Die Top-Thesen zur Zukunft der Arbeit

Zukunftsmusik? Ja, aber direkt von den Experten: Die Prognosen von Prof. Klaus F. Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit in Bonn. Plus: Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut Österreich im Talk.
November 13, 2015

Fotos: Matthias Horx/Trend- und Zukunftsforscher (www.zukunftsinstitut.de) Foto: Klaus Vyhnalek, Benedikt Loebell

1 Frauen an die Front:

Mit der besseren Vereinbarkeit von Familie und Karriere könnten bis zu 2,4 Millionen Frauen zusätzlich für den Arbeitsmarkt gewonnen werden. Der Hintergrund: Derzeit sind in Deutschland überdurchschnittlich viele Frauen nur in Teilzeitberufen beschäftigt. Wäre das Potential an weiblichen Arbeitskräften jedoch vollends ausgeschöpft, könnte damit das Bruttosozialprodukt um neun Prozent angehoben werden. Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Top-Management gelten bereits heute als erfolgreicher – sowohl bei der Produktivität als auch bei der Motivation.

2 Fixe Arbeitszeit ade:

Form und Struktur der Arbeit sind im Wandel begriffen. Die Berufswelt der Zukunft ist geprägt von Information und Wissen sowie vernetztem Arbeiten, Denken und Handeln – Qualifikationen, die grundsätzlich überall verfügbar sind. Infolgedessen werden die jobtechnischen Biografien abwechslungsreicher, die beruflichen Werdegänge offener. Arbeitsformen, die Beruf und Privatleben vereinbar machen, sind im Kommen – ebenso wie Projektarbeit im Team. Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Honorar- und Zeitverträge oder Projektvereinbarungen werden häufiger in einer Gesellschaft der Wissensarbeiter, der Dienstleister und der Kreativwirtschaft. Flexiblere Jobeinsätze wie befristete Beschäftigungen, Leih- und Teilzeitarbeit sowie Minijobs nehmen zu.

3 Mitarbeiter binden:

Fachkräfte werden weniger – somit steigt die Entlohnung an, je nach Region und Branche unterschiedlich stark. Besonders erfolgs- und leistungsbezogene Erfolgsprämien werden dadurch wachsen. Gleichzeitig sind neue Vergütungsmodelle im Kommen, die…

Fotos: Matthias Horx/Trend- und Zukunftsforscher (www.zukunftsinstitut.de) Foto: Klaus Vyhnalek, Benedikt Loebell

1 Frauen an die Front:

Mit der besseren Vereinbarkeit von Familie und Karriere könnten bis zu 2,4 Millionen Frauen zusätzlich für den Arbeitsmarkt gewonnen werden. Der Hintergrund: Derzeit sind in Deutschland überdurchschnittlich viele Frauen nur in Teilzeitberufen beschäftigt. Wäre das Potential an weiblichen Arbeitskräften jedoch vollends ausgeschöpft, könnte damit das Bruttosozialprodukt um neun Prozent angehoben werden. Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Top-Management gelten bereits heute als erfolgreicher – sowohl bei der Produktivität als auch bei der Motivation.

2 Fixe Arbeitszeit ade:

Form und Struktur der Arbeit sind im Wandel begriffen. Die Berufswelt der Zukunft ist geprägt von Information und Wissen sowie vernetztem Arbeiten, Denken und Handeln – Qualifikationen, die grundsätzlich überall verfügbar sind. Infolgedessen werden die jobtechnischen Biografien abwechslungsreicher, die beruflichen Werdegänge offener. Arbeitsformen, die Beruf und Privatleben vereinbar machen, sind im Kommen – ebenso wie Projektarbeit im Team. Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Honorar- und Zeitverträge oder Projektvereinbarungen werden häufiger in einer Gesellschaft der Wissensarbeiter, der Dienstleister und der Kreativwirtschaft. Flexiblere Jobeinsätze wie befristete Beschäftigungen, Leih- und Teilzeitarbeit sowie Minijobs nehmen zu.

3 Mitarbeiter binden:

Fachkräfte werden weniger – somit steigt die Entlohnung an, je nach Region und Branche unterschiedlich stark. Besonders erfolgs- und leistungsbezogene Erfolgsprämien werden dadurch wachsen. Gleichzeitig sind neue Vergütungsmodelle im Kommen, die sich weniger am kurzfristigen Unternehmenserfolg orientieren als vielmehr daran, qualifizierte Mitarbeiter langfristig an die Firma zu binden. Eine neue Konjunktur startet auch für Programme zur Mitarbeiter-Kapitalbeteiligung.

4 Zukunftszentren boomen:

Der Wettbewerb um Arbeitskräfte – und somit um Konsumenten und Steuerzahler – wird sich sowohl global als auch national zuspitzen. Allein in Deutschland bilden sich einige Job-Boom-Regionen (wie etwa Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, München), die an Attraktivität gewinnen und in denen die Erwerbstätigkeit stark ansteigt. Solche Zukunftszentren erweisen sich als Wissenschafts-Standorte, die sich durch ein breites Angebot an Kultur, hohe Wohnqualität und ansprechendes Freizeitumfeld auszeichnen. Diese Faktoren wirken wie ein Magnet auf Spitzenkräfte und pushen die Zahl der Erwerbstätigen. Parallel dazu entwickeln sich im Sektor Dienstleistungen und in der Industrieproduktion neue Jobmöglichkeiten. Es wird zu einer laufenden Differenzierung kommen: In einigen Regionen wird es Vollbeschäftigung geben, in weniger attraktiven Gebieten sinkt die Zahl der Erwerbstätigen drastisch.

5 Diversity Management:

Die Befürchtung, dass Belegschaften in Unternehmen immer älter werden, ist unbegründet – solange dieser Prozess vernünftig gehandhabt wird. Der Alterssprung kommt spätestens ab dem Jahr 2020 zu tragen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in die Pension übergehen. „Diversity Management“ beschäftigt sich mit den Fragen: Wie können junge und ältere Mitarbeiter effektiv zusammenarbeiten? Wie schafft man individuelle Arbeitszeiten? Wie kann man ältere Mitarbeiter länger in der Firma halten?

6 Mangel an Personal:

Die Wachstumsaussichten von Unternehmen werden nicht mehr vom Kapital, sondern zunehmend von personellen Ressourcen bestimmt. Die Zahl der Erwerbsfähigen fällt bis 2025 um 3,6 Millionen auf 41,1 Millionen Menschen. Es mangelt an Arbeitskräften – vom hochqualifizierten Wissenschafter bis hin zum Handwerker. Schulabgänger werden weniger, Plätze für Auszubildende bleiben unbelegt. Immer mehr Menschen wandern aus statt ein. Fakt ist: Der Arbeitsmarkt in Deutschland müsste für junge Leute wieder interessant gemacht werden.

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Matthias Horx

Matthias Horx
Inhaber und Gründer der Zukunftsinstitut GmbH

Freude an der Arbeit wichtiger als Geld

Welche Faktoren sind für Sie im Berufsalltag die Hauptmotivation? Zustimmung in Prozent

Quellenangabe: Karmasin Motivforschung/Zukunftsinstitut Österreich, 2010

eine Grafik zur Hauptmotivation im Berufsalltag
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7 Multi-Kulti-Teams:

Die Arbeitswelt von Morgen wird den Stempel „international“ tragen. Zuwanderer stützen die Sozialsysteme und stabilisieren Beschäftigung und Wachstum. Der Grund: Sie weisen Jobprofile auf, die in Deutschland entweder fehlen oder für die sich deutsche Arbeitnehmer nicht bereit erklären. Die Gewinner sind multiethnisch aufgebaute Unternehmen – ihre offene Firmenkultur ist förderlich für Innovationen.

8 Neuer Mittelstand:

Selbstständige Arbeit ist im Aufschwung – die Grenzen zwischen Unternehmer und Arbeitnehmer verschwimmen: Alleinunternehmer und Solo-Anbieter bilden den neuen Mittelstand. Aktuell sind in Deutschland elf Prozent aller Erwerbstätigen selbstständig tätig – der Prozentsatz wird ansteigen. Viele kleine und mittlere Familienbetriebe werden das Nachsehen hinter den besten Köpfen haben, wenn sie nicht aktiv dagegen ankämpfen. Demographie- und Diversitätsberater stehen mittelständischen Betrieben beim Personalmanagement und bei der Rekrutierung und Aufnahme von ausländischen Arbeitskräften hilfreich zur Seite.

9 Branchen im Trend:

Weniger Arbeit wird es nicht, aber sie wird anders. In Deutschland sorgt man sich in klassischen Produktionsbetrieben zu Recht, dass man womöglich seinen industriellen Kern verlieren könnte. Hingegen boomen die wissensbasierten sowie sozialen Dienstleistungen. Viel Potential liegt auch in der Gesundheits- und Freizeitindustrie, Medizin- und Biotechnik, Verkehr, Logistik und Kommunikationstechnologie sowie Seniorenwirtschaft.

10 Bildungslücken:

Allein bis zum Jahr 2043 werden die Folgekosten unzureichender Bildung und dem damit entgangenen Wirtschaftswachstum auf mehr als 311 Milliarden Euro geschätzt. Mit der Studienquote ist der Bedarf an Hochqualifizierten nicht zu decken, Übergangsphasen bis zum Berufseinstieg sind zu lang und werden stets länger. Den Pool an derzeit 2,2 Millionen Langzeitarbeitslosen in Deutschland kann auch der demographische Wandel nicht lösen.

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Persönlichkeitsentwicklung: Hoch im Kur

Welchen Stellenwert hat für Sie die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit?

Quellenangabe: Karmasin Motivforschung/Zukunftsinstitut Österreich, 2010

Stellenwert der Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit

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Zur Person

Harry GattererHarry Gatterer
Geschäftsführer Zukunftsinstitut Österreich

Gatterer, geboren 1974, ist Trendforscher, Studienautor und Experte für „New Living“. Zu seinen Domänen zählt die Zukunft von Leben & Arbeit. Seit Jänner 2010 leitet er das Zukunftsinstitut Österreich in Wien.
www.zukunftsinstitut.at
www.zukunftsinstitut.de

Anforderungen steigen

Der Arbeitsmarkt ist im Wandel begriffen – Soft Skills und Faktoren wie Eigenständigkeit und kreatives Potential boomen mehr denn je. Zukunftsexperte Harry Gatterer verrät, in welche Richtung sich die Arbeitswelt der Zukunft drehen wird.

ROLLING PIN: Welche Eckpfeiler werden die Arbeitswelt der Zukunft ganz besonders prägen?
Harry Gatterer: Die Suche nach Talenten, sprich der „War of Talents“ wird ein zentrales Thema sein. Durch den demographischen Wandel wird es immer weniger junge Leute am Arbeitsmarkt geben – und aus diesem Pool wollen Unternehmen diejenigen herausfiltern, die über besondere Fähigkeiten verfügen – Talente eben.

RP: Welche Fähigkeiten sind das?
Gatterer: Es geht um Leute, die eigenständig denken und handeln, kreatives Potential aufweisen und nicht nur repetitive Aufgaben ausführen können. Dazu gehört der Wille, ständig an sich selbst zu arbeiten, das persönliche Talent zu finden und stets weiterzuentwickeln. Auch soziale Kompetenzen und Soft Skills gewinnen zunehmend an Bedeutung. Fachwissen allein reicht also noch lange nicht aus.

RP: Welche Rolle spielt der Faktor Bildung in Zukunft?
Gatterer: Akademische Ausbildungen werden immer noch einen hohen Stellenwert haben. Aber Wissen ist im Überschuss vorhanden. Es geht vorrangig nicht um den Titel, sondern darum, was man aus seiner Ausbildung macht und wie man sich präsentiert. Was kann ich vorweisen – etwa welche und wie viele Praktika. Auch, wer sich an der Uni sehr tief in einen Fachbereich hineinspezialisiert, sollte immer ein offenes, interdisziplinäres Verhalten bewahren – ein Denken über die Grenzen hinaus. Kombiniert man dies mit seinen Talenten, führt es zum Erfolg.

„Die Suche nach Talenten ist das zentrale Thema auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft.“

 

RP: Und wie steht es mit dem hochgelobten Faktor „Flexibilität“?
Gatterer: Das betrifft natürlich fast alle Branchen – die Tragweite von Flexibilität und Mobilität wird sich verstärken, auch wird man im Laufe des Berufslebens öfters wechseln. Warum sollte ein studierter Jurist sich nicht als Unternehmensberater selbstständig machen? Die Erfolgsstorys liefern ja meist jene, die etwas Ungewöhnliches wagen. Auch Menschen, die schon länger im Berufsleben sind, kommen daran nicht vorbei, sich mit Neuem wie etwa zeitgemäßen Technologien auseinanderzusetzen. Wer heute 40 ist, kann damit rechnen, 80 Jahre alt zu werden – ein guter Grund, sich mit den „Jungen“ mitzuentwickeln und auf denselben Stand zu kommen.

RP: Welche Anforderungen kommen auf die Unternehmen zu, um als gute Arbeitgeber zu gelten?
Gatterer: Attraktive Firmen setzen darauf, sich intensiv mit den Mitarbeitern und ihren Talenten zu beschäftigen, geben Raum für persönliche Ideen und Projekte, fördern ihre Stärken. Bei „Google“ etwa müssen Bedienstete zehn Prozent ihrer Arbeitszeit für eigene Projekte verwenden. Darin sieht man für Firmen in Zukunft das größte Potential, gute Kräfte anzuziehen – wenn diese sich einbringen und selbst verwirklichen können, haben sie Spaß an ihrem Tun – und liefern positive Ergebnisse.

RP: Gibt es noch weitere Faktoren, die zur Mitarbeiterbindung beitragen werden?
Gatterer: Die Unternehmenskultur wird zunehmend wichtiger. Wie werde ich als Mensch wahr- und ernstgenommen. Ein soziales Klima, in dem man sich wohlfühlt, kombiniert mit einem interessanten Umfeld und attraktiven Räumlichkeiten.

RP: Werden sich die Unterschiede von Männern und Frauen im Berufsleben ausgleichen?
Gatterer: Es wird noch ein paar Jahre dauern, aber die „neue Weiblichkeit“ hält stetig Einzug in die Berufswelt, immer mehr Arbeitgeber setzen bewusst darauf. Das sind äußerst gute Aussichten: Laut einer McKinsey-Studie machen Unternehmen, in denen ein Mann und eine Frau gemeinsam an der Spitze stehen, 50 Prozent mehr Gewinn.

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