Ausgabe 189, F&B Know-how

Kochen im Mittelalter: Die Viersäftelehre

Der Koch ist der bessere Arzt. Schon im Mittelalter gab es diese kluge Regel.

Text: Georg Hoffelner     Fotos: Monika Reiter

Balance der Säfte

Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle: In der mittelalterlichen Vorstellung drehte sich alles im Körper um diese vier Kardinalsäfte. Nach der Säftelehre bedeutete ein Gleichgewicht der Säfte nämlich Gesundheit, ein Ungleichgewicht hingegen Krankheit.  Helmut Klug vom Verein Kulinarisches Mittelalter erklärt: „Die Säftelehre ist ein theoretisch-philosophisches Konstrukt, das dem Individuum eine bestimmte Mischung aus den Grundelementen Erde, Feuer, Wasser, Luft zuschreibt.“  Diese Elemente haben die Primärqualitäten warm – kalt, feucht – trocken. Diese werden nach Graden von eins bis vier abgestuft, wobei der erste Grad mild wirkend ist, der vierte extrem gesundheitsschädlich. Jedes Individuum hat eine Grundtendenz in Bezug auf diese Qualitätenmischung.  Mittelalter-Forscher Klug verdeutlicht, wie sich diese auswirken: „Heute kennen wir das noch in den Charaktertypen Phlegmatiker, Choleriker, Sanguiniker und Melancholiker.“ Abhängig von vielen Faktoren wie Alter, Jahreszeit, Tageszeit, Schlafmenge oder auch Bewegung kann man von dieser Grundtendenz etwas abweichen. 

27.04.2016