Ausgabe 203, Konzepte & Openings

grätzlhotels: Wiener auf Zeit sein

Die Metropole abseits touristischer Trampelpfade erleben: Warum die Wiener grätzlhotels mit ihrem Individualreise-Konzept Airbnb und Co. alt aussehen lassen.

Text: Daniela Almer     Fotos: Claudio Martinuzzi, Heidrun Henke, Ingo Karnicnik, Monika Nguyen



Alles, nur kein Mainstream

Kaiser Franzl, Sisi, Sachertorte und Co. – dass Österreichs Hauptstadt weit mehr zu bieten hat als abgedroschene Klischee-Bilder, werden wohl schon einige vermutet haben. Trotzdem wandeln viele Besucher während ihres privaten oder beruflichen Aufenthalts in Wien auf den üblichen Touri-Main­stream-Pfaden – oftmals wegen scheinbar mangelnder Alternativen.

Städtetrips werden zwar immer beliebter, aber wie sehr der internationale Markt bereits von den traditionellen Pauschalreisen mit Rundum-Hotelservice und den obligatorischen Stadtführungen, bei denen man folgsam wie ein Lemming einem bunten Regenschirm hinterhertrabt und Picturepoints bei den klassischen Sehenswürdigkeiten inmitten amerikanischer oder asiatischer Touristenhorden absolviert, gesättigt ist, bestätigt der Boom von Online-Plattformen wie Airbnb oder Wimdu.

Anfangs von der Hotellerie belächelt, avancierte dieses private Unterkunftssystem in den letzten Jahren zum Mekka für Individualreisende, da es unter anderem die verlockende Möglichkeit bietet, das Urlaubsziel authentisch zu erleben. Denn wie ein Land oder eine Stadt wirklich ist, weiß man erst, wenn man sie aus Sicht der Einheimischen entdeckt.

Zu Hause fühlen im Grätzel

Auf diesen Trendzug sprang vor mittlerweile sechs Jahren die heute als Urbanouts Hospitality GmbH firmierende Hotelbetreiber-Gesellschaft der grätzlhotels in Wien nicht nur auf, sondern entwickelte das System auch weiter.

Zunächst realisierten die Unternehmen Urbanouts GmbH und die Grätzlhotel Betriebs GmbH parallel und unabhängig voneinander das Streuhotel-Konzept: In den Grätzeln des zweiten und vierten Wiener Bezirks wurden leer stehende Geschäftslokale zu Hotelsuiten umfunktioniert.

Und um aufgrund des ähnlichen Wortklangs Missverständnissen gleich vorzubeugen: Grätzel haben natürlich nichts mit der ansteckenden und stark juckenden Hautkrankheit zu tun, die man im Übrigen auch anders schreibt, sondern das Wort ist ein ostösterreichischer, umgangssprachlicher Ausdruck für den Teil eines Wohnviertels. Vergleichbar etwa mit dem Kiez in Berlin oder dem Veedel in Köln.

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15.03.2017