Ausgabe 205, START Portraits und Jobtip of the Day, F&B Know-how

Coffee vs. Tea: Krieg der Tassen

Lange sonnte sich der Kaffee in der Aufmerksamkeit des Publikums, jetzt drängt der Tee ins Rampenlicht: Wer von beiden den internationalen Markt rockt, im aktuellen Trendcheck.

Text: Daniela Almer     Fotos: Chalait, Madeye Photography, samovar tea, elbgold, Maria Petersen, www.roestbar.com, The Ritz-Carlton, Vienna, Walter’s Coffee Roastery, tobylewisthomas, Timothy Harris

Kaffee oder Tee? – An dieser Frage scheiden sich die Geister

Lange Zeit mussten modern gesinnte Teeliebhaber ihre Nasen an die Scheiben hipper Coffeeshops pressen und mit neidvollen Blicken zusehen, wie um das schwarze Gold ein internationaler Kult betrieben und mit viel Innovationskraft das Beste aus der Bohne herausgepresst wurde. Ein Äquivalent für den Teekonsum gab es bis vor ein paar Jahren nämlich nicht. Dabei ist Tee nach Wasser das meistkonsumierte Getränk auf dem Globus. Die Coffee-Tea-Bar Chalait in New York Kaffee, Tee oder doch lieber Matcha? In der angesagten Coffee-Tea-Bar Chalait in New York kommt man in jeder Hinsicht auf seine Kosten.  Weltweit sind übrigens die Ostfriesen ungeschlagene Spitzenreiter, wenn es um den aromatischen Trunk geht. Ganze 300 Liter wurden hier laut dem Deutschen Teeverband durchschnittlich pro Kopf und Nase im Jahr 2016 genossen. Im Vergleich dazu nimmt sich etwa Großbritannien, wo die Liebe zum Tee quasi mit der Muttermilch weitergegeben wird, mit etwa 201 Litern mager aus. Aber auch der Kaffee braucht sich nicht zu verstecken: In Österreich wurden im vergangenen Jahr 162 Liter des Genussgetränkes pro Person konsumiert, damit führt Kaffee das Ranking vor Bier und Mineralwasser an, wie es die Statistik des Österreichischen Kaffee- und Teeverbands schwarz auf weiß belegt. Keine Frage: Der Trend zu Tee und Kaffee als heiß begehrte Genussmittel ist ungebrochen. Darum ist es aber umso weniger verständlich, warum der Kaffee als Gourmet- und Lifestyleprodukt seit Jahrzehnten hypt und der Tee wie Aschenputtel lange Zeit äußerst stiefmütterlich behandelt wurde. Aber die ultimative Aufmerksamkeit, die Kaffee und vor allem Coffeeshops heutzutage rund um den Globus genießen, kam auch nicht von heute auf morgen.

Kaffeegesteuert

Vollzog Starbucks-Mastermind und langjähriger CEO Howard Schultz in den 1980er-Jahren den revolutionären Schritt, den Kaffee sukzessive vom Alltags- zum Lifestyleprodukt zu etablieren, sorgten in den letzten zehn Jahren vor allem individuell konzipierte, progressive Coffeeshops international für einen Kaffee-Boom. So sehr, dass sich selbst große Unternehmen wie eben Starbucks mittlerweile am Riemen reißen müssen, um nicht den (qualitativen) Anschluss vor allem bei den jungen Gästen zu verlieren. Um am Ball zu bleiben, hat Starbucks unter anderem als eines der ersten Unternehmen dem beliebten Coffee-to-go-Einwegbechersystem den Kampf angesagt und setzt jetzt auf die Mehrwegalternative: Wer als Gast sein Trinkgefäß selbst mitnimmt, bekommt zehn Cent Rabatt auf das Getränk. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Die Konsumenten tun etwas für die Umwelt und Starbucks und Co. können mit Nachhaltigkeit punkten, auch ein wichtiges Thema bei der sogenannten dritten Welle der Kaffeebewegung. Hier liegt der Fokus übrigens nach wie vor auf Craft- beziehungsweise Speciality-Coffee-Service, wie der Gastro-Innovationsexperte Pierre Nierhaus und Johannes Hornig, Geschäftsführer von Hornig Kaffee, einstimmig feststellen.

02.05.2017