Karriere in Hongkong

Der duftende Hafen ist das Tor nach Asien: Wer hier besteht, pusht seine Karriere im Reich der Mitte und im Rest der Welt – zwischen Weltküche en miniature, Kulturschock, niedrigen Steuern und unglaublicher Vielfalt.
November 13, 2015 | Fotos: Aqua Dining, The Luxe Manor, Shangri-La/Hong Kong, InterContinental Hong Kong, Werner Krug, beigestellt

Yeine bezaubernde Rooftop Bar in Hongkongou love it. Or you hate it.“ Klare Worte aus dem Mund von Jan Svoboda, seines Zeichens Hotel Manager im The Peninsula Hongkong und gebürtiger Österreicher. „Lieb es oder lass es“, schlägt Andreas Muller, der deutsche Chef Instructor der Hospitality School, in die gleiche Kerbe. Hongkong, das ist die Welt in Miniaturausgabe, das ist Hektik, Schnelllebigkeit und jede Menge Stress, aber auch open Mindedness und ein inspirierendes Konglomerat der (Ess-)Kulturen. „Man kann hier unglaublich viel lernen, weil Menschen und Küchen aller Länder vertreten sind“, betont Muller. „Hongkong gehört neben Singapur zu den westlichsten Städten des Kontinents“, sagt Svoboda, „es ist quasi das New York Asiens“. Und damit eignet es sich auch für all jene, die im asiatischen Bereich erst Fuß fassen wollen. Øyvind Naesheim, Executive Chef im Nobu im InterContinental, schätzt vor allem „die gewaltige Energie, die hier spürbar ist, und die unglaubliche Vielfalt der Produkte aus aller Welt. Limits gibt es hier praktisch keine.“ Trotz alledem rät Svoboda zu einem Erkundungstrip vor dem Jobantritt: „Hat man den Vertrag unterschrieben und reist erst dann zum ersten Mal ins Land, kommt der Wake-up-Call zu spät.“ Den Kennenlerntrip sollte man dabei unbedingt für Vorstellungsgespräche nützen.

Der Einstieg in die Arbeitswelt ist zwar nicht mehr ganz so einfach wie in früheren Jahren, als im All-inclusive-Jobpaket gut und gerne auch die Miete und die Steuern enthalten waren. Vor allem kleinere Unternehmen …

eine Hotelbar in Hongkong mit einer Flaschensammlung im Hintergrund … überlassen es heute öfter dem Arbeitsuchenden, ein Visum zu besorgen. Grundsätzlich gilt wie so oft: Ein Visum mit Arbeitsbewilligung wird in der Regel erteilt, wenn ein Anstellungsschreiben oder ein Arbeitsvertrag vorliegt und der Arbeitgeber nachweist, dass keine einheimische Kraft verfügbar ist. Wer die Hongkong-ID-Card in Händen hält, darf ans Werk gehen. Für einen Job in Hongkong spricht neben der Vielfalt an möglichen Erfahrungen der absolut niedrige Steuersatz: Bloß rund 16 Prozent sind zu kalkulieren, um bis zu zwei Drittel weniger als im europäischen Raum. Das macht freilich auch die Gehälter attraktiv – allerdings muss man in Sachen Housing tiefer in die Tasche greifen. „Hongkong gehört zu den teuersten Plätzen der Welt“, erinnert Jan Svoboda. Und damit auch zu den Orten mit den weltweit höchsten Mieten.

Mit 6420 Einwohnern pro Quadratkilometer – im Vergleich dazu hat beispielsweise die Schweiz 172 Einwohner pro Quadratkilometer – hat Hongkong eine außerordentlich hohe Bevölkerungsdichte. In bestimmten Stadtteilen wohnen auf einem Quadratkilometer sogar bis zu 44.000 Menschen. Hier leben viele Menschen auf begrenztem Raum, das treibt die Mieten in die Höhe. Für 60 Quadratmeter muss man mit 1400 Euro aufwärts rechnen – in niedrigeren Positionen muss man also damit rechnen, einen beträchtlichen Teil für die Mietkosten aufzuwenden. Eine 90-Quadratmeter-Wohnung kann zwischen 2500 und 6000 Euro kosten. Sich auf weniger Raum zu beschränken oder eine Wohngemeinschaft in Erwägung zu ziehen, ist daher durchaus ratsam. Oder aber Verhandlungsgeschick. Wer eine sogenannte „living allowance“ erhält, dem werden auch die Mietkosten abgegolten. Svoboda bewohnt ein Apartment direkt im Hotel, ist dafür aber auch fast rund um die Uhr greifbar. „9 to 5 existiert hier praktisch sowieso nicht, 6 Tage die Woche und ein Pensum von 10 Stunden aufwärts pro Tag sind für Managementpositionen Standard“, berichtet Svoboda. Eine finanzielle Abgeltung für Überstunden existiert praktisch nicht.
Die Arbeitsbedingungen können für Nichtasiaten durchaus gewöhnungsbedürftig sein: „Die Küchen sind teilweise vergleichbar mit solchen in Unterseeboten, sie sind eng, überfüllt und dunkel. Auch Büros sind teilweise winzig und erinnern eher an Zellen“, erzählt Christopher Gallaga, Mitglied der Hongkong Chefs Association.

eine offene Kochstelle inklusive Buffet Trotz der Herausforderungen lohnt sich ein Job in Hongkong in jedem Fall. Einheimische leben mit dem Fünftel des Gehaltes von Expats oft sehr komfortabel – sie kaufen auf lokalen Märkten ein (während Ausländer teurere Supermärkte im Western Style bevorzugen), nützen den öffentlichen Verkehr. Riesige Parkanlagen, der kosmopolitische Spirit, die besten und dank der Steuern auch leistbaren F&B-Produkte aus aller Welt und die gute Ausgangsposition, um Asien zu erkunden, sind überaus attraktiv. „Es ist ein großartiger Ort“, schwärmt Gallaga.

Für die Jobsuche empfiehlt sich die Inanspruchnahme eines Headhunters oder der direkte Kontakt zu großen Hotelkonzernen – Shangri-La, Mandarin Oriental oder Hyatt haben beispielsweise ihre Headquarters in Hongkong. Zudem gilt: „Wer in Hongkong gearbeitet hat, der findet überall in Asien einen Job“, sagt Muller, der Mitglied der Hongkong Chefs Association ist, die bei der Jobsuche und den ersten Schritten in Hongkong mit Rat und Tat zur Seite steht.

Für Europäer sind vor allem Seniorchef- und Managementpositionen von Interesse. Ein Souschef im Hotel verdient rund 30.000 Hongkong-Dollar (rund 2800 Euro) monatlich, ein Executive Chef um die 50.000 Hongkong-Dollar (rund 4700 Euro). Man kommt nicht nur nach Hongkong, um etwas zu lernen, „man erwartet auch von dir, dass du etwas lehrst und dein Wissen weitergibst“, sagt Muller. „Hat man einmal den Start geschafft, wird die Sache einfacher. Brich Brücken aber niemals hinter dir ab, jeder kennt den anderen“, rät Naesheim. Unter den 180 Mitarbeitern in der Küche im InterContinental finden sich vier Europäer, unter den 800 Hotelmitarbeitern 50.
Fließendes Englisch versteht sich von selbst, vor allem in lokalen Unternehmen sollte man sich rechtzeitig mit dem Chinesischen oder Kantonesischen auseinandersetzen. „Die meisten Leute, mit denen man zusammenarbeitet, sprechen Englisch, dennoch gibt es oft Missverständnisse“, erzählt Naesheim, der seit zwei Jahren in Hongkong lebt. Gefragt sind Respekt, Toleranz und Diplomatie – der direkte Weg ist meist nicht der empfehlenswerte.

"Das soziale Netz ist engmaschig, jeder kennt jeden. Ist man einmal im Kreis, ist es einfacher. Daher: Kontakte pflegen!"

Øyvind Naesheim, Executive Chef, Nobu, InterContinental, Hongkong.

Der Karrierecheck

eine Hotelrezeption im asiatischen Stil

Arbeitsumfeld

In der 7-Millionen-Metropole ist Platz Mangelware, das erfordert Leben und Arbeiten auf engstem Raum. Der Sicherheitsfaktor ist hoch, das Gesundheitssystem – vor allem privat versichert – top. Hongkong ist ein idealer Ausgangspunkt, um Asien zu erkunden.

Jobangebot

Es gibt viele attraktive Jobs, der Wettbewerb um die besten Positionen ist allerdings hart.

Karrierechancen

Der Einstieg in den Arbeitsmarkt ist schwierig; hat man das geschafft, hilft Networking ungemein weiter. Hat man sich in Hongkong bewährt, kann das die Karriere ungemein pushen.

Benefits

Vergünstigungen und Extrazuckerln sind Verhandlungssache, können aber auch einen beträchtlichen Teil des Jobpackages ausmachen – etwa mit einer Übernahme der Mietkosten. Bonussysteme gibt es auch.

Freizeitfaktor

Zumeist 6-Tage-Woche, man muss mit 60 Arbeitsstunden rechnen. Innerhalb von 7 Tagen ist zumindest ein freier Tag Standard. 19 Tage Urlaub. Ganz Asien liegt praktisch vor der Haustüre – und damit auch Freizeitmöglichkeiten ohne Ende.

Interview mit Christopher Gallaga

Christopher Gallaga ist Mitglied der Hongkong Chefs Association, kennt den duftenden Hafen wie seine Westentasche und die Challenge, der man sich stellen muss.

Arbeiten in Hongkong ist ein Karriereturbo

Christopher Gallaga, ein Mitglied der Chefs Associaton

ROLLING PIN: Wie einfach oder schwierig ist es, in Hongkong Karriere zu machen?

Christopher Gallaga: Nicht schwieriger oder einfacher als anderswo. Die Arbeitslosenquote ist sehr niedrig, die Arbeitsleistung und Effizienz hoch. Der Wettbewerb um Jobs ist hart, besonders um die Toppositionen. Das goldene Zeitalter für Expats ist 1997, als die britische Kronkolonie an China zurückgegeben wurde, zu Ende gegangen. Die Einheimischen haben ihr Know-how im Food & Beverage-Business ausgebaut und damit extrem aufgeholt, viele Stellen werden heutzutage lokal besetzt.

RP: Welchen Herausforderungen muss man sich stellen, wenn man in Hongkong bestehen will?

Christopher Gallaga: Der große Druck, unter dem gearbeitet wird, die besondere chinesische Mentalität, die Menschenmassen, der Kulturschock – das alles führt anfangs bei vielen zu Frust. Wenn Hongkong die erste Station eines Expat-Abenteuers ist, muss man sich auf eine echte Challenge einstellen. Hier will man von Leuten profitieren, die ihr Wissen und auch ihr kulturspezifisches Know-how weitergeben. Natürlich ist auch das Leben auf engem Raum eine Herausforderung. Wir leben sprichwörtlich übereinandergestapelt in 60-stöckigen Wolkenkratzern, selbst im ländlicheren Gebiet. Auf der Straße oder in der U-Bahn fühlt man sich wie eine Sardine in der Dose. Das Schlagwort Work-Life-Balance hat hier noch keinen wirklichen Wert. 

RP: Warum zahlt sich diese Challenge auf alle Fälle aus?

Christopher Gallaga: In Bezug auf die Sicherheit und den Komfort des täglichen Lebens kann Hongkong mit jeder westlichen Stadt mithalten. Als eines der größten Wirtschaftszentren dieser Welt ist Hongkong auch eine bedeutende Drehscheibe für das F&B-Business. Es besteht kein Zweifel, dass einige Jahre als erfolgreicher Expat in Hongkong die Karriere enorm pushen können. Außerdem ist der Standort auch deshalb attraktiv, weil Thailand, die Philippinen oder Malaysia praktisch um die Ecke liegen. Das macht sich auch in der Freizeit bezahlt.

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