Ausgabe 220, Porträts

Dieter Biesler: Mein größter Fehler

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Dieter Biesler.

Text: Andrea Böhm     Fotos: Thomas Haindl

Man nehme die Zeit, wo sich Köche rein dem Zubereiten von Speisen widmeten und sie sich nicht im Traum hätten vorstellen können, welchen Boom ihre Profession später hervorrufen würde. Außergewöhnliche Produkte waren eine Besonderheit und schwer zu bekommen und Kochshows lagen noch in weiter Ferne. Das war die Zeit, in die Dieter Biesler, Jahrgang 1945, hineinwuchs und als Kochlehrling in die Branche startete. Der Beginn einer langjährigen Freundschaft, wenn nicht sogar Liebe, könnte man verträumt sagen.

Später bewirtete er Staatschefs auf dem Petersberg, wirkte als Troubleshooter für die Intercontinental-Kette in Asien und erkochte sowohl für das Vier Jahreszeiten in München als auch für das Kempinski Hotel Frankfurt Gravenbruch einen Stern.
Gemeinsam mit Eckart Witzigmann, Hans-Peter Wodarz und Otto Koch gehörte er zu den Jungen Wilden seiner Zeit und wenn er beginnt, aus dem sprichwörtlichen Nähkästchen zu plaudern, könnte er ganze Abende damit füllen.

Dieter Biesler

Wie mit jener Geschichte aus dem Jahr 1972 im Hotel Vier Jahreszeiten in München. Es war das Jahr der Olympischen Spiele in München und zur selben Zeit waren auch zwei Hollywoodstars Gast des Hauses: Elizabeth Taylor und Richard Burton. „Wir hatten unheimlich viel zu tun. In jedem kleinen Salon war irgendein Essen. In einem war der Prinz Rainier von Monaco, in dem anderen war Prinzessin Margaret“, erinnert er sich, als wäre es gestern gewesen, und erzählt weiter: „Und plötzlich, in all diesem Gewusel der VIPs, kam eine Order aus der Suite von Elizabeth Taylor.

Sie wolle ein paar Hundert Gramm Rindertatar in ganz kleine Würfel geschnitten für ihre Katze.“ Das war der Moment, in dem selbst dem sonst so besonnenen Dieter Biesler fast der Kragen geplatzt wäre. „Das war schon eine Zumutung“, bestätigt er.
Der Schatz an Anekdoten wie auch an Erfahrungen ist reich. Doch wenn man den über 70-Jährigen heute fragt, ob es doch nicht irgendwas gäbe, was er gerne anders gemacht hätte, dann fällt die Antwort bestimmt aus: „Wenn ich das reflektiere, dann hätte ich schon zehn Jahre früher beginnen sollen, meine Träume zu erfüllen.“

HIER registrieren

10.04.2018