üblich, „genau genommen 37,5 Stunden“. Der Jahresurlaub liegt bei mindestens drei bis vier Wochen plus sieben gesetzlichen Feiertagen. Arbeitnehmer, die länger als 15 Jahre für ein Unternehmen tätig sind, bekommen einen bezahlten Sonderurlaub für drei Monate.
Beim Trinkgeld schaut die Welt in Australiens Gastonomie etwas dürftiger aus erklärt Platzer: „Zwischen null und 10% geben die Aussis. Viele Australier glauben noch immer, es ist nicht notwendig, Trinkgeld zu geben.“
Das System der sozialen Sicherung wird in Australien aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanziert, das heißt, es gibt keine obligatorischen Beitragsleistungen des Einzelnen. Die Gehaltsabzüge beschränken sich somit auf etwa 1,5 bis 2 Prozent für die Krankenversicherung, über Zusatzversicherungen sollte man sich im eigenen Heimatland erkundigen.
„Die Australische Sozialversicherung – Medicare – zahlt z.B. für eine Krankenhausbehandlung. Den Zahnarzt muss man selber zahlen und bei den meisten praktischen Arzten wird eine zusätzliche Gebühr verrechnet. Wenn man jung und gesund ist, ist‘s wahrscheinlich okay wenn man sich auf Medicare verlässt. Es hängt auch davon ab, wie anspruchsvoll man ist, wenn‘s einem nicht viel ausmacht, für gewisse Behandlungen zu warten, bis man wieder im Heimatland ist, dann ist Medicare wahrscheinlich perfekt.“

Arbeitsklima

ein eukalyptus fressender koalabär Einen deutlichen Unterschied zu Europa findet man bei der Firmenkultur. Während es in einem Unternehmen „förmlich britisch“ zugeht, wird es in einem anderen „lean and mean“ nach amerikanischem Muster sein – während der nächste Betrieb wiederum relaxed nach australischem Strickmuster operiert. Am wahrscheinlichsten trifft man auf eine Mischung aus allem – plus ein paar individuelle Zutaten, falls der Boss einen multikulturellen Background hat.

Australien hat eine ungemein vielfältige Firmenlandschaft. Im Allgemeinen sagt man, dass es im Süden (Melbourne und Adelaide) etwas förmlicher zugeht, während – je weiter man nach Norden kommt – es zunehmend formloser wird. Beides kann Vor- und Nachteile haben. Arbeitet man für ein multinationales Unternehmen mitten in der City, wird man die Arbeit stärker geregelt empfinden als bei einem lokalen Arbeitgeber irgendwo draußen auf dem Land. Bewährte und loyale Mitarbeiter werden oft durch Vergünstigungen und Bonussysteme belohnt.

Auch einen Kündigungsschutz gibt es, wie Platzer erklärt: „An und für sich muss man 3 gerechtfertigte Verwarnungen erhalten, bevor man gekündigt werden kann. Aber es kann schon vorkommen, dass man bei ungenügender Leistung schneller gekündigt wird.“
Die Australier gelten zwar als nicht besonders arbeitswütig, Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel. Der angenehme Lebensstil will zudem auch finanziert sein. Nicht wenige arbeiten daher mehr als die üblichen 40 Stunden – oder haben noch einen Teilzeitjob nebenbei. So ist es auch nicht ungewöhnlich, dass man gut 3 Stunden am Tag im Auto sitzt, um zur Arbeit und zurückzukommen

Unterm Strich ist Down Under absolut perfekt für jeden, der nicht nur seinen persönlichen Horizont in einem Land auf der anderen Seite der Weltkugel erweitern, sondern auch auf der Karriereleiter nach oben will – und das alles in einer einmaligen und entspannten Atmosphäre.
Keep it real, mate!

Information
http://www.australien-info.de
http://www.twains.com.au

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