Umsatzbringer Kochkurse

Ein Megatrend zur Zeit heißt: selber Kochen. Deshalb pilgern immer mehr Gourmet-Urlauber in die Gastrotempel, um den Profis auf die Finger zu schauen.
November 13, 2015

eine Gruppe besucht einen Kochkurs, der Kochlehrer gießt Olivenöl in die Teigmasse einer Dame Lässt sich mit Kochkursen wirklich mehr verdienen oder sind sie nur ein zusätzliches Angebot für Stammkunden und neue Gäste? Simon Taxacher (www.taxacherhof.at) vom Restaurant „Rosengarten“: „Wenn man sich auf die Ausrichtung von Kochkursen spezialisiert, ist daraus sicherlich ein Geschäft zu machen. Köche, die Kochkurse regelmäßig – gerade in der saisonal bedingten schlechteren Zeit – abhalten, können damit Schwankungen im Einkommen ausgleichen. Bei uns werden Kochkurse ausschließlich in der Nebensaison durchgeführt, da diese sehr viel Zeit und Vorbereitung in Anspruch nehmen.“

Johann Lafer (www.johannlafer.de) hat eigens „Table d´Or“ ins Leben gerufen, ein Forum für Kochkunst und Lebensart. Die Philosophie dahinter ist gemeinsam kochen, gemeinsam essen – eben ein kulinarisch sinnliches Erlebnis zu bieten. „Unsere Kochkurse sind anspruchsvoll, denn wir möchten den Teilnehmern das Beste für ihr Geld bieten. Dabei kommt es nicht darauf an, mit einem Rucksack voll Fachwissen bei uns anzutreten. Viel wichtiger sind ein paar wache Augen und eine große Portion Spaß am Kochen“, erläutert Johann Lafer. Weitergetragen wird das Konzept im „Table d´Or Club“. Hier verfolgt man das Ziel neue Fertigkeiten zu erlernen und die bereits erworbenen zu perfektionieren. Innerhalb des Clubs werden viele Freundschaften geknüpft, jährliche Clubtreffen veranstaltet und gemeinsame kulinarische Entdeckungsreisen unternommen. „Table d´Or“ bietet aber auch noch Weinseminare der Extraklasse an, die aus so manchem Weinliebhaber einen Kenner gemacht haben. Hier unterrichten die besten Profis der Weinszene auf informative und unterhaltsame Weise.

In Österreich war es Toni Mörwald (www.moerwald.at ), der vor 17 Jahren als einer der Ersten eine Kochschule in Feuersbrunn etablierte. Heuer ist vieles neu in der Kochschule: Die Kurse finden in der neuen Mieleküche oder in der Profiküche statt, jeder Teilnehmer erhält eine Schürze und eine Mörwald-Kochhaube als Grundausstattung und Toni Mörwald kocht wie immer selbst bei den Kochkursen. Aber auch Kochkurse in den fünf Feinschmecker-Restaurants von Toni Mörwald sind möglich. Hier kocht man mit den Haubenköchen Leonard Cernko, Martin Waschnigg-Theuermann, Stefan Stecher und Stefan Waldbauer. Bei Toni Mörwald können ambitionierte Hobbyköche sogar in die „Lehre“ gehen. Um den Titel „Chefkoch“ zu erhalten, müssen drei Schulstufen absolviert werden: Vom „Jungkoch“ über den „Koch“ bis hin zum „Chefkoch“ sind jeweils vier Abende à vier Stunden notwendig. In den Paketen inbegriffen sind Kochjacke und Kochschürze sowie eine Urkunde und ein Foto mit Toni Mörwald.

Eine sehr gute Idee um die Teilnehmer bei der Stange zu halten, die sonst vielleicht nur einen Kurs besucht hätten. Aber nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder kommen bei Mörwalds Spitzenköchen nicht zu kurz. Sie erlernen in zwei Stunden zwei Gerichte, die sie zu Hause einfach und leicht nachkochen können. Auch im berühmten Restaurant „Jaan“ im Raffles Le Mountreux Palace sind Kinder gern gesehene Kochschüler. Küchenchef David Tarnowski möchte junge Menschen in seine Kochkurse einweisen und ihnen die Freude am „kulinarischen Erleben“ nahe bringen. Seine Kochkurse haben sich zum Ziel gesetzt, dass Kinder verschiedene Geschmacksrichtungen und Strukturen entdecken, sich für die Küche interessieren und selber einfache Zubereitungen erlernen.

Kochkurs-Wonderland Berlin

zwei Köche bereiten eine fleischige Mahlzeit vor Ein wahres Paradies für Topfgucker ist die Berliner Gastronomie. Vom kulinarischen Salon in Charlottenburg, in welchem Nicole Ludwig Interessierten die Anti-Aging-Küche schmackhaft macht, bis zum Fischers Fritz am Gendarmenmarkt, wo man Sternekoch Christian Lohse bei der Zubereitung von Fischspezialitäten helfen darf, öffnen sich die Küchen Berlins für Hobbyköche, Profis und neugierige Beobachter. So lädt Sternekoch Markus Semmler vom Stuttgarter Hof jeden Mittwochabend zum „After Work Cooking“, einem geselligen Beisammensein, um ein viergängiges Dinner zu kochen. Wer dabei auf den Geschmack kommt, kann sich zum einmal im Monat stattfindenden Grundkurs anmelden, oder zu einem ganz speziellen Semmler-Abend, bei dem die Teilnehmer auf besonders hohem Niveau für ebenso viele von ihnen geladene Gäste kochen.

Vom Zwiebelschneiden bis hin zur Haute Cuisine bewegen sich die Schulungen von Marco Müller, dem Küchenchef der Rutz-Weinbar. Bei vielen Kursen sind auch die „blutigen Anfänger“ willkommen. Doch gerade bei einschlägigen Feinschmecker-Adressen kann es nicht schaden, wenn die Teilnehmer eigene Koch-Erfahrung mitbringen, denn sonst dürfte es schwierig sein einen Michael Hoffmann im „Margaux“ zu folgen. Wer mit einer größeren Gruppe kommen oder im kleinen privaten Kreis unter sich bleiben möchte, kann in vielen Häusern einen individuellen Kochkurs buchen. Während beispielsweise im art´otel berlin city center west Gruppen von zehn bis 25 Personen in Thai-Kochkursen ein asiatisches Vier-Gang-Menü kochen, werden im Jolly Hotel Vivaldi bis zu vier Interessierte in die traditionelle italienische Küche eingewiesen.

Das Hotel Bleibtreu richtet sich dagegen bei den kulinarischen Themen nach der jeweiligen Jahreszeit sowie den Wünschen der Teilnehmer. Ebenso ist es im E.T.A. Hoffmann, im Hilton am Gendarmenmarkt oder im Maritim pro Arte. Bezeichnenderweise finden die meisten Kochkurse in Hotelküchen statt. Kein Wunder – sind hier doch einige der ambitioniertesten Köche Berlins am Werk. So begrüßt regelmäßig Sternekoch Matthias Buchholz acht bis zehn Personen zu Küchenpartys und Kochkursen im Palace Hotel. In die Töpfe schauen darf man auch Thomas Kammeier vom „Hugos“ im InterContinental, Jörg Behrend vom Schlosshotel im Grunewald und Thomas Kellermann, Chef des „Vitrium“ im Ritz-Carlton.

Fazit: Kochkurse und Küchenpartys liegen voll im Trend. Die Preise sind sehr unterschiedlich und bewegen sich zwischen 70 und 300 Euro. Auch werden vielfach Packages mit Übernachtung und vielen weiteren Arrangements angeboten. Wenn man aber auf die Kursangebote der Sterne- und Hauben-Köche blickt und sieht, wie langfristig diese ausgebucht sind, kann man darin einen Trend erkennen, der sich sicherlich auch finanziell für den Veranstalter niederschlägt. Nicht zu vergessen sind auch die Mitbringsel der Kursteilnehmer wie Kochschürze, Rezeptheft, Urkunden und dergleichen, die Freunden und Bekannten gezeigt werden und somit Werbung für den Kochkurs und den jeweiligen Betrieb machen. Vielfach werden auch noch Kochkurse als Geschenksgutscheine angeboten.

Aber auch immer mehr private Kochschulen wie Mike´s Kochstudio (www.mikes-kochschule.at) schießen aus dem Boden. Hier bietet der international erfahrene Mike Süsser, er arbeitete unter anderem für Bernd Ackermann in Davos und in den Vereinigten Staaten, Kochkurse in der Schule aber auch privat an, denn wer möchte nicht einmal einen Haubenkoch ganz exklusiv am eigenen Herd erleben. Weiters auf dem Programm stehen Firmenkochkurse, bei denen sich die Mitarbeiter einmal auf eine ganz andere Art kennen lernen können oder Kochkurse unter dem Motto „Mike & Friends“, wo man bei ausgesuchten Spezialisten das Zubereiten exotischer Speisen erlernt. Um einen qualitativen Überblick über die Qualität der einzelnen Kochschulen zu bekommen, hat Gault Millau Deutschland auch diese bewertet. Als „Kochschule des Jahres“ wurde die „Gusto Geschmackswerkstatt“ des außerordentlich kreativen Frank Buchholz vom „Buchholz“ in Mainz ausgezeichnet. Ein Ansatz der sicherlich auch in Österreich sehr interessant wäre und außerdem eine Anerkennung für diese neue Sparte der Erlebnis-Gastronomie.

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