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Zwei Aussteiger auf Erfolgskurs: Ex-Koch Philipp Schmitz und Ex-Marketingexperte Benito Opitz mischen mit ihrer Mondhügelbar und revolutionären Konzepten die Berliner Barszene auf
März 5, 2026 | Text: Claudio Honsal

Berlin ist anders! Vor allem in der Neuköllner Mondhügel Bar. Benito Opitz und Philipp Schmitz produzieren nicht nur sämtliche Ingredienzien für ihre Drinks selbst, sie gewähren auch Rabatt auf den zweiten, dritten und vierten Cocktail. Motto: „Pay what you want“. Ein Konzept, das funktioniert. Aber: Auch für beide Seiten?

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Philipp Schmitz und Benito Opitz mischen die Berliner Barszene auf

Berlin ist anders! Vor allem in der Neuköllner Mondhügel Bar. Benito Opitz und Philipp Schmitz produzieren nicht nur sämtliche Ingredienzien für ihre Drinks selbst, sie gewähren auch Rabatt auf den zweiten, dritten und vierten Cocktail. Motto: „Pay what you want“. Ein Konzept, das funktioniert. Aber: Auch für beide Seiten?

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Philipp Schmitz und Benito Opitz mischen die Berliner Barszene auf

„Jeder soll zu uns kommen können, ganz unabhängig vom Geldbeutel!“
Benito Opitz über das Mondhügel-Konzept „Pay what you want“

Es ist eine der hippsten Ecken der Hauptstadt – und doch bleibt Kreuzkölln rau. Junkies treffen auf Bobos, extrem arm auf superreich. Genau dieser Kontrast macht für Benito Opitz den Kern des Viertels aus. „Diese Raubeinigkeit ist der romantische Charme“, sagt er. Gemeinsam mit Philipp Schmitz hat er 2024 eine Bar eröffnet, die vieles anders macht – radikal nachhaltig und radikal gast­orientiert. Opitz, einst Marketingexperte, heute Aussteiger mit Haltung. Schmitz, früher Fine-­Dining-Koch, jetzt Destillateur, Tüftler. Ihre Mission: kreative Kiez-Barkultur neu denken – komplett!

Naked Drinking: Zurück zum Ursprung

„Naked Drinking beschreibt unser Konzept am besten. Wir lassen alles weg, das nicht natürlich ist“, erklärt Opitz. Nicht nur Sirups, Tonics oder Bitters, auch die Spirituosen in der Bar kommen aus eigener Hand. Produziert wird in der nahen Markthalle 9. Seit 2020 betreiben sie dort einen Stand, im Keller darunter wird auf 70 m2 mazeriert, gebrannt, gelagert. „Wir verarbeiten ausschließlich natürliche Aromen. Nichts wird im Labor hergestellt oder wächst künstlich auf Pilzen. Ein neuer Qualitätsstandard!“

19 Produkte umfasst das Portfolio. Monatlich entstehen rund 400 Liter Spirituosen und 100 Liter Tonic, Bitter und Sirup. Im Regal stehen Roggen-Wodka, Pflaumen-Whiskey, Wermut, Limoncello aus Amalfi-Zitronen – und ein Hanf-­Mescal, der schnell zum Szeneliebling wurde.

Das Flaggschiff bildet immer noch der „Kreuzberg Gin“ aus wildgepflücktem Wacholder, Kubeben-Pfeffer, Zitrone und geröstetem Kaffee; der Alkohol kommt auf Weizenbasis. Auf der Cocktailkarte werden die Bio-Drinks wie „Kreuzberg Mule“ alias „Moskau Mule“ mit Himbeer-Wodka, infusierter Schokoladeschale und Ingwer-Limetten-Essenz, „Mescal Sour Kreuzberg“, Mescal mit Herbal-Lemon-Sirup auf Eis geshaked mit Aquafaba und Zitronenzeste oder als „Kreuzberger Moonshine“ ein Whiskey Sour mit Zitronenessenz und einer Amalfi-Zitronen-Infusion kredenzt.

Der Aufwand? Enorm. Der Effekt? Kontrollierbar. „Wir wissen genau, welche Produkte laufen, und passen die Karte nach der Theorie des ökonomischen Nudgings an“, sagt Opitz, der das Marketinginstrument subtil einsetzt. Während in industriellen Wertschöpfungsketten Tausende beteiligt sind, liegt hier alles in einer Hand. Der Wettbewerbsvorteil: „Maximale Transparenz und eine Kalkulation, die uns Spielraum schafft, den wir direkt an unsere Gäste weitergeben.“

Pay what you want: Vertrauen als Währung

Der eigentliche, revolutionäre Gamechanger ist die Preisphilosophie. „Pay what you want“ – ein Modell, das man eher aus Kunstprojekten kennt. In der Bar wird es zur Haltung: „Unsere Herzensangelegenheit, denn wir nagen allein schon durch den Marktstand nicht am Hungertuch.“ Die Kartenpreise sind moderat: fünf Euro für einen simplen Highball, bis zu zehn Euro für Signatures. Doch der zweite, dritte oder vierte Drink? Verhandlungssache des Gastes. „Jeder soll kommen können, unabhängig vom Geldbeutel“, sagt Opitz.

„So etwas in Zeiten sinkenden Alkoholkonsums und Teuerung zu starten, ist schon etwas wahnsinnig!“
Bareigner Opitz über die nachhaltige Eigenproduktion in der Mondhügel Bar

Ökonomischer Wahnsinn oder Sozialromantik? Nicht ganz. Denn die Erfahrung zeigt: Die meisten Gäste zahlen den vorgeschlagenen Preis – oft 80 Prozent oder mehr. Plus Trinkgeld. Das Prinzip funktioniert über Psychologie. Wer gestalten darf, übernimmt Verantwortung. „Spiegeltrinker oder Säufer fühlen sich bei uns ohnehin nicht wohl – oder werden höflich hinauskomplimentiert. Das Konzept funktioniert. So gut, dass es bereits erweitert wird: im kommenden Jahr mit dem „Mondhügel Tacheles“ an der Friedrichstraße. Ein verrücktes Win-Win-Erfolgskonzept – Berlin ist eben anders!

Mondhügel Bar

Minimalismus mit bemerkenswerten Konzepten im Herzen des berühmt-berüchtigten Kreuzkölln. Alle Drinks werden hier aus hausgemachten, nachhaltigen Spirituosen, Destillaten und Sirups aus rein natürlichen Inhaltsstoffen gemixt. „Pay what you want“ lautet das revolutionäre, publikumsfreundliche Credo.

www.mondhuegel.com

 

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