Ausgabe 193, NL Karriere 160731, POS 6 Karriere, Management-Tipps

Die Steve Jobs der Branche

Die einen werden als Garagenfirma berühmt, die anderen als Spin-Off der Labortechnik: Die ungewöhnlichen Geschichten der Top-Lieferanten.

Text: Daniela Almer     Fotos: Shutterstock (Anton Ivanov), Wedl Handels-GmbH, Krüger Mike, Lukas Georg Jahn, Claudio Martinuzzi, Werner Krug, Monika Reiter

Brillante Erfinder, Rebellen, Visionäre

Steve Jobs, der Mitbegründer und langjährige CEO von Apple Inc., gilt als der Leonardo da Vinci unserer Zeit. Jobs lebte für technologische Innovationen und revolutionierte die Welt mit seinen Produkten.

Grandiose Visionäre und unangepasste Querdenker findet man aber ebenso in anderen Branchen, wie der Gastronomie. Mut, Risikobereitschaft, ein Gespür für Trends und eine jobsähnliche Innovationskraft sind nur ein paar der enorm wichtigen Voraussetzungen, um als Spitzenlieferant und -produzent der Branche zu gelten.

Inspirierendes Storytelling

Bei der deutschen Hiestand-Gruppe, die Marktführer für tiefgekühlte Premium-Convenience-Produkte ist, werden monatlich 75.000 Kundenbestellungen bearbeitet. Die Metro Group hat 230.000 Mitarbeiter und das deutsche Traditionsunternehmen Friedr. Dick gibt es seit durchgehend 238 Jahren – Zahlen, Daten und Fakten diverser Erfolgsunternehmen beeindrucken, aber Geschichten sagen viel mehr über ein Unternehmen und die Persönlichkeiten dahinter aus, als nackte Umsatzzahlen oder komplexe Marketingstrategien hergeben.

Die eine zündende Idee kann den Nachbarn von nebenan in einen kreativen Pioniergeist verwandeln. So geschehen bei Hermann Herbstreith, der vor 82 Jahren die Bedeutung von Apfelpektinen für die Gastronomie entdeckte. Herbstreith legte damit den Grundstein für die seit Mitte der 1970er-Jahre unter dem Namen Herbstreith & Fox bekannte Unternehmensgruppe, aus der unter anderem 1980 die erfolgreiche Tochtergesellschaft Herbafood hervorging.

Auch heute noch steht das Unternehmen für zukunftsweisende Innovationen auf Basis natürlicher Komponenten: 2011 erfolgte die Markteinführung von BASIC textur unter der Marke herba cuisine. Ein Texturgeber, der nur aus Wasser und Zitrusfasern besteht und vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der gehobenen Küche bietet.

Porträt von Manfred Zieer, Chef der Design-Manufaktur Zieher

Es gehören Mut und Risikobereitschaft dazu, einen neuen Weg einzuschlagen: Der 1986 gegründete Betrieb der Familie Zieher fungierte in den ersten 20 Jahren seines Bestehens als reine Vertriebsfirma für Haushalts- und Gastroprodukte. 2006 traf man die alles verändernde Entscheidung, vom Vertriebsunternehmen zur Design-Manufaktur zu werden, noch im selben Jahr kamen die ersten von Zieher entworfenen Produkte auf den Markt.

Heute zählt das Unternehmen zu den weltweit führenden Zulieferbetrieben im Bereich Buffet- und Tabletop-Artikel für 5-Sterne-Hotels und Spitzenrestaurants. Mit der Produktlinie Zieher „Selection“ ist ein Teil des Sortiments seit Kurzem auch auf den Endverbraucher ausgerichtet.

Es gibt sie, die Unternehmen, die vor Jahrzehnten gegründet wurden und durchgehend in Besitz einer Familie geblieben sind: wie das am Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer ansässige Familienunternehmen Friesenkrone, das 1904 von Heinrich Schwarz sen. aus den Angeln gehoben wurde und heute bereits in vierter Generation von Hendrik Schwarz geleitet wird.

Setzte man hier zu Anfang noch auf Krabbenfleisch, legte Friesenkrone ab den 1960er-Jahren den Fokus auf Heringspezialitäten. Dem Unternehmen gelang es, den Matjes unter dem Motto „So lecker, frech und jung kann Matjes schmecken“ einzigartig am Markt zu positionieren.

Auch das österreichische Unternehmen Rauch Fruchtsäfte, das 1919 von Franz Josef Rauch als kleine Mostpresserei in Vorarlberg gegründet wurde, ist noch fest in Familienhand. In den letzten Jahrzehnten platzierte Rauch sein wachsendes Sortiment erfolgreich am nationalen und internationalen Markt und ist heute unter anderem der weltweit einzige Lohnabfüller für Getränke von Red Bull.

1778 gegründet, hält Friedr. Dick noch heute den Markt mit Qualitatsschneidware auf Trab.

Wie wichtig Mitarbeiter für ein Unternehmen sind, weiß auch die Firma Meiko, die alle Hebel für sie in Bewegung gesetzt hat. Denn das deutsche Unternehmen für Spültechnik, Reinigungs- und Desinfektionstechnologie, das 1927 von Oskar Meier und Franz Konrad gegründet wurde, gehört heute der Oskar-und-Rosel-Meier-Stiftung und damit sich selbst. Die Firma ist auch nicht veräußerbar.

 



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22.07.2016