Ausgabe 189, NL Karriere 160508, POS 5 Karriere, Karriere-Tipps

Arbeiten in Toronto

Kanadas Millionenmetropole empfängt jedes Jahr Tausende Europäer: Welche Skills arbeitswillige Expats mitbringen sollten und welche Chancen auf sie warten.

Text: Kathrin Löffel     Fotos: Gary Blakeley, Brandon Barré Photography, Shutterstock, Eugen Sakhnenko/www.eugensakhnenko.com, beigestellt

Arbeiten in Toronto

Kanada ist das Australien der Erwachsenen

Kanada – das Land, in dem Milch und Honig fließen. Weniger klebrig, aber ungefähr mit der gleichen Utopievorstellung scheinen alle Auswanderer Kanada genauso zu vergöttern wie frischgebackene Schulabsolventen Australien. 

Zum einen mag die allgemein gängige sehr positive Vorstellung sicher mit der überwältigenden Natur zusammenhängen. Zum anderen aber auch mit der niedrigen Sprachhürde, die für die meisten leicht zu überwinden ist. Noch ein Plus des Landes: Man benötigt als Tourist aus der EU kein Visum, sondern lediglich einen gültigen Reisepass. Wer allerdings in Kanada oder speziell in Toronto Fuß fassen möchte, steht Auge in Auge mit der Bürokratie.

Nur kurze Arbeitsverhältnisse müssen nicht mit Einwanderungsanträgen einhergehen. Also ran ans Praktikum, wenn es an der Tür klopft. Allerdings wird eine Arbeitserlaubnis bei den meisten Stellen vorausgesetzt. 

Doch lieber länger im Land bleiben?

Dann muss die Arbeitserlaubnis her! Nur jetzt kommt das Manko: Wenn die Arbeitserlaubnis sicher durchgehen soll, muss schon vorher eine feste Stellenzusage eines kanadischen Unternehmens vorliegen. Und da liegt das Ahornblatt begraben: Dafür muss der Arbeitgeber schon seine Zeit beim kanadischen Arbeitsamt verbracht haben und lieb fragen, ob er überhaupt die Stelle an den ausländischen Bewerber vergeben darf. Kommt das Arbeitsamt zu dem Entschluss, dass auch ein kanadischer Arbeitssuchender die Stelle übernehmen kann, wird es eng für Expats.

Architektur in Toronto

Die Prozedur von der Bewerbung über den Antrag beim Arbeitsamt bis zur entscheidenden Arbeitserlaubnis ist lang und anstrengend. Wer kann es da kanadischen Unternehmen verübeln, dass sie diesen langen Weg nicht auf sich nehmen? Hinzu kommt, dass das kanadische Amt die Schnelligkeit von zäh fließendem Ahornsirup nur wenig überschreitet.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Aber es gibt Möglichkeiten, dieses hakelige System des kanadischen Arbeitsamtes zu umgehen! 

Nummer eins: Austauschprogramme. Schulen und Universitäten bieten häufig Austausche an. Dann kann die Arbeits-erlaubnis zusammen mit der Austauschorganisation beantragt werden. 

Ausnahme Nummer zwei: Keine Prüfung der eigenen Person durch das Arbeitsamt dürfen Gastwissenschaftler und Zwangsversetzte erwarten. Wenn also die Firma nach Kanada auswandert, nutze die Chance! Vielleicht braucht der Chef nur noch den letzten Schubs Richtung Milch und Honig? Für Expats ist das auf jeden Fall der leichteste Weg. 

Ausnahme Nummer drei: Sonderfälle. Leider kommen Sondergenehmigungen eher im IT-Bereich vor. Ach ja, und natürlich dürfen Sportler und Künstler ohne Arbeitserlaubnis einreisen. Wenn deine Kunst am Teller nicht als das geilste Kunstwerk, das es nun mal ist, anerkannt wird oder sich auch inländische Hotel-Cracks für deine Lieblingsstelle bewerben, bleibt nur noch der Schritt über das Unternehmen. Große Hotelketten haben meist auch in der Metropole Kanadas Destinationen, sodass sich hier ein Einstieg in die Kette aus internationaler Karrieresicht absolut lohnt. 

Mehlspeisen in Toronto

Wer dann endlich Arbeit im schillernden Toronto gefunden hat, darf sich auf einen Hotspot der Superlative freuen. Unzählige Restaurants, luxuriöse Hotels, wilde Hockeyspiele und geniale Clubabende warten auf Expats. Und wer sich dann doch von dem lauten Stadtleben zurückziehen möchte, findet in den türkisblauen Seen des Landes Abkühlung, wandert gemeinsam mit Bären und Elchen durch kilometerlange Wälder oder klettert auf gigantische Berge.

Die unberührte Natur Kanadas liegt jedem Auswanderer zu Füßen. Wer einmal durch ein Naturschutzgebiet geschlendert ist, versteht, warum jedes Jahr mehrere Tausend Europäer Kanada als das gelobte Land erleben möchten.

Der Expat im Interview: Daniel Pasquali-Campostellato

Daniel Pasquali-Campostellato

Wie kam es dazu, dass Sie im letzten Jahr nach Toronto auswanderten?
Daniel Pasquali-Campostellato: Ich war bereits zu Beginn meiner Karriere in der Hotellerie in Toronto. Schon damals hat mir die Stadt sehr gut gefallen und ich wollte immer für längere Zeit dort leben. Allerdings machte ich mehrere Stopps: in Asien und auch in meinem Heimatland Österreich. Erst im vergangenen Jahr – zehn Jahre nachdem ich zuletzt in Toronto war – bekam ich die Chance, wieder in die kanadische Stadt zurückzuziehen. 

Welche Stationen haben Sie genau durchlaufen?
Pasquali-Campostellato: Ich bin in einer österreichischen Hoteliers-Familie aufgewachsen. Nachdem ich das höhere Diplom der Tourismus-Management-Schule absolviert hatte, zog ich in die Schweiz, um den Master of Business Administration am Internationalen Management Institut in Luzern zu erreichen. Meine Karriere startete dann in Toronto im Delta Chelsea Hotel, für die IHG-Gruppe und die Austria International Hotels. Danach wechselte ich im Jahr 2008 in den Bereich Sales und zur Starwood-Gruppe. Für mehrere Hotels der Kette übernahm ich die Aufgaben des Sales Managers. Innerhalb der Starwood-Gruppe nahm ich für die zwei Hotels Goldener Hirsch und das Sheraton Salzburg die Stelle als Direktor für den Bereich Sales und Marketing an.

Und dann führte Sie die Karriereleiter wieder nach Toronto?
Pasquali-Campostellato: Nein. Zuvor war ich noch im W Retreat & Spa auf der Insel Bali. Von da aus wechselte ich nach Toronto. Hier übernehme ich die Leitung des globalen Leisure-&-Luxury-Teams von Nord America. Außerdem kann ich meiner Leidenschaft, dem Reisen, nachgehen und lerne viele neue Kulturen kennen, mit denen ich gemeinsam arbeiten darf.

Was mögen Sie an der kanadischen Stadt besonders gerne?
Pasquali-Campostellato: Toronto ist eine Multikulti-Stadt.Und die Einheimischen sowie die Lebensqualität hier sind großartig. Nicht zuletzt ist die atemberaubende Natur Kanadas ein ausschlaggebender Grund für mich gewesen, hierher zu ziehen. Trotzdem gibt es urbane Ballungszentren – eben wie Toronto oder Ottawa, die Hauptstadt Kanadas –, die das Gesamtbild des Landes richtig spannend machen. 

Gibt es Unterschiede zum Leben in Europa?
Pasquali-Campostellato: Das Gesundheitssystem ist anders als das österreichische. Es gibt beispielsweise keine privaten Ärzte. Das öffentliche Gesundheitssystem nennt sich Medicare und wird von den einzelnen Staaten und Provinzen über Steuern finanziert, sodass es unterschiedliche Leistungen geben kann. Medikamente werden allerdings nicht beziehungsweise nur bei Ausnahmen – Langzeitkranken oder Personen über 65 Jahre – vom Medicare übernommen. Im Allgemeinen ist es aber sehr leicht, sich in Kanada zurechtzufinden. Dazu kommt, dass die Kanadier immer freundlich und hilfsbereit sind.

Auf welche Benefits dürfen sich Expats freuen?
Pasquali-Campostellato: Es gibt nur wenige Benefits in den Unternehmen. Meist sind es eher solche, die die Gruppe im Allgemeinen für ihre Mitarbeiter weltweit zur Verfügung stellt. Außerdem bieten einige Unternehmen medizinische, zahnärztliche oder Rentenversicherungen an. 

Welchen Tipp würden Sie einem Freund geben, der in Toronto einen Job sucht?
Pasquali-Campostellato: Finde ein Unternehmen, das dir die Arbeitserlaubnis sponsert. Nach einem Jahr fester Anstellung steht dann die dauerhafte Erlaubnis an.

Möchten Sie noch etwas über Toronto loswerden?
Pasquali-Campostellato: Toronto ist eine geniale Stadt, um hier zu leben und zu arbeiten. Von den unzähligen Freizeit- und Sportangeboten ganz zu schweigen.

www.starwoodhotels.com 

Karrierechance Toronto

Der Job-Check

Karrierechance

Problem Nummer 1: Arbeitserlaubnis – Auswärtige Bewerber konkurrieren immer mit dem aufwendigen Arbeitserlaubnisverfahren. Besser: Arbeits- und Aufenthaltsstatus vorher klären.

Mentalität

Mit offenen Armen – Kanadier sind Zuwanderer gewöhnt und ihnen sehr offen gegenüber eingestellt. Sie sind freundlich und respektvoll –  perfekt für das Arbeiten im Team.

Lebenshaltung

Weniger trinken, mehr essen – Was Essen, Kleidung und Benzin betrifft, ist Kanada etwas günstiger als andere westliche Länder. Wirklich zu buche schlagen Luxusgüter, Mieten und Alkohol.

Sprache

Englisch geht immer! Französisch ist nur die Muttersprache von etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung. Und selbst wenn: Alle sprechen fließendes Englisch. No Problem at all!

Arbeiten in Toronto

Die besten Job-Adressen

www.shangri-la.com/corporate/careers/ 

jobs.fourseasons.com 

www.trumphotelcollection.com/toronto 

www.thehazeltonhotel.com 

www.jobs.ritzcarlton.com 

www.windsorarmshotel.com 

www.grandhoteltoronto.com  

www.blackrockcareers.com 

27.04.2016